Weinstadt

Weinstädter Quelle jetzt nicht mehr nach Nazi-Bürgermeister Georg Amann benannt

Quelle
Wolf Dieter Forster (li.) und Bernd Breyvogel haben die Umbenennung der Georg-Amann-Quelle angestoßen. © Alexandra Palmizi

Die Trinkwasserquelle in Baach ist nicht mehr nach einem überzeugten Nationalsozialisten und Antisemiten benannt. Das hat der Weinstädter Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung entschieden. Die „Georg-Amann-Quelle“, Namensgeber war der Schnaiter Bürgermeister von 1932 bis 1944, trägt jetzt wieder ganz offiziell die Bezeichnung „Fallenhauquelle“. So habe sie im Volksmund eh immer geheißen, sagt Wolf Dieter Forster, der Ex-Gemeinderat, der die Umbenennung angestoßen hat. Sein SPD-Parteigenosse Julian Künkele hat bereits den nächsten problematischen Namensgeber im Blick.

Sollte auch die Hindenburgstraße umbenannt werden?

„Wir haben auch noch eine Hindenburgstraße in Weinstadt ...“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende in der öffentlichen Gemeinderatssitzung vergangenen Donnerstag in der Jahnhalle. Künkele spielte damit auf ein Thema an, das in seiner Partei schon Tradition hat: Bereits in den 80er Jahren scheiterte die SPD im Bestreben, die nach Paul von Hindenburg benannte Straße in Strümpfelbach umzubenennen. Zuletzt wurde der Vorschlag vor circa neun Jahren abgelehnt. Deutschlandweit wird immer wieder über den Umgang mit diesen Straßen diskutiert. Schließlich hatte Reichspräsident Hindenburg 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt – und zwar offenbar in der Überzeugung, es sei zum Besten für Deutschland. Allerdings, sagte Manfred Siglinger, GOL-Chef im Gemeinderat, auf Julian Künkeles Anmerkung: Eine Quelle umzubenennen sei dann doch etwas weniger aufwendig, als zahlreiche Strümpfelbacher mit einer neuen Adresse zu versehen. Es bleibt abzuwarten, ob auch dieses Thema noch einmal neu aufgerollt wird. Künkele selbst schätzt die Chancen, dass die Hindenburgstraße in naher Zukunft umbenannt wird, als äußerst gering ein.

Für die Umbenennung der Georg-Amann-Quelle, die seit 1964 diesen Namen trug, hat sich im Gemeinderat hingegen eine breite Mehrheit ausgesprochen. Bei lediglich einer Gegenstimme wurde der Verwaltungsvorschlag angenommen, der Quelle wieder ihren ursprünglichen Namen zu verleihen.

"Eindeutig bekennender Antisemit"

Vorausgegangen waren dem Antrag Nachforschungen des Stadtarchivars Dr. Bernd Breyvogel, der im März 2020 einen viel beachteten Vortrag zur Rolle Georg Amanns im Nationalsozialismus gehalten hatte. Sein Fazit: Der Bürgermeister habe sich durch den Erwerb der Quelle und seinen weiteren Einsatz zwar um Schnait verdient gemacht. Er sei aber auch „eindeutig bekennender Antisemit, und zwar schon lange vor 1933“, gewesen und habe als NSDAP-Mitglied „in seinen Taten und seinen Äußerungen als Bürgermeister unzweifelhaft den Nationalsozialismus“ vertreten.

Angestoßen hatte die Debatte ebenfalls ein SPD-Mann, der frühere Stadtrat Wolf Dieter Forster. Er hatte im Sommer 2019 in einem Brief an Oberbürgermeister Michael Scharmann geschrieben: „Georg Amann ist kein Vorbild für unsere demokratische Gesellschaftsordnung. Eine Beibehaltung der öffentlichen Ehrung Amanns wäre ein falsches Signal des Gemeinderats an die Öffentlichkeit und diente der Verharmlosung der als Antisemit und Nationalsozialist stark belasteten Person Georg Amann.“

Stadtrat Julian Künkele dankte Forster in seiner Wortmeldung dafür, „dass er dieses Thema transparent gemacht hat“. Außerdem regte Künkele an, es nicht bei der schlichten Umbenennung zu belassen, sondern auch vor Ort Aufklärung zu leisten über die Namensgeschichte der Quelle. „Damit werden wir unserer Verantwortung bewusst“, sagte Künkele. Es dürfe nicht gelten: „Aus den Augen, aus dem Sinn.“

"Lokaler Vertreter des NS-Unrechtsstaats"

Auf diesen Vorschlag war Oberbürgermeister Michael Scharmann bereits vorbereitet. In der Gemeinderatssitzung trug er einen Textentwurf für ein Schild bei der Quelle vor: „Die Fallenhauquelle ist für die Trinkwasserversorgung des Weinstädter Stadtteils Schnait von zentraler Bedeutung. Der Schnaiter Schultheiß Georg Amann (1893-1944) konnte die Quelle 1925 für die damals noch selbstständige Gemeinde erwerben. Um ihn dafür und für die weiteren Verdienste während seiner langen Amtszeit als Schultheiß und Bürgermeister Schnaits (1922-44) zu ehren, beschloss der Gemeinderat 1964, diese Quelle nach ihm zu benennen. Doch Georg Amann war in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit der lokale Vertreter des NS-Unrechtsstaats, der in Schnait für die Durchsetzung der nationalsozialistischen Ideologie und Politik in Wort und Tat eintrat. Er wurde zum 1.4.1933 Mitglied der NSDAP und übernahm auch Parteiämter auf Kreisebene. Außerdem war er nach eigener schriftlicher Aussage überzeugter Antisemit. Vor diesem Hintergrund entschied der Weinstädter Gemeinderat 2020, dass die weitere öffentliche Ehrung solch einer belasteten Person nicht mehr vertretbar sei, und benannte die Quelle wieder nach ihrem hergebrachten Namen.“

Über den Text und die Aufstellung wird der Gemeinderat allerdings noch separat entscheiden. Der erste Schritt ist getan.

Die Trinkwasserquelle in Baach ist nicht mehr nach einem überzeugten Nationalsozialisten und Antisemiten benannt. Das hat der Weinstädter Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung entschieden. Die „Georg-Amann-Quelle“, Namensgeber war der Schnaiter Bürgermeister von 1932 bis 1944, trägt jetzt wieder ganz offiziell die Bezeichnung „Fallenhauquelle“. So habe sie im Volksmund eh immer geheißen, sagt Wolf Dieter Forster, der Ex-Gemeinderat, der die Umbenennung angestoßen hat. Sein SPD-Parteigenosse

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