Weinstadt

Schule als Staat: Remstalistan hat jetzt eine Regierung

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Parlamentspräsident Julian Glock (rechts) hat die Sitzung des Parlaments von Remstalistan geleitet. Wenn es zu unruhig wurde, konnte er die Abgeordneten mit einer Klingel zur Ordnung rufen. © Klopfer / ZVW

Weinstadt. Erst im dritten Wahlgang hat’s geklappt: Lena Baumann ist zur neuen Staatspräsidentin von Remstalistan gewählt worden. Lukas Pobitzer, Kandidat der Opposition, unterlag. Auch sonst war beim Projekt „Schule als Staat“ des Remstal-Gymnasiums in der zweiten Parlamentssitzung viel los: Es gibt jetzt eine Regierung, Ausschüsse und eine Parlamentsordnung.

Video: Präsidentschaftswahl in Remstalistan.

„Das verunsichert unsere Bürger“: Alexander Pampel fand es alles andere als konsequent, dass der unterlegene Kandidat bei der Präsidentenwahl nicht automatisch Stellvertreter des Präsidenten wird. Schließlich hat das Parlament von Remstalistan bei der Abstimmung über einen Sitzungsraum ja auch jenen Raum als Ersatzraum festgelegt, der die zweitmeisten Stimmen erhielt. Dafür bekam Alexander Pampel Applaus aus den Reihen der Opposition, deren Kandidat Lukas Pobitzer kurz zuvor bei der Präsidentenwahl den Kürzeren zog. Lehrer Raphael Hügle, ebenfalls Abgeordneter, hielt dagegen. „Man kann nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.“ Schließlich sei das Amt des Stellvertreters des Präsidenten was anderes als die Frage, welchen Ersatzraum das Parlament festlegt. „Es geht hier um die Verfassung.“

In ihrer zweiten Parlamentssitzung haben sich die Schüler des Weinstädter Remstal-Gymnasiums mit allerlei organisatorischen Dingen beschäftigt. Im Rahmen des Projekts „Schule als Staat“, das nach fünf Jahren wieder stattfindet, haben die Schüler eine Regierung gebildet und eine Staatspräsidentin gewählt. Auch eine Parlamentsordnung haben sie sich gegeben, mit insgesamt sieben Punkten. So muss sich zum Beispiel jeder Abgeordnete für die Sitzung angemessen kleiden. Handytelefonate sind nicht erlaubt. Aufrufe zu sinnfreien Abstimmungen sind zu unterlassen. Und wer wiederholt gegen eine der Regeln verstößt, dem darf für zehn Minuten das Rederecht vor dem Parlament entzogen werden.

Drei Wahlgänge waren nötig

Die Präsidentenwahl entpuppte sich zudem als zäher als gedacht. Zwar gab’s mit Lena Baumann von der regierungsnahen Liste „Die Guten“ und Oppositionskandidat Lukas Pobitzer nur zwei Kandidaten, doch letztlich waren trotzdem drei Wahlgänge nötig. Denn in den ersten Durchgängen konnte nur derjenige siegen, der neben der Mehrheit aller Stimmen auch mindestens sechs Stimmen jener Abgeordneten erhielt, die nicht über eine Liste ins Parlament eingezogen sind. Favoritin Lena Baumann bekam indes immer nur fünf Direktmandat-Stimmen, weshalb sie erst im dritten Wahlgang gewinnen konnte, in dem eine einfache Mehrheit genügte.

Komplizierte Regel macht Remstalistan gerechter

Warum ist das nur alles so kompliziert? Lehrer Marco Cinquemani klärte im Anschluss auf. Über die Direktmandate sind vor allem Schüler aus unteren Klassenstufen ins Parlament gewählt worden. Durch das Prozedere sollten ihre Stimmen stärker gewichtet werden – schließlich bilden sie und nicht die Oberstufenschüler im Gymnasium die Mehrheit. Die komplizierte Regel macht Remstalistan letztlich gerechter.

Spenden erwünscht

Im Juni steigt die große Projektwoche im Remstal-Gymnasium: Jeder der rund 900 Schüler muss dann für seine Teilnahme am Staat Remstalistan zehn Euro zahlen, um die Organisation des Staatswesens mitzufinanzieren.

Das allein wird natürlich nicht reichen. Darum hat das Organisatorenteam um Lehrer Marco Cinquemani ein Konto eingerichtet. Via Crowdfunding kann jeder mit Kleinstbeträgen das Projekt finanziell unterstützen.

Neben Präsidentin Lena Baumann, Kanzler Nicolas Luckert und drei Ministern hat Remstalistan auch drei Ausschüsse. Vorsitzender im Ausschuss für Soziales und Kultur ist Paul Bauer (Minister für Soziales und Kultur). Mitglieder: Ralf Gottheit (Lehrer), Malte Nuding, Jannis Lütgarth, Alexander Siopidis, Jonathan Schackert, Peter Weitzel und Süleyman Zelli.

Den Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft leitet Carl Pfeiffer, der Minister für Arbeit und Wirtschaft. Mitglieder sind Raphael Hügle (Lehrer), Hannah Taylor, Hannes Kröninger, Kai Thomas, Carolin Wari und Georg Heiter.

Den Vorsitz im Ausschuss für Finanzen hat Finanzminister Thomas Engelhardt inne. Einen Sitz haben zudem Noah Stoll, Eric Sigle, Alexander Pampel, Dejan Vukojevic, Richard Beeh, Michael Neuwirt, Valentin Roth und Philipp Stengel.