Weinstadt

"Sunset Lounge" auf der Luitenbächer Höhe in Weinstadt öffnet im Sommer - und kostet dann Eintritt

Luitenbächer Höhe
Wo ließ sich der Gartenschausommer 2019 besser genießen als auf der Luitenbächer Höhe bei einem Viertele Weißwein? (Archivfoto) © Gabriel Habermann

Die bewirtete Aussichtsplattform auf der Luitenbächer Höhe, auch „105 Grad Oex Sunset Lounge“ genannt, wird Anfang Juli wieder öffnen. Sie hatte im Gartenschaujahr 2019 erstmals viele Besucher in die Weinberge gelockt. Spontane Einkehr wird in diesem Jahr allerdings nicht möglich sein: Wegen der Corona-Pandemie werden nur 120 Personen, die sich im Vorverkauf ein Ticket für zehn Euro kaufen müssen, kommen dürfen. Das stößt auf Kritik, ist aber laut Kulturamtschef Jochen Beglau aus wirtschaftlichen Gründen zwingend notwendig.

CDU-Fraktionschef Witzlinger: „Schicki-Micki-Vergnügen“

Eigentlich wollte Kulturamtschef Jochen Beglau die Wiedereröffnung der „Sunset Lounge“ nach einem Sommer Zwangspause erst in ein paar Tagen ankündigen. Doch in der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend kam ihm CDU-Fraktionssprecher Ulrich Witzlinger zuvor: „Wie die Verwaltung unter unserem OB denn die Zukunft der Sunset Lounge 2021 sieht“, fragte Witzlinger unschuldig.

Es sei ja darüber nachgedacht worden, ein Eintrittsgeld von 2,50 Euro zu verlangen. Wie er erfahren habe, so Witzlinger, sei jetzt aber eine Erhöhung auf zehn Euro pro Person geplant. „Da staunen wir schon, wenn wir ziemlich viel Geld freigeben, dass die Bürger die Möglichkeit haben, diese Lounge gemeinsam zu nutzen – und jetzt wird das unter Umständen ein exklusives Schicki-Micki-Vergnügen!“

Von 2. Juli an immer freitags, samstags und sonntags geöffnet

Da ging er also hin, Beglaus Plan einer fröhlichen Pressemitteilung, begleitet von einer zeitgleich freigeschalteten Homepage mit allen Informationen zum Sommer 2021 auf der Luitenbächer Höhe.

Tatsächlich plant die Stadt dort oben, wie schon im Gartenschaujahr, Bewirtung durch verschiedene Weinstädter Weingüter, bestätigt Beglau am Donnerstagabend. Vom 2. Juli bis zum 5. September, immer freitag- und samstagabends von 17 bis 22 Uhr und an den Sonntagen tagsüber, sollen maximal 120 Menschen auf die Plattform in den Großheppacher Weinbergen gelassen werden. Es gelten die Corona-Regeln, feste Plätze werden zugewiesen.

Ein spontanes Viertele ist nicht drin – die 120 Gäste müssen sich im Vorverkauf Eintrittskarten zu je zehn Euro kaufen. Die Luca-App wird genutzt. Sicherheitspersonal regelt den Einlass. Details folgen bald.

OB Michael Scharmann: Wirtschaftlichkeit ist wichtig

Oberbürgermeister Michael Scharmann antwortete auf Witzlingers „Schicki-Micki“-Vorwurf: „Wir haben nach wie vor noch die Corona-Pandemie und trotzdem großes Interesse daran, die Sunset Lounge zu betreiben.“ Dies müsse wirtschaftlich geschehen, die Stadt könne nicht Unmengen Geld zuschießen.

Jochen Beglau erläuterte, die von Witzlinger erwähnten 2,50 Euro Eintritt seien für ein alternatives Modell diskutiert worden: Die ersten 120 Menschen hätten demnach nach drei Stunden die Lokalität verlassen müssen, ehe die nächste Welle eingeschwappt wäre. Dieses „Kehraus“-Modell sei aber verworfen worde: „Das würde nicht funktionieren, weil die Ersten sich dann um die Lounge herum hinsetzen würden.“

Kulturamtschef Jochen Beglau: Kosten auf mehrere Schultern verteilen

Die Corona-Maßnahmen sorgten für zusätzliche Ausgaben, so Beglau. Die begrenzte Zuschauerzahl hingegen bedeute für die Weingüter weniger Einnahmen. Die zehn Euro Eintritt, die Beglau „nicht für überzogen“, sondern aufgrund der exklusiven Lage für „durchaus statthaft“ hält, seien unbedingt notwendig.

Die Kosten müssten schon allein aus Verantwortung gegenüber dem Steuerzahler auf drei Schultern verteilt werden: die Stadt, die Wengerter und die Gäste. Wobei die Stadt am Ende sogar trotzdem noch draufzahle. Mit den teilnehmenden Weingütern sei dieses Vorgehen natürlich abgestimmt worden.

Wengerter Dobler: Entscheidung hat die Stadt getroffen

Daraufhin meldete sich in der Jahnhalle der Beutelsbacher Wengerter und CDU-Stadtrat Markus Dobler, Witzlingers Nebensitzer und offenbar auch erste Quelle zur Sunset Lounge, und sagte mürrisch: „Die Zehn-Euro-Entscheidung hat die Stadt getroffen, nicht die Weingüter!“

Jochen Beglau wiederum erklärte, das Vorgehen auf der Luitenbächer Höhe sei vielfach mit allen Beteiligten abgestimmt worden, sogar einen Vorort-Termin mit den Weingütern habe es kürzlich gegeben. „Das ist alles nicht neu für Sie – und Sie sind ja auch dabei, Herr Dobler, also insofern ...“

Warum verzichtet Weinstadt auf Geld aus dem „Kultursommer“-Topf?

Die Stadt argumentiert beim Eintrittsgeld für die Luitenbächer Höhe (das bei den Weinstädtern wohl wenig Begeisterung hervorrufen wird) also mit der finanziellen Lage. Da verwundert es, dass OB Michael Scharmann sich gegen die Bewerbung um Fördermittel eines Bundesprogramms zum „Kultursommer“ entschieden hat.

Neu konzipierte Veranstaltungen werden von der Kulturstiftung des Bundes mit 80 Prozent der Kosten bezuschusst. Die Mindestantragssumme beträgt 100.000 Euro. Für ein Veranstaltungskonzept zu diesen Kosten hätte Weinstadt bei erfolgreicher Bewerbung also 80.000 Euro erhalten. Rund 30,5 Millionen Euro befinden sich in dem Fördertopf.

Mittel daraus hat der Rems-Murr-Kreis jetzt für ein übergreifendes Konzept der Städte Backnang, Schorndorf und Waiblingen beantragt. Nach Angaben des Landratsamts handelt es sich um die stattliche Fördersumme von rund 500.000 Euro. Backnang beispielsweise plant rund 50 Open-Air-Veranstaltungen zwischen Ende Juni und August, bei denen auch die Gastronomie eingebunden werden soll.

OB Scharmann traut den guten Aussichten für den Sommer nicht

Die Frage von Volker Gaupp (CDU), ob sich Weinstadt um diese Förderung von Veranstaltungen im Sommer 2021 beworben habe, verneinte OB Scharmann. Die Stadt habe erst kurzfristig von dem mittlerweile abgelaufenen Programm erfahren und das „in einer Hochphase der Pandemie“.

Er habe daher das Risiko nicht eingehen wollen, ein entsprechendes Budget freizugeben, um an die Fördersumme zu kommen. Offenbar traut das Stadtoberhaupt den guten Aussichten für den Sommer noch nicht: „Ich habe beschlossen, dass wir nicht mitmachen. Ich möchte nicht, dass wir mit großen Veranstaltungen anfangen und nachher eine Inzidenzhochburg sind. Nächstes Jahr gerne wieder und dann auch gerne groß.“

Die bewirtete Aussichtsplattform auf der Luitenbächer Höhe, auch „105 Grad Oex Sunset Lounge“ genannt, wird Anfang Juli wieder öffnen. Sie hatte im Gartenschaujahr 2019 erstmals viele Besucher in die Weinberge gelockt. Spontane Einkehr wird in diesem Jahr allerdings nicht möglich sein: Wegen der Corona-Pandemie werden nur 120 Personen, die sich im Vorverkauf ein Ticket für zehn Euro kaufen müssen, kommen dürfen. Das stößt auf Kritik, ist aber laut Kulturamtschef Jochen Beglau aus

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