Weinstadt

So feiern fünf Generationen Frauen aus Weinstadt Weihnachten

So feiern fünf Generationen von Frauen Weihnachten in Weinstadt_0
Fünf Generationen Frauen (von links): Michaela Batsch (51, geborene Kümpel), Ururoma Anna Deuschle (92), ihre Ururenkelin Emilia Marit Götz (13 Monate alt), Emilias Mutter Sina Götz (22 Jahre, geborene Batsch), und Uroma Marianne Kümpel (69, geborene Deuschle). © Büttner/ZVW

Weinstadt-Endersbach. „Ich fand immer Weihnachten mit den Omas toll“: Sina Götz feiert wie ihre Mutter und ihre Großmütter am liebsten in großer Runde. Mit der kleinen Emilia Marit gibt es seit 13 Monaten mittlerweile fünf Generationen Frauen in der Familie, bis zu Ururoma Anna Deuschle. Gemeinsam erzählen die Endersbacherinnen, wie sie Heiligabend verbringen – und was früher anders war.

Das größte Glück an Weihnachten waren für Marianne Kümpel der Kaufladen und die Puppenküche. Ihr viel zu früh verstorbener Vater, ein gelernter Schreiner, hatte beides für die Familie angefertigt. Da gab es dann zum Beispiel kleine Nudeln, die in der Puppenküche wirklich gekocht werden konnten, mit einer kleinen Pfanne und einem kleinen Topf. „Für uns war das ganz was Besonderes“, erinnert sich Marianne Kümpel (69 Jahre). Gespielt werden durfte mit Kaufladen und Puppenküche immer nur von Heiligabend bis zum Dreikönigstag, danach verschwand beides wieder für ein Jahr.

„Meistens haben wir Bücher bekommen“

Marianne Kümpel weiß noch genau, wie der Kaufladen voll war mit kleinen Süßigkeiten, von der Marzipan-Kartoffel bis zur Marzipan-Karotte – und wie ihre Brüder viel stibitzten, um es selbst zu naschen. Große Geschenke gab es nicht, schließlich hatte die Familie nicht viel Geld, erst recht nicht nach Vaters Tod. „Meistens haben wir Bücher bekommen.“ Trotz allem hat Marianne Kümpel gute Erinnerungen an diese Zeit. Sie konnte sich an kleinen Dingen freuen – wie etwa an den Lichtern in der Puppenstube, die Vater selbst gemacht hatte. In Erinnerung geblieben sind auch die Rituale, etwa wenn nach Sonnenuntergang an Heiligabend das Glöckchen im Wohnzimmer klingelte und alle wussten, dass das bedeutet, dass es nun Geschenke gibt.

Aus Erzählungen ihrer Mutter Anna Deuschle (92) weiß Marianne Kümpel, dass diese an Weihnachten nicht viel bekam. „Das war schon sehr spartanisch.“ Das heißt aber nicht, dass es freudlos zuging: So wurde in der Adventszeit viel gebacken und es wurde ein Weihnachtsbaum aufgestellt, natürlich mit Lametta. „Zu Weihnachten gab es auch immer eine Orange oder eine Schokolade, die es sonst nie gab.“

An Bücher als Geschenke erinnert sich auch Michaela Batsch (51), die Tochter von Marianne Kümpel. Bei ihr kamen auf dem Wunschzettel dann noch Barbies und Puppen dazu. Enkelin Sina Götz (22) wünschte sich am liebsten Barbies. Für sie war Weihnachten immer dann am schönsten, wenn sie im großen Kreis feiern konnte, also mit ihrer Oma und Uroma. Ab und zu verbrachte die Familie Heiligabend im Salzburger Land, wo das Wetter im Gegensatz zum Remstal stets winterlich war. Sina Götz genoss die verschneiten Landschaften und die Fahrten mit dem Pferdeschlitten. „Da waren wir auf der Alm im Schnee – das ist ein ganz anderes Weihnachtsgefühl.“

Kater Panda ist auch dabei

An diesem Heiligabend werden fast alle bei Marianne Kümpel feiern. Ihre drei Kinder werden kommen, dazu die Enkel und Urenkelin Emilia Marit Götz. Einzig Marianne Kümpels Mutter wird nicht dabei sein können, so wie im Jahr davor.

Die mittlerweile 92-Jährige lebt nämlich im Remsecker Pflegeheim am Remsufer. Marianne Kümpel wird sie in den Tagen danach besuchen, nach Absprache mit ihren Geschwistern. An Heiligabend indes werden etwa 15 Menschen bei Marianne Kümpel sein, vier Generationen unter einem Dach. Dazu gesellen sich dann noch Tiere wie Familienkater Panda (sechs Jahre), der eigentlich mal Sina Götz gehörte, aber mittlerweile zwischen dem Zuhause von Michaela Batsch und Marianne Kümpel pendelt.

Einen Weihnachtsbaum wird es im Haus selbst nicht geben. Aus Sicherheitsgründen, wie Marianne Kümpel erklärt. „Unsere Katze hat immer die Glaskugeln runtergeschlagen.“ Der Weihnachtsbaum steht deshalb jetzt draußen, seine Lichter können vom Balkonfenster aus gesehen werden. So kann auch die kleine Emilia Marit Götz munter herumkrabbeln, ohne dass die Familie ständig aufpassen muss. Früher, erzählt Marianne Kümpel, hatte ihr Mann wegen der Katzen den Weihnachtsbaum immer angebunden und die Schnur an der Wand befestigt.

Früher gab es Saitenwürstle mit Kartoffelsalat

Während bei Marianne Kümpel an Heiligabend früher immer Saitenwürstle mit Kartoffelsalat serviert wurden, gibt es mittlerweile immer was anderes. Sina Götz versucht in diesem Jahr, erstmals einen Hackbraten zuzubereiten. Ihre Großmutter backt eine Pizza, während sich ihre Mutter um den Nachtisch kümmert. „Meine Mutter macht die beste Pizza, das sagt jeder“, lobt Michaela Batsch.

An Heiligabend wird auch dieses Jahr wieder gemeinsam gespielt, ob nun „Mensch ärgere dich nicht“, „17 und 4“ oder „Trivial Pursuit“. Als Marianne Kümpels Enkel kleiner waren, bastelte die heute 69-Jährige mit ihnen zudem gerne Weihnachtssterne. Das will sie auch wieder machen, wenn die kleine Emilia Marit etwas älter ist. Bei den Geschenken geht es die Familie im Gegensatz zu früher gelassen an: Verschenkt werden Gutscheine oder einfach gleich Geld.

Nie vergessen wird Marianne Kümpel freilich, wie ihr jüngster Sohn im Kindesalter seine kleine Gitarre bekommen hat. Sie haben das damals auf Video aufgenommen – ein unvergesslicher Moment. „Der ist im Wohnzimmer rumgehüpft, weil er sich so gefreut hat über die Gitarre.“

Als Orkan Lothar die große Tanne umfegte

Marianne Kümpel und ihre Tochter Michaela Batsch erinnern sich noch genau daran, wie am 26. Dezember 1999 Orkan Lothar wütete – und durch seine Kraft die große Tanne im Nachbarsgarten zum Umknicken brachte.

Sie krachte direkt vor die Eingangstür von Marianne Kümpels Haus in der Beutelsbacher Straße und beschädigte zudem das Dach. „Die Männer haben den Eingang freisägen müssen.“ An jenem stürmischen Tag hat die Familie auch mit der Videokamera gefilmt, denn mit Handys war das damals ja noch nicht möglich. Und ihre alten Videos schauen die Endersbacher gerade an Feiertagen wie Weihnachten gerne an.

Marianne Kümpels Mann hat als gelernter Dachdecker danach das Dach repariert, auch weil wegen der vielen anderen Schäden kein Handwerker im Ort so schnell Zeit hatte. Die Kümpels mussten sich indes beeilen. „Zwei Tage später sind wir in den Urlaub gefahren.“