Weinstadt

Schule als Staat am Remstal-Gymnasium

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Eindrücke aus Remstalistan. © Schneider / ZVW
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Eindrücke aus Remstalistan. © Laura Edenberger
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Eindrücke aus Remstalistan. © Laura Edenberger
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Eindrücke aus Remstalistan. © Laura Edenberger
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Eindrücke aus Remstalistan. © Laura Edenberger
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Eindrücke aus Remstalistan. © Laura Edenberger
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Eindrücke aus Remstalistan. © Laura Edenberger
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Eindrücke aus Remstalistan. © Laura Edenberger
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Eindrücke aus Remstalistan. © Laura Edenberger
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Eindrücke aus Remstalistan. © Laura Edenberger
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Eindrücke aus Remstalistan. © Laura Edenberger
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Eindrücke aus Remstalistan. © Laura Edenberger

Weinstadt. „Jetzt ist der Punkt gekommen, an dem ich das Zepter aus der Hand gebe“: Rektor Matthias Wenzke hat am Mittwochmorgen die Macht am Weinstädter Remstal-Gymnasium an die Schüler übertragen. Vier Tage lang herrscht jetzt neue Staat heißt Remstalistan. Er hat Behörden, eine Bank, Firmen, ein Theater – und bezahlt wird mit Remstalis.

Video: Remstalistan, das Projekt "Schule als Staat" vom Remstalgymnasium Weinstadt.

Präsidentin Lena Baumann lacht vom 50er-Schein, Kanzler Nicolas Luckert vom 20er, Minister Carl Pfeiffer vom Zehner und Minister Paul Bauer vom Fünfer: Wer in Remstalistan etwas kaufen will, braucht spezielles Geld. Rechnungen werden hier mit Remstalis beglichen, zehn davon entsprechen einem Euro. Die Scheine gibt es bei der Staatsbank – und jeden Tag soll es neues Geld geben. Die Mitarbeiter können sogar nachvollziehen, ob die Bürger auch brav ihre Steuern gezahlt haben. „Eine Schüler hat dafür eine Software entwickelt“, sagt Marie Wiedenmann, die mit Magnus Bischoff die Staatsbank leitet. Zugleich werden hier auch Visa erteilt. Kinder unter sechs Jahren erhalten freien Zugang zum Staat, alle anderen müssen zahlen. Wie viele Remstalis im Umlauf sind, will Marie nicht verraten. Staatsgeheimnis sozusagen. Die eigene Währung ist indes nur ein kleiner Baustein des Projekts „Schule als Staat“, das am Mittwochmorgen am Remstal-Gymnasium gestartet ist – und bei dem vier Tage lang die ganze Schule mitmacht.

Rektor: „In Remstalistan bin ich einfacher Bürger“

Monatelang hat dafür ein Team aus rund 60 Schülern mit Hilfe von Lehrern alles vorbereitet und sehr viel Zeit investiert. Der fiktive Staat Remstalistan braucht schließlich neben einer Währung auch eine Verfassung, eine Verwaltung, Firmen, Ordnungshüter und nicht zuletzt ein Parlament samt Regierung. Gewählt wurde Letztere bereits vor rund zweieinhalb Monaten. Offizielle Machtübergabe ist nun an diesem Mittwochmorgen, als Schulleiter Matthias Wenzke auf dem Pausenhof im Beisein Hunderter Schüler Präsidentin Lena Baumann einen riesigen Schlüssel überreicht. „In Remstalistan bin ich einfacher Bürger“, sagt der Rektor. Für ihn ist dieses Projekt eine große Chance, dass die Schüler die Bedeutung von Politik, öffentlicher Verwaltung und Wirtschaft besser begreifen. Und nebenbei erhofft sich Matthias Wenzke davon eine Stärkung der Schulgemeinschaft. „Da liegt ein großer Lerneffekt für euch.“

Für jeden was dabei

Wer so durchs Schulgebäude streift, kann in Remstalistan einiges entdecken. In der Gamestation können sich Computerspielfreunde austoben, im Casino sind Glücksspiele wie Roulette möglich und bei „Darts’n Grill“ können die Besucher in einem mit Fußballtrikots geschmückten Raum ein englisches Frühstück genießen, italienische Happen probieren oder gegeneinander im Dart antreten.

Werbung für DKMS: Möglichkeit, Organspendeausweis auszufüllen

Mathis Ludwig und Louisa Gaupp stehen derweil neben der Haupteingangstür des Remstal-Gymnasiums und werben dafür, sich am Samstag zwischen 9 und 16 Uhr für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei, kurz DKMS, registrieren zu lassen. Sie haben extra Wattestäbchen für Speichelproben organisiert, als Spender kommen prinzipiell alle zwischen 17 und 55 Jahren in Betracht, außer bei bestimmten Erkrankungen oder einem zu niedrigen oder zu hohen Körpergewicht. Mathis und Louisa wollen ihre Mitschüler auch dazu bewegen, einen Organspendeausweis auszufüllen. „Das geht schon ab 16“, sagt Mathis.

Draußen wird ein Teich gebaut

Draußen graben die Lehrer Wenke Lindner und Heiko Herzig mit Schülern einen neuen Schulteich aus – und das Loch ist schon ziemlich tief. Ihr Chef, Lehrerkollege Stefan Weber, hat vor einiger Zeit schon etwas Vorarbeit geleistet. Trotzdem ist noch viel zu tun. „Vielleicht können wir noch ein paar Arbeitskräfte erhalten“, sagt Wenke Lindner – und erhält prompt Hilfe von Staatsbankmitarbeiter Julius Holzer, der zufällig danebensteht. 


 „Falls Sie Arbeitskräfte brauchen: Wir haben eine Arbeitslosigkeit von 60 Prozent“: Das hat ein Mitarbeiter der Staatsbank von Remstalistan am Mittwoch gegen 10.30 Uhr unserer Zeitung gesagt. Kurz nach 9 Uhr hatte Rektor Matthias Wenzke die Macht am Remstal-Gymnasium den Schülern des fiktiven Staats übergeben, alles im Rahmen des viertägigen Projekts „Schule als Staat“. 60 Prozent Arbeitslosigkeit, das ist natürlich hoch, erschien dem Redakteur aber nur knapp eineinhalb Stunden nach Staatsgründung als durchaus plausibel. Laut Schülersprecher Valentin Roth handelt sich allerdings um ein Missverständnis. „Wir haben maximal zehn, 15 Prozent.“

Schwierigkeit: Arbeitslosigkeit berechnen

Schlimm ist das Missverständnis eigentlich nicht, zeigt der Fall doch zugleich, wie schwer es auch bei der Simulation eines Staatswesens ist, die Arbeitslosigkeit exakt zu berechnen, ganz eben wie im echten Leben. Wenn die Agentur für Arbeit monatlich die Arbeitslosenzahlen veröffentlicht, tauchen in der Quote viele Leute gar nicht auf, obwohl diese auch keinen Job haben - zum Beispiel weil sie gerade in einer Fortbildungsmaßnahme der Arbeitsagentur stecken. In Remstalistan, sagt Valentin Roth, bezogen am Mittwoch nur 26 von rund 960 Schülern Arbeitslosengeld – das würde also bedeuten, dass nur 2,7 Prozent aller Schüler ohne Job waren. Das stimmt aber nicht, schließlich gab es auch viele ohne Arbeit, die aber kein Geld vom Staat Remstalistan wollten. Eine Umfrage der Remstalistan-Zeitung hat laut Valentin Roth ergeben, dass am Mittwoch rund 800 von 960 Schülern einen Arbeitsplatz hatten – das wäre eine Beschäftigungsquote von knapp 85 Prozent.

Jeder kann kommen

Remstalistan darf nicht nur von Schülern besucht werden, sondern von allen Bürgern, die Lust haben. Besucher können am Donnerstag und Freitag von 10 bis 16 Uhr kommen, am Samstag von 10 bis 15 Uhr. Der Eintritt kostet Geld, aber der Erlös des Projekts kommt direkt der Schule zugute.

Am Donnerstag und Freitag findet jeweils von 19.30 Uhr an in der Aula des Remstal-Gymnasiums ein Sommerkonzert statt, schließlich braucht so ein Staat auch Kultur. Eine Chemieshow startet am Freitag um 15 Uhr und am Samstag um 11 Uhr und 13 Uhr, Karten dafür gibt es im Vorverkauf bei den Ticketverkäufern von Remstalistan.