Weinstadt

Weinstadt: Personalnot und hohe Preise machen Biergarten-Betreibern Probleme

Biergarten Brunnenstüble
Halim Ibishi ist Betreiber des Biergartens Brunnenstüble in Weinstadt-Endersbach. © Alexandra Palmizi

„Bei schönem Wetter haben wir fast jeden Tag geöffnet“, sagt Halim Ibishi. Eigentlich. Der 50-Jährige betreibt den Biergarten Brunnenstüble in Endersbach, der dieses Jahr seit dem 4. Mai geöffnet hat. Aktuell lädt das Wetter jedoch nicht zum Einkehren in eine Gartenwirtschaft ein. Auch in den nächsten Tagen soll es regnen, für Halim Ibishi Grund genug, den Biergarten nicht zu öffnen. „Es ist schwierig. Die Frequenz ist an solchen Tagen nicht so groß“, sagt er. Die Folge: Der Umsatz decke bei weitem nicht die anfallenden Kosten – wie etwa für das Personal.

Seine Hoffnung setzt der Gastronom dafür in das Wochenende. Am kommenden Samstag und Sonntag soll das Wetter gut werden – und Ausflügler, Familien und Gäste in den Biergarten locken. Zwar sei ein höherer Umsatz zu erwarten, dieser gleiche aber nicht den Verlust von den Schlechtwetter-Tagen aus. „Man muss immer den Durchschnitt berechnen“, sagt Halim Ibishi.

Personal, Preise und Druck prägen aktuell die Arbeit in der Gastronomie

Zu der Ungewissheit, wie und ob das Wetter mitspielen wird, kommt noch der Personalmangel in der Gastronomie hinzu. Wie in vielen anderen Biergärten in der Region fehlen auch im Endersbacher Brunnenstüble Mitarbeiter. Genauer gesagt: zwei zusätzliche Fachkräfte, so Ibishi. Aushilfen zu finden sei für ihn bisweilen kein Problem. Diese jedoch einzuweisen, „nimmt viel Zeit in Anspruch“, sagt er. Es brauche jemand, der mitanpacke und wisse, welche Aufgaben es zu erledigen gebe. „Es ist erstaunlich“, sagt der 50-Jährige. „Überall in der Gastronomie fehlen Leute. Wo aber sind diese Leute?“

Generell haben sich in der Corona-Zeit viele Köche oder Servicekräfte umorientiert, sind in vermeintlich sicherere Branchen gewechselt.

Hinzu kommt laut Ibishi, dass die Arbeitszeiten in der Gastronomie nicht gerade dem üblichen Berufsalltag entsprechen. „Viele Menschen wollen nicht am Wochenende oder bis spät abends arbeiten“, vermutet er. Wann immer der Biergarten Brunnenstüble mit den rund 200 Sitzplätzen wegen Regen und Gewitter geschlossen bleiben muss, setzt Halim Ibishi das Personal in seiner angrenzenden Pizzeria „Di Meglio“ ein. „Mitarbeiter, die länger gearbeitet haben, bekommen dann frei oder helfen in der Pizzeria aus“, erklärt er. Und wenn es dann mal bei sommerlichen Temperaturen eng im Biergarten wird, packen der Chef und seine Frau höchst persönlich an. „Wir sind rund um die Uhr im Einsatz“, sagt Halim Ibishi.

"Manchmal überlegt man sich, ob man Tagespreise machen soll"

Voller Einsatz für die Gäste steht an erster Stelle, obwohl der Branche im Moment keine einfachen Zeiten bevorstehen. „Ein Problem sind auch die steigenden Preise“, sagt er. Alles werde teurer und das mache sich auch für die Gäste bemerkbar. „Wir mussten die Preise um zehn Prozent erhöhen.“ Halim Ibishi: „Manche Kunden verstehen die Preiserhöhung, manche Kunden zeigen kein Verständnis.“

Grund für die Anpassungen der Preise auf der Speise- und Getränkekarte seien Lebensmittel, die im Einkauf immer teurer werden. „Bei Käse ist es im Moment ganz schlimm, und auch bei Milchprodukten oder Fleisch. Das wird immer teurer“, sagt der Gastronom. Der Preis für das Öl habe mittlerweile nachgelassen, nur ein schwacher Trost. „Manchmal überlegt man sich, ob man Tagespreise machen soll.“

Es sind viele Aspekte, die dem Biergarten-Inhaber zu schaffen machen. „Es belastet uns sehr“, sagt Halim Ibishi. Er vermisse die Leichtigkeit in seinem Beruf, mit der man auch den Gästen begegne. „Die Arbeit soll Spaß und Freude machen, man ist aber zurzeit nur unter Druck“, sagt er.

Biergarten Zur Seemühle in Endersbach feiert 30-jähriges Jubiläum

Ebenfalls in Endersbach, aber ein wenig außerhalb betreibt Ariane Neumann den Biergarten Zur Seemühle. „In der nächsten Woche feiern wir 30-jähriges Jubiläum“, sagt sie. Seit 1992 ist der kleine Biergarten entlang der Felder in Richtung Strümpfelbach ein beliebtes Ziel bei Stammgästen, aber auch Spaziergängern und Radfahrern. Im Vergleich zu größeren Biergärten bleibt der Familienbetrieb weitestgehend von Personalmangel verschont. „Wir sind ein kleiner Betrieb, können unseren Bedarf selbst decken und brauchen deshalb keine Angestellten“, sagt Ariane Neumann.

Die 57-Jährige bewirtet die Gäste gemeinsam mit Mutter und Ehemann. An manchen Tagen helfe auch die Tochter im Biergarten aus. „Wir sind glücklich und zufrieden“, sagt Neumann. Rund 50 Sitzplätze hat der Biergarten zur Seemühle zu bieten, die bei schönem Wetter auch gut belegt sind. „Wir haben eine tolle Stammkundschaft, die auch bei schlechtem Wetter kommt“, sagt die Betreiberin.

Preiserhöhung soll Gäste nicht abschrecken

Bewirtet wird dann im Gaststüble – mit klassisch schwäbischer Küche, das Aushängeschild der Gartenwirtschaft. „Bei uns gibt es Schwäbisches, Zwiebelrostbraten, Maultaschen und einfache Sachen.“ Der Anstieg der Preise für Lebensmittel mache sich jedoch auch im Familienbetrieb bemerkbar. „Wir haben die Preiserhöhung so gering wie möglich gehalten, dass es unseren Stammgästen möglich ist, weiterhin zu kommen“, sagt Ariane Neumann.

Letztendlich lasse sich der Preisanstieg, so die Gastronomin, nicht in vollem Umfang auf die Preise für die Gäste umwälzen. „Zum Beispiel ist Angusrind unwahrscheinlich teuer geworden“, sagt sie.

Doch die 57-Jährige bringt nichts so schnell aus der Ruhe. Erst mal wolle der Familienbetrieb das 30-jährige Jubiläum des Biergartens feiern, auch im Beisein der Gäste. Ariane Neumann: „Es gibt keine große Sause, aber wir feiern mit den Gästen, die da sind.“

„Bei schönem Wetter haben wir fast jeden Tag geöffnet“, sagt Halim Ibishi. Eigentlich. Der 50-Jährige betreibt den Biergarten Brunnenstüble in Endersbach, der dieses Jahr seit dem 4. Mai geöffnet hat. Aktuell lädt das Wetter jedoch nicht zum Einkehren in eine Gartenwirtschaft ein. Auch in den nächsten Tagen soll es regnen, für Halim Ibishi Grund genug, den Biergarten nicht zu öffnen. „Es ist schwierig. Die Frequenz ist an solchen Tagen nicht so groß“, sagt er. Die Folge: Der Umsatz decke bei

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