Weinstadt

Weinstadt: Endersbacher Urgestein Gerhard Schäfer wird 90

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Gerhard Schäfer (90) auf seiner Terrasse: Hier lässt es sich in der Morgensonne aushalten. © Ralph Steinemann Pressefoto

Gerhard Schäfer lebt im Endersbacher Oberdorf, mit Blick aufs Backhäusle und den Platz vor der Eisdiele „Laofe“: ein Platz, den er 60 Jahre lang gepflegt hat und der ihm bis heute sehr am Herzen liegt.

Er feiert im Freien - wegen Corona

Dass die Eisdiele jetzt vor kurzem in die neue Saison gestartet ist und am Wochenende die Menschen über den ganzen Platz Schlange stehen und das Oberdorf beleben – nichts könnte den rüstigen Senior mehr freuen. Am Mittwoch, 30. März, feiert Gerhard Schäfer seinen 90. Geburtstag. Er lädt alle Weinstädter ein, mit ihm vor der Eisdiele gebührend zu feiern.

„Dort feiere ich von 10.30 bis 12.30 Uhr“, gibt Gerhard Schäfer bekannt. Wer vorbeikommen wolle, sei herzlich eingeladen. Unter freiem Himmel soll es Schneckennudeln, Flachswickel und andere gute Sachen geben. Nur darauf, Gäste bei sich daheim zu empfangen, möchte der Endersbacher coronabedingt lieber verzichten. Auch ans Telefon werde er am Mittwoch bewusst nicht gehen. „Ich will mich mit meinen Gästen unterhalten“, stellt er klar.

60 Jahre lang den Bach und die Blumen gepflegt

Gerhard Schäfer hat alles bestens organisiert. Auch mit 90 Jahren nimmt er die Dinge gerne selbst in die Hand: Seit seine Frau Maria Ende 2018 verstorben ist, lebt er alleine. Er könne sich gut selbst versorgen, auch das mit dem Kochen habe er mittlerweile raus, sagt Gerhard Schäfer: „Mir geht’s gut!“

Zwar hat er die ehrenamtliche Pflege des Mühlbachs und der Blumenkästen am oberen Backhaus vor einem Jahr abgegeben. Das Gießen und das gründliche Auszupfen der Blumen in den zwölf Kästen, die die Stadt dort jeden Sommer aufhängt, sei dann doch zu viel Arbeit geworden.

Er kehrt immer noch vor dem Museum

Doch auch jetzt noch sorgt er alle vierzehn Tage vor dem Endersbacher Heimatmuseum Pflaster 14 und dem Rathaus Endersbach für Ordnung und kehrt dort eigenhändig den Schmutz zusammen. „Diese Kippen kann ich gar nicht leiden“, sagt der 90-Jährige über achtlos weggeworfene Zigarettenstummel, die er dort immer wieder vorfinde. Bis heute ist Schäfer außerdem Ehrenkreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Rems-Murr.

Sich Gerhard Schäfer ohne ein Ehrenamt vorzustellen, wäre wohl auch kaum möglich: Drei Seiten füllt die Liste mit Ehrenämtern und Funktionen, die der ehemalige Friseurmeister seit jungem Erwachsenenalter innehatte.

Träger des Bundesverdienstkreuzes und Ehrenbürger der Stadt Weinstadt

In feinsäuberlicher Handschrift hat der 90-Jährige diese Liste niedergeschrieben, um es unserer Redaktion beim Schreiben dieses Artikels ein bisschen leichter zu machen. Viel Aufhebens um die verschiedenen Ämter zum Beispiel bei der Friseurinnung, der Handwerkskammer, dem DRK, dem Finanzgericht, der Feuerwehr und dem Gesangverein macht er nicht.

Man könne sich aus der Liste ja herauspicken, was man für wichtig halte, so der 90-Jährige leichthin. Auf das Bundesverdienstkreuz, das ihm Finanzminister Guntram Palm 1984 verliehen hat, die Porzellanmedaille des Rems-Murr-Kreises für vorbildliches Engagement und die Bürgermedaille der Stadt Weinstadt, die ihn seit 2014 als Ehrenbürger auszeichnet, ist Gerhard Schäfer aber schon etwas stolz. Gemeinsam mit zahlreichen Ehrennadeln und weiteren Auszeichnungen schmücken die Urkunden sein Wohnzimmer.

Im Fernsehen mit Senta Berger und Loriot

Stolz ist der Endersbacher auch auf einen schon leicht vergilbten, aber sorgfältig abgehefteten Zeitungsartikel, dessen Foto einen jungen Gerhard Schäfer gemeinsam unter anderem mit Caterina Valente, Senta Berger und Loriot zeigt. „Endersbacher Friseurmeister war Testkandidat im ,Machtgame‘-Quiz“, liest sich die Unterzeile des Artikels aus den 1970er Jahren.

Gerhard Schäfer hatte damals auf eine Annonce des Senders „Südwest 3“ geantwortet, bei der nach Kandidaten für die brandneue Spielshow gesucht wurde. Der Endersbacher wurde nicht nur „Kandidat Nummer eins“, sondern nahm auch noch 250 Mark Gewinn mit nach Hause.

Tochter Petra führt den Friseursalon weiter

Der 90-Jährige grinst spitzbübisch, wenn er sich an diese Zeiten erinnert. Viele schöne Erinnerungen habe er, sehr, sehr viele, betont Gerhard Schäfer. Aber trotz allem: Der Beruf sei für ihn immer an allererster Stelle gekommen. „Und die Familie war mir auch sehr wichtig.“ Gerhard Schäfer hat zwei Töchter und einige Enkelkinder. Seine Tochter Petra führt gemeinsam mit ihrem Mann den Friseursalon in der Strümpfelbacher Straße 4 weiter.

Gerne erinnert sich der 90-Jährige auch an seinen 80. Geburtstag zurück, den er im Kreis der Familie in seinem Lieblingsgasthof im Schwarzwald gefeiert hat. Daraus sei dieses Jahr leider nichts geworden – eben wegen der anhaltenden Corona-Pandemie. Auch das Reisen hat immer zu seinen Leidenschaften gehört. Sein liebstes Reiseziel: Südtirol.

Er hat den Endersbacher Weihnachtsmarkt initiiert und begleitet

Doch es hat fast schon etwas Symbolisches, dass Gerhard Schäfer hier im Oberdorf seinen 90. Geburtstag feiert: Es zeigt noch einmal seine tiefe Verbundenheit mit der Ortschaft Endersbach. Nur wenige Hundert Meter von der Strümpfelbacher Straße entfernt, in der er am 30. März 1932 das Licht der Welt erblickt hat.

Und just auf dem Platz, wo er den Endersbacher Weihnachtsmarkt ins Leben gerufen und viele Jahre lang begleitet hat – bis die Tradition 2013 nach 42 Jahren schließlich ihr Ende fand. Gerhard Schäfer ist geblieben. Weiterhin hat er mit viel Hingabe dafür gesorgt, dass der Mühlbach und der Platz drum herum immer hübsch und einladend aussehen und keine verwelkten Blumen die Ansicht stören.

Jeden Abend spielt er Orgel

Und wer in dieser Nachbarschaft wohnt und abends ganz genau hinhört, kann vielleicht hören, wie der 90-Jährige jeden Abend vor dem Schlafengehen die Melodie von „Großer Gott, wir loben dich“ auf seiner Heimorgel spielt.

Gerhard Schäfer lebt im Endersbacher Oberdorf, mit Blick aufs Backhäusle und den Platz vor der Eisdiele „Laofe“: ein Platz, den er 60 Jahre lang gepflegt hat und der ihm bis heute sehr am Herzen liegt.

Er feiert im Freien - wegen Corona

Dass die Eisdiele jetzt vor kurzem in die neue Saison gestartet ist und am Wochenende die Menschen über den ganzen Platz Schlange stehen und das Oberdorf beleben – nichts könnte den rüstigen Senior mehr freuen. Am Mittwoch, 30.

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