Weinstadt

Von Festen mit vielen Promis und herzlichen Begegnungen - Freunde und Weggefährten erinnern an Gotthilf Fischer

Dirigent Gotthilf Fischer Schwaikheim Fritz-Ulrich-Halle, Badstraße. Gotthilf Fischer feiert Jubiläum - 50 Jahre Dirigent beim M
Gotthilf Fischer beim Schwaikheimer Musikverein im Jahr 2015. © Benjamin Buettner

Vor wenigen Tagen ist der prominente Chorleiter Gotthilf Fischer verstorben. Er wurde 92 Jahre alt. Über Jahrzehnte lebte der in Plochingen geborene Mann in Weinstadt. Weggefährten und Freunde von ihm aus der Region erinnern an ihn. Sie erzählen von seiner großen Liebe zur Musik und sprechen offen über diesen besonderen Menschen.

Es war der Tag, an dem der Gitarrenweltrekord im Jahr 2007 aufgestellt wurde, als er Gotthilf Fischer kennenlernte, erinnert sich Hans Derer aus Winnenden, der im Musikgeschäft tätig ist. Damals standen 1802 Gitarristen auf einer Bühne und spielten „Smoke on the Water“. Fischer dirigierte die ungewöhnliche Konstellation. Der Chorleiter sei ein offener Mensch gewesen, auch wenn es hier nicht um Volksmusik ging, Gotthilf Fischer war dabei. Musik habe ihn einfach generell begeistert. „Er war ein echter Macher“, sagt Derer. Der bekannte Dirigent sei für jeden Spaß zu haben gewesen, auch mal als Nikolaus sei Fischer aufgetreten. Doch auch bei traurigen Anlässen habe er sich eingebracht. Etwa auch nach dem Amoklauf von Winnenden habe er sich bei einem Auftritt gezeigt und sein Beileid bekundet.

„Fischer war ein Aktivist des Positiven“, sagt Hans Derer

Über die Beziehung zwischen ihnen beiden erzählt Derer, dass es mehr als eine Geschäftsbeziehung gewesen sei, die die beiden verbunden habe. Gemeinsam habe man die Erfolge gefeiert, sagt der 63-Jährige. Aber etwa auch zur Beerdigung seines Vaters sei Gotthilf Fischer gekommen.

Besonders beeindruckt sei Derer von Fischers Auftritt bei den Heimattagen in Winnenden im vergangenen Jahr gewesen. Auch mit 91 Jahren habe er noch viele Menschen begeistert. Immer habe er gute Laune verbreitet. Derer sagt: „Fischer war ein Aktivist des Positiven“.

Derer kündigt an, in den nächsten Tagen nochmals Musik des großen Chorleiters veröffentlichen zu wollen. Darunter bislang unveröffentlichte Stücke.

Jahrzehntelang war er Leiter eines Schwaikheimer Chors

An die positive Art erinnert sich auch Wesna Münzing, die über Jahrzehnte in Fischers Chor in Schwaikheim sang. Bis zu seinem 90. Lebensjahr leitete er sie und die anderen beim Singen an. Besonders gerne erinnert sich Münzing an den großen Auftritt bei der Fußball-WM 1974. Dieser Moment wurde damals in die ganze Welt übertragen. Trotz seiner großen Bekanntheit hat er dem Chor in Schwaikheim die Treue gehalten, jeden Mittwoch sei die Singstunde gewesen. Auch wenn die Volksmusik von manchen belächelt wurde, für Fischer sei im Vordergrund gestanden, dass diese Musik verbinde. „Er war eine Seele von Mensch“, sagt Münzing. Sie habe nie erlebt, dass er mal böse wurde. Er sei durchweg ein positiver Mensch gewesen.

Der Redaktion der Waiblinger Kreiszeitung hat sie ein Foto ihrer Hochzeit überlassen, die 1986 stattfand. Auf der Feier trat der Schwaikheimer Chor auf, da kam selbstverständlich auch Fischer. Es gebe viele solcher schönen Erinnerungen an früher, der Chor sei auf viele Reisen gegangen, unter anderem nach Israel und Rom. Gemeinsam habe man auch gerne zusammengesessen und gefeiert. Der Chor von damals besteht heute nicht mehr, nachdem Fischer aufhörte, endete das Projekt. Die heute 59-jährige Münzing erinnert sich aber noch immer gerne daran.

Lange lebte Fischer in der Nachbarschaft von Jürgen Hofer

In den 1980er und 1990er Jahren lebte Gotthilf Fischer nur etwa 100 Meter vom damaligen Oberbürgermeister Jürgen Hofer entfernt. Auch er erinnert sich gerne an die Zeit. „Manchmal hat es bei mir geklingelt, Fans wollten Autogrammkarten“, erzählt Hofer. Doch tatsächlich wollten sie nicht zu ihm, sondern eigentlich ein paar Häuser weiter zu Gotthilf Fischer. Trotz der großen Prominenz sei der Chorleiter ein bodenständiger Mensch gewesen, meint Hofer. Bei einer Reise in die Partnerstadt habe er in einem Berliner Hotel Fischer zufällig getroffen, gemeinsam habe man noch zusammengesessen. Am nächsten Tag habe Hofer ihn dann vom Bus aus gesehen, wie er Plakate am Wegrand aufhängt. „Das war typisch für ihn“, erzählt Hofer.

Im Remstal habe er zurückgezogen gelebt, hier habe er auch mal seine Ruhe haben können. Trotzdem habe er es sich nicht nehmen lassen, spontan auf einer Feier für Senioren aufzutreten. Geld habe er damals nicht verlangt. „Er war ein Mann der Leute“, sagt der 79-jährige Hofer.

Besonders gerne erinnert der ehemalige Oberbürgermeister an die Einweihungsfeier von Fischers Haus in Beutelsbach vor vielen Jahrzehnten. Damals sei unter anderem die gesamte Kelly Family, aber auch der Boxer Bubi Scholz gekommen, erinnert Hofer. Weil er sich im Ort verdient gemacht hatte, pflanzte man ihm eine Ehrenrebe mit Namenstein in Schnait. Noch heute finde man sie am Museumsweinberg, sagt Hofer.

„Wo er hinkam, wurde immer gleich gesungen“, erinnert sich Eva Strehl

Auch Eva Strehl aus Endersbach erinnert sich an den Prominenten. Eine lange Freundschaft habe die beiden verbunden. Als Kulturschaffende habe sie mit ihm beispielsweise einen Liederweg in den Weinbergen organisiert. Nun habe sie die Gesangstafeln im Garten der Sinne wieder aufgestellt. Sie sollen an den großen Künstler erinnern. Um das Jahr 2000 habe sie Fischer kennengelernt, gemeinsam hätten sie große Konzerte organisiert. „Wo er hinkam, wurde immer gleich gesungen“, sagt die 88-Jährige.

Auch Mari Eckhardt von der schwäbischen Mundart-Band Schtraisalts meldet sich bei der Redaktion. Der in Spraitbach lebende Künstler habe Fischer bei einem seiner Auftritte kennengelernt. „Der hat immer den passenden Spruch auf der Zunge gehabt“, erinnert sich Eckhardt. Zwar hätten sie sich nur drei-, viermal gesehen, aber gleich habe er ihm ein Gefühl der Freundschaft gegeben. „Zum Gottle fühlsch dich gleich verbunden“, sagt er. Mit seiner Band habe er ihm ein Lied zum 93. Geburtstag geschrieben, leider habe es Gotthilf Fischer nicht mehr erleben können. Jetzt will die Band den Song zu seinen Ehren bald veröffentlichen. Nur der Text soll nun noch mal überarbeitet werden.

Auch in verschiedenen Weinstuben des Remstals war Gotthilf Fischer kein Unbekannter, erinnert sich Hans Haidle vom Weingut Karl Haidle. Auch er erinnert sich an die Feste vor Jahren. Im Weinkeller des Gutes sei der 50. Geburtstag von Fischer gefeiert worden. Und noch vor wenigen Jahren habe man sogar mal eine Fernsehaufzeichnung in dem Keller gemacht, erzählt Haidle stolz.

Fischer soll Remstal-Trollinger ins Berliner Adlon gebracht haben

Der Stettener erinnert sich auch an ein skurriles Ereignis: Fischer habe einmal eine Pressekonferenz im Adlon in Berlin gegeben, da habe er extra einen Trollinger aus dem Remstal hinbestellt. Auch der 76-jährige Haidle behält ihn vor allem als immer gut gelaunten Mann in Erinnerung.

Vor wenigen Tagen ist der prominente Chorleiter Gotthilf Fischer verstorben. Er wurde 92 Jahre alt. Über Jahrzehnte lebte der in Plochingen geborene Mann in Weinstadt. Weggefährten und Freunde von ihm aus der Region erinnern an ihn. Sie erzählen von seiner großen Liebe zur Musik und sprechen offen über diesen besonderen Menschen.

Es war der Tag, an dem der Gitarrenweltrekord im Jahr 2007 aufgestellt wurde, als er Gotthilf Fischer kennenlernte, erinnert sich Hans Derer aus Winnenden,

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