Weinstadt

Weinstadt rüstet digital auf: Schulen bekommen Display-Tafeln

Digitale Tafel
Andere Städte sind schon weiter: In Schorndorf hat die Stadtverwaltung die Gottlieb-Daimler-Realschule schon im vergangenen Sommer mit modernster Medientechnik, auch Display-Tafeln, ausgestattet. © ZVW/Gabriel Habermann

„Tageslichtprojektoren sind bei manchen Schulen noch immer hoch im Kurs!“ – das sagt Oliver Kämmer, der in Weinstadt neuerdings die Digitalisierung vorantreiben soll. Er hat viel zu tun: In der Grundschule Strümpfelbach zum Beispiel gibt es noch überhaupt keine digitale Präsentationstechnik. Auch an der Vollmarschule und der Reinhold-Nägele-Realschule, wo die kurzzeitig gefeierten „Whiteboards“ nicht hielten, was sie versprachen, ist der Bedarf groß.

Diese drei Schulen sind dann auch als Erstes an der Reihe, wenn der Gemeinderat am 25. März beschließt, sämtliche Klassenzimmer mit digitalen Display-Tafeln auszustatten. Diesen Grundsatzbeschluss zu fassen, empfiehlt der Sozial- und Kulturausschuss unisono und folgt damit den Plänen der Verwaltung.

Die Schulen in Weinstadt sind unterschiedlich gut ausgerüstet

Was dem städtischen Digital-Experten Oliver Kämmer vorschwebt, ist auf lange Sicht eine „Standardisierung in den Klassenzimmern der Weinstädter Schulen“. Schließlich sei der „Ist-Zustand sehr heterogen“.

Übersetzt heißt das: Manche Schulen in Weinstadt sind technisch schon ganz gut ausgerüstet – die Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule oder das Remstal-Gymnasium zum Beispiel, das in den vergangenen Jahren auf Beamer-Technik gesetzt hat –, andere hinken hinterher. Letztere, eben die Reinhold-Nägele-Realschule, die Vollmarschule und die Grundschule Strümpfelbach, sollen jetzt zuerst in den Genuss der neuen Hightech-Tafeln kommen.

„Schrittweise unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit und der finanziellen Möglichkeiten der Stadt“ soll die Umsetzung nach einer Pressemitteilung aus dem Rathaus erfolgen. Die bevorstehenden Baumaßnahmen, etwa an der Silchergrundschule und der Beutelsbacher Grundschule, spielten dabei eine zentrale Rolle.

Für 50 Klassenräume kalkuliert die Stadt mit rund 300 000 Euro

Die Verwaltung erarbeitet jetzt ein Feinkonzept und bereitet eine entsprechende Ausschreibung für die Tafeln vor. Die Finanzierung erfolgt aus den Mitteln des Digitalpakts Schule. „Dabei sind für die komplette Umsetzung rund 1,1 Millionen Euro veranschlagt, der geplante erste Schritt beinhaltet zunächst 50 Klassenräume und würde mit rund 300 000 Euro zu Buche schlagen“, heißt es in der Pressemitteilung. In der Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses sagte Ulrich Spangenberg, Leiter des Amts für Familie, Bildung und Soziales, Corona wirke „wie ein Brennglas“ bei der Digitalisierung der Schulen, biete zusätzliche Mittel und Möglichkeiten.

Die maximal 98 Zoll großen Display-Tafeln, die jetzt beschafft werden sollen, und pro Stück um die 6000 Euro kosten dürften, sind laut Spangenberg „ein Produkt, von dem ich restlos überzeugt bin, nachdem ich mich viele Jahre damit beschäftigt habe“. Nach allem, was Spangenberg und Kämmer erfahren haben, sind die Geräte überraschend robust. Oliver Kämmer berichtet: „Ich habe mir einen Eindruck verschafft an mehreren Schulen. Es gibt immer wieder die Demonstration, dass ein Schlüsselbund gegen die Tafel geworfen wird, und ihr passiert nichts.“ Das Display sei außerdem aus jeder Position im Klassenzimmer gut einsehbar.

In Strümpfelbach herrscht auch beim Internet noch Nachholbedarf

Die Hightech-Tafeln verfügen über Touchscreens, einen integrierten Computer und sind internetfähig. Im Unterricht erarbeitete Inhalte lassen sich nach Angaben der Stadt abspeichern, zentral verwalten und an jeder anderen angeschlossenen Display-Tafel oder auf mobilen Endgeräten im Schulhaus oder zu Hause abrufen.

Doch ist das bei den aktuellen Internetanschlüssen der drei Modellschulen überhaupt möglich? Ja, sagt die Stadtverwaltung, das funktioniert, ein Breitbandanschluss ist kein Muss für die neue Technik. Wobei die Reinhold-Nägele-Realschule bereits über einen Glasfaseranschluss verfügt, und ebenso die Vollmarschule, bei der allerdings noch die internen Verkabelungsarbeiten im Gange sind. Nur die Strümpfelbacher Grundschule liegt mitten in einem unterversorgten weißen Fleck und hat deshalb auch in puncto Internet noch großen Nachholbedarf.

Stadt Weinstadt: Die Ausstattung ist "ein wichtiger Standortfaktor"

Was die Display-Tafeln angeht, lässt sich freilich schwer sagen, wie lange sie den aktuellen Stand der Technik markieren. Das ist auch den Digitalisierern im Rathaus bewusst. Die Halbwertszeit der sogenannten Whiteboards, die vor einigen Jahren noch einen Hype auf Schulmessen erzeugten, hat sich ja bereits als erstaunlich kurz herausgestellt: Zu empfindlich, zu anfällig, zu wenig intuitiv, so lautet das Fazit Ulrich Spangenbergs heute. Mit den Display-Tafeln allerdings hätten schon viele Schulen gute Erfahrungen gemacht. In der städtischen Vorlage heißt es: „In der Schullandschaft ist eine dem Stand der Technik entsprechende Schulausstattung ein wichtiger Standortfaktor."

Anette Rebmann (GOL): „Der Lehrer kann nicht mehr mit Kreide werfen“

Die Stadt geht jetzt auf die Schulen zu, fragt den Bedarf ab, ermittelt, was die Hightech-Tafeln können müssen. Dann erfolgt die Ausschreibung und schließlich der Umbau. Fast schon melancholisch klang GOL-Frau Anette Rebmann im Sozial- und Kulturausschuss, als sie sagte: „Irgendwann gibt es keine klassische Tafel mehr, keine Schwämme mehr, der Lehrer kann nicht mehr mit Kreide werfen ... Das ist ein Schritt in eine Zukunft, die nicht mehr aufzuhalten ist.“

„Tageslichtprojektoren sind bei manchen Schulen noch immer hoch im Kurs!“ – das sagt Oliver Kämmer, der in Weinstadt neuerdings die Digitalisierung vorantreiben soll. Er hat viel zu tun: In der Grundschule Strümpfelbach zum Beispiel gibt es noch überhaupt keine digitale Präsentationstechnik. Auch an der Vollmarschule und der Reinhold-Nägele-Realschule, wo die kurzzeitig gefeierten „Whiteboards“ nicht hielten, was sie versprachen, ist der Bedarf groß.

Diese drei Schulen sind dann auch

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