Weinstadt

Vor dem Besuch im Pflegeheim: So läuft der Corona-Schnelltest am Otto-Mühlschlegel-Haus ab

schnelltest
Katrin Nun vom Hygieneteam des Alexander-Stifts ist mittlerweile geübt im Abstrichnehmen. © Sebastian Striebich

Das Nasenloch, in das Katrin Nun ihr Teststäbchen einführt, darf sich der Patient selbst aussuchen. „Links oder rechts“, fragt die Mitarbeiterin des Alexander-Stifts, ehe sie eine Warnung ausspricht: „Achtung, es kitzelt ein bisschen, wir müssen tief rein, bis zum Anschlag ...“ Circa 30 Menschen lassen sich an diesem Vormittag in Endersbach auf das Coronavirus testen, bevor sie Angehörige in einem Pflegeheim des Alexander-Stifts besuchen. Ohne die „formlose Bescheinigung über ein negatives Antigen-Test-Ergebnis“, die nur am Tag des Abstrichs gültig ist, würden sie nicht eingelassen. Nachdem auch Pflegeheime des Alexander-Stifts – zum Beispiel in Schnait – schwer von Covid-Ausbrüchen betroffen waren, herrscht unter den Wartenden vor dem Otto-Mühlschlegel-Haus großes Verständnis für diese Sicherheitsmaßnahme.

Von der Ankunft bis zum Ergebnis dauert es eine Viertelstunde

Zumal der Test kostenlos angeboten wird und von der Ankunft bis zum Ergebnis gerade mal eine Viertelstunde vergeht. Wer am Otto-Mühlschlegel-Haus ankommt, hat im Vorfeld einen Termin vereinbart. Katrin Nun und ihre Kollegin Juliane Fritz, beide in voller Schutzmontur, händigen den Besuchern durchs Fenster eine Einverständniserklärung aus. Ist diese ausgefüllt, geht’s ganz fix: Maske runter, die Nasenloch-Frage, Stäbchen rein.

Ihrer Ankündigung, „bis zum Anschlag“ zu gehen, wird Katrin Nun dabei voll gerecht. Wenn der Getestete denkt, der Anschlag ist erreicht, dringt sie mit dem dünnen, langen Stäbchen noch ein, zwei Millimeter weiter vor. Durchaus unangenehm ist das, manchen tränen danach die Augen, aber immerhin: Es tut nicht weh. „Ich bin sehr vorsichtig“, sagt Katrin Nun, „wir hatten hier noch niemanden mit Nasenbluten.“

Höchstens zehn Minuten vergehen, dann öffnet eine der beiden Frauen vom Alexander-Stift ihr Fenster und ruft den Namen des Getesteten, der seine Bescheinigung überreicht bekommt. Bislang seien alle Schnelltests am Otto-Mühlschlegel-Haus negativ gewesen, sagt Katrin Nun.

Ab dem 4. Januar finden die Tests wieder vor Ort statt

Seit 23. Dezember und noch bis zum 3. Januar werden in Weinstadt für Angehörige von Bewohnern aller Alexander-Stift-Heime jeweils vormittags Schnelltests angeboten. So waren und sind auch an Feiertagen und zwischen den Jahren, wenn die Personaldecke in den Einrichtungen noch dünner ist, als sowieso schon, Besuche in den Pflegeheimen möglich. Ab dem 4. Januar sollen die Schnelltests dann wieder vor Ort durchgeführt werden. Um das zu ermöglichen, sollen in einigen Einrichtungen Ehrenamtliche und geringfügig Beschäftigte eingesetzt werden.

Wie wichtig der persönliche Kontakt mit ihren Angehörigen für die Bewohner der Pflegeheime ist, das wird im Gespräch mit Carmen Klump deutlich. Die stellvertretende Geschäftsführerin des Alexander-Stifts erklärt das Dilemma, in dem die Pflegeeinrichtungen stecken: „Wir müssen auf der einen Seite verhindern, dass das Coronavirus in die Einrichtung kommt. Wir sehen aber auch, wie die Bewohner darunter leiden, wenn ihre Angehörigen nicht zu Besuch kommen.“

Einsamkeit ist eine echte Gefahr für manche Pflegeheimbewohner

Manche seien nur traurig oder verärgert, andere bauten gesundheitlich rasant ab, verfielen in Depressionen. „Der Lebenswille geht verloren“, sagt Carmen Klump. Für Bewohner, die psychisch und körperlich instabil sind, kann das fatale Folgen haben. Zumal es auch Menschen gibt, die nicht in der Lage sind, zu verstehen, warum die Maßnahmen ergriffen werden. „Teilweise kommen Kriegserinnerungen hoch“, berichtet Carmen Klump, weil die Bewohner die Pandemie nicht erfassen könnten und nach einer anderen Erklärung für die strengen Maßnahmen suchten.

Für zwei der insgesamt 20 Pflegeheime des Alexander-Stifts gilt in diesen Tagen trotzdem: kein Besuch möglich. Während in Korb an diesem Silvestertag die Türen wieder öffnen, stehen die Einrichtungen in Schnait und Urbach wegen aktiver Coronafälle weiterhin unter Quarantäne.

Pfleger arbeiten "über der Belastungsgrenze"

Die Hoffnung ist allerdings groß, dass flächendeckende Covid-Ausbrüche und viele Todesfälle zukünftig besser verhindert werden können: Seit die Antigen-Schnelltests zur Verfügung stehen, werden in den Heimen des Alexander-Stifts alle Bewohner einmal wöchentlich getestet, alle Pflegekräfte zweimal wöchentlich, sagt Carmen Klump.

Zusätzlich in jedem Heim noch alle Besucher durchzutesten, sei ein enormer organisatorischer und personeller Aufwand, der über die Weihnachtstage und zwischen den Jahren nicht zu stemmen gewesen sei – obwohl viele Pfleger, die ohnehin seit Monaten „über der Belastungsgrenze“ arbeiteten, auf ihren Weihnachtsurlaub verzichtet hätten. Deshalb sei die Station in Endersbach eingerichtet worden.

„Man will das Virus ja nicht ins Heim tragen“

Dort halten Judith und Uwe Friedl aus Lorch jetzt ihre Eintrittskarten in den Händen für das Pflegeheim in Lorch, in dem Uwe Friedls Mutter lebt: Der Test ist bei beiden negativ ausgefallen. „Für uns ist das nicht lästig“, sagt Judith Friedl. Vielmehr seien sie froh, dass Besuche, anders als im Frühjahr, überhaupt möglich sind. Der negative Test sorgt für ein unbeschwertes Gefühl: „Man will das Virus ja nicht ins Heim tragen.“ Spontan bei seiner Mutter vorbeizuschauen, das sei momentan allerdings nicht möglich, sagt Uwe Friedl. Nicht nur für den Schnelltest in Weinstadt mussten Friedls einen Termin vereinbaren, sondern auch für den Besuch in Lorch am Nachmittag. Ähnlich geht es dem Ehepaar Waha aus Esslingen. Sabine Wahas Mutter wohnt in einem Heim in Hohenacker, sie und ihr Mann wollen sie am Nachmittag besuchen. „Alles in Ordnung“, sagt Katrin Nun und überreicht die Bescheinigung. Zwar tränen den Wahas noch ganz schön die Augen, aber die Freude überwiegt: „Das ging fix!“

Das Nasenloch, in das Katrin Nun ihr Teststäbchen einführt, darf sich der Patient selbst aussuchen. „Links oder rechts“, fragt die Mitarbeiterin des Alexander-Stifts, ehe sie eine Warnung ausspricht: „Achtung, es kitzelt ein bisschen, wir müssen tief rein, bis zum Anschlag ...“ Circa 30 Menschen lassen sich an diesem Vormittag in Endersbach auf das Coronavirus testen, bevor sie Angehörige in einem Pflegeheim des Alexander-Stifts besuchen. Ohne die „formlose Bescheinigung über ein negatives

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper