Weinstadt

Wein-Auktion: Gold unter dem Hammer

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Minister Guido Wolf, mit erhobener Bieterhand, erhält vom gut aufgelegten Auktionator Karl-Heinz Donner den Zuschlag. © Ralph Steinemann Pressefoto

Weinstadt. Zum dritten Mal fand nun die Weinversteigerung „Gold unter dem Hammer“ im Beutelsbacher Stiftskeller statt. Versteigert wurden dabei von 23 Remstäler Weingütern gestiftete, seltene und edle Tropfen. Der stattliche Erlös der auch vergnüglichen Auktion, mit kulturellem und kulinarischem Rahmenprogramm, kam Hilfsprojekten wie der Aktion „Herzenssache“ von SWR, SR und Sparda Bank für Kinder und Jugendliche in der Region zugute.

Ja, er steigerte mit! Nicht nur gab sich der Minister für Justiz und Europa sowie Präsident des Tourismus-Verbandes Baden-Württemberg, Guido Wolf, die Ehre, persönlich bei der Wohltätigkeitsversteigerung im Stiftskeller zu Beutelsbach anwesend zu sein, nein, er bot mit. So ersteigerte der Minister und Weinkenner ein Dreiergebinde „Merlot Symphonie trocken“ vom Weingut Dorea, mit dessen Karton unter dem Arm er dann aber bald eiligst den Keller verließ. Termine. Aber er war da – und sang dabei auch ein Loblied auf das Remstal!

Minister Guido Wolf ersteigerte eine „Merlot Symphonie trocken“

So fand vor allem die Verbindung von Weinbau und Tourismus mit einem sozialen Anliegen schon vorab im Versteigerungsmagazin sein Gefallen. „Wenn nun vinologische Kostbarkeiten und Raritäten zugunsten der Kinderhilfsaktion ‘Herzenssache’ durch den Tourismusverein Remstal-Route versteigert werden, so ist die Brücke von Menschen zu Menschen in jeder Hinsicht geschlagen. Dafür danke ich den Organisatoren ebenso wie den Stiftern der edlen Tropfen.“

Trinkbares aus den Fünfzigern bis Neunzigern

Und tatsächlich hatten sich 23 Remstäler Wengerter ihre Gewächse für die Auktion gestiftet. Zur Versteigerung kamen goldprämierte Weine, die schon längst nicht mehr im Handel sind. Einige der Wengerter hatten sich dabei nicht nur von Kellerschätzen mit allerhöchsten Qualitätsansprüchen getrennt, hieß es die im Stiftskeller versammelten, illustren Weinzähne animierend, sondern haben auch „in ihren staubigen, fast schon verwunschenen Kellergewölben nach alten und älteren Jahrgängen gesucht und dabei sogar Trinkbares aus den Fünfzigern bis Neunzigern des vergangenen Jahrhunderts gefunden.

Die Wengerter hatten sich auch sonst wirklich etwas für diesen Anlass einfallen lassen. So gab es, um nur einige zu nenen, eine eigens für die Auktion erstellte Sonder-edition eines Rotweincuvée trocken in der 6-Liter-Flasche zum Mindestgebot für 200 Euro (Weingut Wolfgang Haidle). Oder ein 2007er „Ypsilon“ Rotweincuvée, einen Grand Jury Europeen Sieger Rotwein von Karl Haidle. Ein Geradstettener Lichtenberg 2009, ein Silvaner Eiswein edelsüß, stand für 90 Euro die 0,375-Liter-Flasche zu Gebot.

Unterstützung für die über 700 Straßenkinder in Stuttgart

Aber bevor diese Tropfen ihre Abnehmer fanden, hielt Christoph Sonntag, erkennbar auch aus eigener Erfahrung, eine so einnehmende wie flammende Rede für das Engagement für Jugendliche, wie er es etwa auch in seiner eigenen „Sonntag-Stiphtung“ mit Street-Camps tut. Es geht da auch um die Hilfe für die hohe Zahl von über 700 in Stuttgart lebenden Straßenkindern, mit, wie Sonntag schilderte, oft abstrus radikalen, antidemokratischen Vorurteilen gegenüber anderen Menschen. „Ich hätte vor zehn Jahren nicht gedacht, dass wir in diesem Land für Demokratie kämpfen müssen“, erklärte der Kabarettist, „aber wir müssen es! Demokratie ist ein zerbrechliches Wesen.“

Auktionator treibt mit Witz die Preise nach oben

Dazu braucht es Unterstützung, zu der auch die Künstlergruppe „Kunstraum Weinstadt“ mit ihren als optische Ergänzung während der Versteigerung aufgehängten Bildern beitrug, deren Erlös zu 50 Prozent an „Herzenssache“ ging. Und besonders ist eine Auktion nur so gut wie der Mann mit dem Hammer: Karl-Heinz Donner, der sich als kenntnisreicher Auktionator mit großem, trockenen Witz ins Zeug legte. Was er da mit schwungvollem Humor darbot, war großes Entertainment, Spaß und Spannung, wie sie wohl auch bei Sothebys nicht besser zu erleben wäre.

„Ich kenn’ den Wein“, trieb er den Preis nach oben, „herrgottsbimbam, wenn i den no kriega dät!“ Und so gingen für den guten Zweck die Weine oft für’s Doppelte weg.


Die edlen Remstäler Wein-Spender

Das muss namentlich erwähnt sein. Von folgenden Weingütern wurden für die „Remstal unter dem Hammer“-Auktion seltene Tropfen gestiftet:

Aldinger, Beurer, Dobler, Doreas, Bernhard Ellwanger, Jürgen Ellwanger, Escher, Engelhorn, Häfner, Karl Haidle, Wolfgang Haidle, Heid, Idler, Klopfer, Kuhnle, Maier, Mayer, Rienth, Schnaithmann, Singer & Bader, Remstalkellerei, Fellbacher Weingärtner, Zimmer.

Dr. Karl-Heinz Donner und Ute Funk: „Wir haben allen Grund, auf unser Remstal, diese enorme Dichte hervorragender Gastronomie, diese Vielzahl und hohe Qualität bester Weiß- und Rotweine und die große Produktivität von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen stolz zu sein. Dazu stehen wir!“