Weinstadt

Silcherschule in Endersbach: Explodieren die Kosten für Umbau und Erweiterung?

Silcherschule
Die Silcherschule soll erweitert werden. Die Kosten sorgen für Unmut. © Gabriel Habermann

Die Erweiterung der Silcherschule in Endersbach wird deutlich teurer als gedacht. Anstelle der ursprünglich im Haushaltsplan veranschlagten Kosten von 9,15 Millionen Euro ist jetzt von 12,9 Millionen Euro die Rede, die die Stadt selbst zu stemmen hat – das sind fast vier Millionen Euro mehr. Die Erklärungen dafür überzeugen die Stadträte nicht. Und die jetzt präsentierten günstigeren Bauvarianten kommen eigentlich nicht infrage.

Zur Erinnerung: Die Silcherschule in Endersbach soll wachsen, auch weil der Platz wegen steigender Kinderzahlen im Ort knapp wird. Zwei Gebäude entstehen neu: eine „Gartenschule“ und eine „Dorfscheune“ mit Mensa im Obergeschoss. Die bestehende Schule wird ebenfalls umgebaut. Bei einem Planungswettbewerb hatten sich die Schmidtplöcker Architekten und die HHK Landschaftsarchitektur GmbH durchgesetzt. Auch Rektorin Henriette Baumann hatte sich für den Siegerentwurf ausgesprochen.

Stadtrat ist „geschockt“ und „enttäuscht“ über die Kosten

In diesem Jahr soll mit dem Bau begonnen werden, doch in den vergangenen Wochen sind dunkle Wolken über dem Projekt aufgezogen. Als Mitte Februar in einer öffentlichen Sitzung des Technischen Ausschusses die Vorentwurfsplanung und die Kostenschätzung vorgestellt wurden, ärgerten sich einige Anwesenden über die hohen Kosten. „Geschockt“ sei er, bekundete CDU-Mann Markus Dobler gar, der sich sogar an eine noch geringere Kostenschätzung von einst 7,9 Millionen erinnert. Und „enttäuscht“ vom Architekturbüro: „Es stellt sich für mich die Frage: Wie belastbar sind die Zahlen, die wir jetzt haben?“

Eva Franke vom zuständigen Frankfurter Planungsbüro versuchte, den Weinstädtern in besagter Sitzung die Kosten zu erläutern, und tat dies am Donnerstag in der Sitzung des gesamten Gremiums erneut. Die erste ganz grobe Kostenschätzung noch vor der Entwurfsplanung mit den jetzt bekannten Zahlen zu vergleichen, sei „wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen“, so die Planerin. „Wir mussten beim Wettbewerb viele Annahmen treffen“, sagt Franke. In die Rechnung von vor einem Jahr seien weder Möbel noch Abbruchkosten eingeflossen und auch keine Erschließungskosten, Außenanlagen und Mietkosten für die Container, die in der Bauphase als Ersatzklassenzimmer dienen sollen: „Im Wettbewerb ist nur das Gebäudebudget abgefragt worden.“

Die jetzt vorliegende Planung sei aber „relativ belastbar“.

Fensterlüften? Wie kalt das werden kann, hat Corona allen gezeigt

Viele Stadträte stellt das nicht zufrieden. „Eine Schule ohne Stühle funktioniert nicht“, sagt etwa GOL-Fraktionschef Manfred Siglinger. Und meint damit: Das hätte man auch schon vor einem Jahr wissen können. Wobei Siglinger sich über eine andere Sache noch viel stärker ärgert: Im Versuch, Einsparpotenziale aufzuzeigen, haben die Planer eine „Low Tech“-Variante ohne teure Lüftung, Kühlung und Fotovoltaikanlage ins Spiel gebracht, die (nicht nur) der grüne Stadtrat für absolut ungeeignet hält.

Die Stimmungslage im Gremium: Alle Welt redet aufgrund der Corona-Pandemie von der Luftqualität in Klassenzimmern beziehungsweise der Eiseskälte, wenn die Fenster aufgerissen werden, und in Weinstadt wird ernsthaft darüber nachgedacht, eine Schule ohne Lüftung zu bauen? „Wir leben im Jahr 2021!“, rief Siglinger Mitte Februar geradezu empört und machte klar, dass er sich selbst für die teuerste Variante noch einen höheren Energiestandard wünscht, nämlich KfW 55 anstatt KfW 70. Seinem Antrag folgend wird jetzt geprüft, wie sich das wiederum in den Baukosten niederschlagen würde.

Ohne Lüftung geht's eigentlich nicht

Die „Low Tech“-Variante wäre im Bau übrigens rund 1,6 Millionen Euro günstiger als die „High Tech“-Variante, die für die Kinder aber ungleich bessere Lernbedingungen schaffen soll. Sie scheidet aber auch aus Sicht der Verwaltung aus (ebenso eine zweite, reduziertere Option). Spätestens die Vorträge zum Thema Lüften des Ingenieurs Lukas Renz vom gleichnamigen Büro in Schorndorf dürften die Räte überzeugt haben: Ohne Lüftung geht’s eigentlich nicht.

Fertigstellung bis 2025/2026 geplant

Insgesamt geht die Planung derzeit von Gesamtkosten von mehr als 14 Millionen Euro aus, abzüglich der voraussichtlichen Fördermittel bleiben die 12,9 Millionen Euro Kosten für die Stadt. Das Großprojekt soll aus wirtschaftlichen Gründen in drei Bauabschnitte aufgeteilt werden. Die Stadt geht aktuell von einer Fertigstellung in den Jahren 2025/2026 aus.

Die Erweiterung der Silcherschule in Endersbach wird deutlich teurer als gedacht. Anstelle der ursprünglich im Haushaltsplan veranschlagten Kosten von 9,15 Millionen Euro ist jetzt von 12,9 Millionen Euro die Rede, die die Stadt selbst zu stemmen hat – das sind fast vier Millionen Euro mehr. Die Erklärungen dafür überzeugen die Stadträte nicht. Und die jetzt präsentierten günstigeren Bauvarianten kommen eigentlich nicht infrage.

Zur Erinnerung: Die Silcherschule in Endersbach soll

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