Weinstadt

Sperrstunde in Weinstadt: Ioannis Iatridis vom "Traffic" vermisst das Abendgeschäft

Cafe Bar Traffic
Tagsüber wird das „Traffic“ zum Café: Das Tagesgeschäft hält Wirt Ioannis Iatridis (rechts) gerade so über Wasser. © ALEXANDRA PALMIZI

Obwohl die Auslastung der Intensivbetten in Baden-Württemberg in den vergangenen Tagen unter dem Wert für die sogenannte Alarmstufe II geblieben ist, soll diese bis mindestens 1. Februar weiterhin gelten. Als Grund dafür nennt die Landesregierung die Entwicklung der Infektionszahlen mit der Omikron-Variante.

Für die Betreiber von Bars und Kneipen keine gute Nachricht: Denn mit der Alarmstufe II bleibt für sie auch die Sperrstunde zwischen 22.30 und jetzt sogar 6 Uhr weiterhin bestehen – seit Ende Dezember hatte eine Sperrzeit von 22.30 bis 5 Uhr gegolten.

Der Lockdown 2020 hat ihn schwer getroffen 

Damit sich Wirte und Gäste auch an diese Regelung halten, kontrolliere das Ordnungsamt Gaststätten regelmäßig auf die Einhaltung der Sperrstunde sowie auf alle weiteren Corona-Regeln, so die Stadt Weinstadt auf Nachfrage unserer Redaktion.

Ioannis Iatridis ist einer der betroffenen Wirte. Er betreibt seit vielen Jahren das „Traffic“, eine Bar an der Ulrichstraße in Beutelsbach. Schon im ersten Corona-Jahr und besonders während des Lockdowns über Weihnachten 2020 hat er im „Traffic“ die volle Härte der Auswirkungen der Corona-Pandemie zu spüren bekommen. Damals hatte er sogar befürchtet, den Lockdown als Wirt nicht zu überleben.

Besser als ein Lockdown, aber schwer zu verkraften

Auch von der Sperrstunde ist der 55-Jährige nun nicht gerade begeistert. „Das bricht uns schon ein bisschen das Genick“, so Iatridis. „Aber es ist besser als ein Lockdown.“ Was ihn besonders stört: Ständig, manchmal fast täglich, prasseln neue Regeln auf ihn und seine Gäste ein.

Man wisse gar nicht mehr, was gilt, was morgen kommt. „Man hat einfach die Kontrolle verloren“, erzählt der Gastwirt. Immerhin: Das Tagesgeschäft laufe inzwischen einigermaßen: „90 Prozent meiner Gäste sind geboostert.“ Außerdem hat sich der Wirt als Tester zertifizieren lassen, er führt vor Ort selbst Schnelltests durch. Doch selbst so gebe es einige, die sich trotz dreifacher Impfung oder frischem Schnelltest nicht in ihre Stammkneipe trauen – gerade jetzt, wo mit Omikron schon wieder eine neue Virusvariante im Umlauf ist.

Das fehlende Abendgeschäft geht ins Geld 

Und am Wochenende fehlt im „Traffic“ einfach das sonst so wichtige Abendgeschäft. Normalerweise hat die Bar nämlich bis nachts um 2 Uhr geöffnet. Und da ging vor Corona Freitag- und Samstagnacht gerne mal ganz schön die Post ab: Nicht nur Weinstädter, die etwa in Stuttgart zum Feiern waren und auf dem Heimweg noch etwas trinken wollten, kehrten gerne hier ein. Auch die Sportler der SG Weinstadt hätten immer zu seinen treusten Kunden gezählt, berichtet der Wirt.

Die ausbleibende Abendkundschaft geht ordentlich ins Geld. Außerdem sei das Wochenende so von den normalen Werktagen fast nicht mehr zu unterscheiden. „Das ist jeden Tag dann gleich“, bedauert Ioannis Iatridis. Sogar sein eigener Tagesrhythmus habe sich sperrzeitbedingt schon nachhaltig verändert: „Man geht früh ins Bett und steht mittlerweile sogar früh schon auf“, berichtet der 55-Jährige. „Aber das Abendgeschäft fehlt einfach.“

Viele Gäste kennen die Regeln nicht

Es ist übrigens seiner Erfahrung nach noch längst nicht bei allen Kneipengängern angekommen, dass es seit einiger Zeit zwar keinen Lockdown, aber eine Sperrstunde gibt: Immer wieder kämen Gäste kurz vor Schluss rein und würden sich dann wundern, wieso sie um kurz vor 22.30 Uhr nichts mehr bestellen können. „Viele kennen die Regeln einfach nicht“, sagt der Wirt, dem es jedes Mal leidtut, Gäste wegschicken zu müssen. 22.30 Uhr sei einfach noch zu früh. Mit 24 Uhr könnte er sich als Wirt gut arrangieren, findet er.

Andere Wirte haben es noch schwerer

Trotzdem weiß Ioannis Iatridis: Ihm geht es noch besser als vielen seiner Branchenkollegen. „Mein Tagesgeschäft hält mich über Wasser“, weiß er inzwischen. Das „Traffic“ öffnet nämlich immer schon am Vormittag und wird tagsüber zum Café. Und es gibt einige Gäste, die jeden Tag herkommen. Trotz 2G-plus-Regel und Omikron, erzählt der Wirt.

„Bei manchen Kollegen ist tagsüber gar nichts.“ Für diese Kollegen wäre ein Lockdown mit ausgleichenden Hilfen vom Staat wahrscheinlich die bessere Lösung, glaubt der 55-Jährige. Trotzdem glaubt Ioannis Iatridis daran, dass die Krise für sie alle irgendwann vorbeigeht. Auf was freut er sich dann besonders? „Dass man einfach ohne Stress und in Ruhe zusammensitzen und etwas trinken kann“, sagt der Wirt.

Obwohl die Auslastung der Intensivbetten in Baden-Württemberg in den vergangenen Tagen unter dem Wert für die sogenannte Alarmstufe II geblieben ist, soll diese bis mindestens 1. Februar weiterhin gelten. Als Grund dafür nennt die Landesregierung die Entwicklung der Infektionszahlen mit der Omikron-Variante.

Für die Betreiber von Bars und Kneipen keine gute Nachricht: Denn mit der Alarmstufe II bleibt für sie auch die Sperrstunde zwischen 22.30 und jetzt sogar 6 Uhr weiterhin

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