Weinstadt

Von Weinstadt nach Stuttgart: Biker-Protest gegen mögliches Sonntagsfahrverbot

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Sternfahrt nach Stuttgart zu einer Bikerdemo: Bei der Abfahrt in Endersbach ist auf dem rechten Bike vorne der Präsident des Motorradclubs "Bastards MC Germany, Chapter Waiblingen“ zu sehen, dahinter sein Stellvertreter Heiko Fricke. © ZVW/Ralph Steinemann

Motorrad stand an Motorrad am Sonntagmittag in der Endersbacher Mercedesstraße bei der S-Bahn-Haltestelle Stetten-Beinstein: Chromblitzende Schlachtschiffe, Renn- und Tourenmaschinen, an denen der Alltagseinsatz seine Spuren hinterlassen hatte, während andere sich als bürgerliche Wohlstandssymbole outeten, die für das Posen und die Spazierfahrt am Sonntag, 4. Juli 2021, geschont wurden. Eine bunte Mischung der Marken und Typen und, so oder so, eine Augenweide für jeden Zweiradfan.

Der Anlass für die Zusammenkunft war allerdings ernst. Geschätzt an die 1000 Motorradfahrer aus dem Rems-Murr-Kreis, von der Ostalb und aus der Hohenlohe waren vorgefahren, um Punkt 13 Uhr gemeinsam zu einer zentralen Demonstration zum Wasen nach Bad Cannstatt aufzubrechen. Zu der wiederum hatte „Ride Free e. V. i. G.“ eingeladen, der Zusammenschluss mehrerer Motorradclubs.

Teddy Bach von der Biker-Union tritt bei Demo als Redner auf

Als Redner hatten sich unter anderen Helmuth Eiberger von „Ride Free e.V. i.G.“ angemeldet, die FDP-Bundestagsabgeordnete Nicole Bauer und Teddy Bach von der Biker-Union. Verantwortlich für den reibungslosen Ablauf des Treffens in Endersbach sowie für die Fahrt in die Landeshauptstadt war Heiko Fricke, der Vizepräsident der „Bastards MC Germany, Chapter Waiblingen“, der in Neustadt seinen Sitz hat. „Wir als ortsansässiger Club unterstützen den Verein, indem wir die Organisation und das Stellen der Ordner übernommen haben“, erklärte Frick.

Gegen Absenkung der zulässigen Dezibelzahlen für Motorräder

„Der Tross von Endersbach auf den Wasen wird angeführt vom „Round Table Rems-Murr Kreis“, einem Zusammenschluss der Motorradclubs im Rems-Murr-Kreis. Die Fahrt geht von hier direkt auf die B 29, dann über die B 10 auf den Wasen, so dass wir möglichst nicht zu viel blockieren“, so Fricke. „Und die Polizei vorneweg, damit auch alles seine Ordnung hat.“ Man müsse sich gemeinsam gegen bereits angedachte Sonntagsfahrverbote, Streckensperrungen und die Absenkung der zulässigen Dezibelzahlen unter das Niveau von Rasenmähern positionieren, begründete Fricke sein Engagement. Diese Maßnahmen stellten einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte jedes einzelnen der sechs Millionen motorisierter Zweiradfahrer und zwölf Millionen Motorradführerscheinbesitzer in Deutschland dar.

Biker fordern, bestehende Vorschriften besser zu kontrollieren

Anstatt einfach nur Strecken zu sperren, wäre es viel wichtiger und effektiver, meinte Fricke, die bereits bestehenden Gesetze und Vorschriften durchzusetzen, durch verstärkte Kontrollen und Aufklärung die wenigen schwarzen Schafe, die tatsächlich Probleme bereiten, gezielt anzusprechen und herauszuziehen. „Aber es ist bekanntlich ein in Deutschland weit verbreiteter Irrglaube, dass man denkt, ein Problem ist dadurch aus der Welt geschafft, indem man mit einem Gesetz Verbote ausspricht und einzelne Gruppen unter Generalverdacht stellt“, so Fricke. Beispiele dafür seien Kuttenverbote und die Alkoholverbote im öffentlichen Raum, mit denen sich die Behörden letztendlich nur ersparten, ihrer Aufgabe nachzukommen und das Alkoholverkaufsverbot an Jugendliche zu kontrollieren und durchzusetzen.

Motorradfahrer verteidigen ihre persönliche Freiheit

„Wir sind heute hier“, erklärten Claus, Didi und Kerstin, drei ergraute Biker aus den Reihen der „Bastards“, „um unsere persönliche Freiheit und Art zu leben zu verteidigen. Und damit auch die aller Motorradfahrer, denn von möglichen Fahrverboten ist jeder Biker betroffen. Und was heute die Motorräder sind, können schon morgen die Autos sein!“  Schließlich gebe es auch unter den Autofahrern schwarze Schafe, die ihre Autos aufmotzten und sich nicht an die Regeln hielten, stimmte ihnen ein älterer Herr zu, den sein Sonntagsspaziergang in die Mercedesstraße geführt hatte. Auch an Straßen, die vom Lärm des Autoverkehrs belastet seien, wohnten Menschen. Und da sei dann der Weg zu einem allgemeinen Sonntagsfahrverbot nicht mehr weit, mutmaßte er.

Bundesrat beschloss 2020 Maßnahmen zur wirksamen Minderung und Kontrolle von Motorradlärm

Der Wind weht den Motorradfahrern seit einiger Zeit scharf ins Gesicht. Geht es um motorisierte Zweiräder, dann ist weniger von der von ehemaligen Bundesregierungen zum Dogma erhobenen „Freien Fahrt für freie Bürger“ die Rede, sondern vielmehr von Sonntagsfahrverboten und Straßensperrungen. Wie ein Wake-up-Call wirkte auf die Szene letztendlich der Entschluss des deutschen Bundesrates vom 15. Mai 2020 „zur wirksamen Minderung und Kontrolle von Motorradlärm“.

Nur wenige Wochen nach Veröffentlichung dieser Entschließung wurde dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Kommunikation eine Online-Petition gegen Fahrverbote für Motorräder an Sonn- und Feiertagen mit mehr als 200.000 Unterschriften vorgelegt.

Motorrad stand an Motorrad am Sonntagmittag in der Endersbacher Mercedesstraße bei der S-Bahn-Haltestelle Stetten-Beinstein: Chromblitzende Schlachtschiffe, Renn- und Tourenmaschinen, an denen der Alltagseinsatz seine Spuren hinterlassen hatte, während andere sich als bürgerliche Wohlstandssymbole outeten, die für das Posen und die Spazierfahrt am Sonntag, 4. Juli 2021, geschont wurden. Eine bunte Mischung der Marken und Typen und, so oder so, eine Augenweide für jeden Zweiradfan.

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