Weinstadt

"Wer ließ Corona raus": Schüler aus Weinstadt schreiben Corona-Songs

Song
Venezia Molinaro (11) und ihr Bruder Valentino (14) besuchen das Weinstädter Remstal-Gymnasium – und haben mit Unterstützung ihrer Mutter schon drei Lieder über die Coronazeit geschrieben. Dazu haben sie selbst gesungen und auch Videos gedreht, die sie bei Youtube hochgeladen haben. © ALEXANDRA PALMIZI

„Die Leute hamstern Klopapier, Nudeln und meiden Arzttermine. Die Schränke sind prall gefüllt, uh Corona. Kein Kuss, kein Handschlag mehr, uh Corona“: Das sind Zeilen aus dem Song „Wer ließ Corona raus“, den die Weinstädter Venezia Molinaro (11) und ihr Bruder Valentino (14) in den vergangenen Wochen geschrieben haben.

Sie haben dazu auch ein Video erstellt, mit Unterstützung ihrer Mutter Viktoria Molinaro. Diese ist begeistert, wie die Kinder die Zeit ohne Präsenzunterricht am Remstal-Gymnasium kreativ genutzt haben. Sie hat im Internet gesehen, wie viele Corona-Songs seit März entstanden sind, und sich gedacht: Das machen wir auch. Mittlerweile gibt es schon drei Lieder – und Venezia und Valentino denken nicht ans Aufhören.

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Kurzfilm über Klopapierrolle, die in Flammen aufgeht

Angefangen hat alles damit, dass Venezias Kunstlehrerin vor den Osterferien wollte, dass die Kinder ein Video drehen, in dem Klopapier vorkommt. Dieses war zum damaligen Zeitpunkt wegen der vielen Hamsterkäufe in Supermärkten bekanntlich Mangelware. Die Geschwister räumten daraufhin zu Hause einen Wohnzimmerschrank aus und füllten ihn mit Lebensmitteln auf.

Der Klopapierrolle verpassten sie mit Hilfe von Nähnadeln Augen – und machten dann einen rund zwei Minuten langen Film darüber, was die Klorolle mit den anderen Lebensmitteln so erlebt. Dazu verwendeten sie die Stop-Motion-Technik. Bei dieser wird eine Illusion von Bewegung erzeugt, indem viele Fotos aneinandergereiht werden.

Mit einem Glas Wasser gelöscht

Zum Schluss fängt die Klorolle in dem Video Feuer. Valentino stand während der Dreharbeiten mit einem Glas Wasser daneben, um schnell löschen zu können. Die verkokelten Überreste der Klorolle haben die Molinaros aufgehoben. Sie nennen sie ehrenhalber „Papel de Toalete“. Das Video dazu haben sie mit einer speziellen App erstellt – und am 1. April bei Youtube hochgeladen. Die Musik dazu stammt nicht von den Molinaros. Nach Valentinos Angaben handelt es sich um lizenzfreie Musik, die kostenlos verwendet werden darf. Es ist ein Corona-Song – und genau dadurch kamen die Geschwister und ihre Mutter auf die Idee, selbst ein Corona-Lied zu schreiben.

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Songtitel: "Wer ließ Corona raus"

„Wer ließ Corona raus“ ist dabei herausgekommen. Der Text stammt von den Molinaros, die Melodie ist von dem 2000er-Hit „Who let the Dogs out“. Diese ist laut Valentino Molinaro allerdings abgeändert worden. Im Video sind zwei Coronaviren zu sehen sowie eine sich drehende Weltkarte. Gemacht hat der Neuntklässler alles mit dem Microsoftprogramm Powerpoint.

Mit der App "Garageband" aufgenommen

Den Gesang haben die Geschwister als Erstes mit der App „Garageband“ aufgenommen, die es nur für Apple-Geräte gibt. In der App konnten sie auch die Instrumentalmusik integrieren. „Wir haben dann für den Song eine App gesucht, die die Stimme verzerrt“, erklärt Valentino. Entschieden hat er sich letztlich für Voloco, das es für Android- und Apple-Geräte gibt.

Die App ist zumindest teilweise kostenfrei und kann die Stimme verzerren. Bei der Suche nach einer geeigneten App stellten die Molinaros fest, dass Nutzer schnell in eine teure Abofalle hineinstolpern können, wenn sie die falsche Wahl treffen.

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Nächstes Lied: "Schule 2020"

In ihrem zweiten Song namens „Schule 2020“ geht es um das Gefühl, nach den vielen Wochen zu Hause endlich wieder in die Schule gehen zu dürfen. Zu Beginn des Lieds ist die Stimmung noch gedrückt. Dann aber ändert sich mittendrin der Rhythmus – und es wird ein Partysong, der die Schule feiert.

Venezia und Valentino freuen sich nämlich selbst schon richtig auf den Unterricht, der für beide am Weinstädter Remstal-Gymnasium allerdings erst nächste Woche losgeht. Schließlich wurden dort wie an anderen Schulen die Klassen in zwei Gruppen aufgeteilt, die abwechselnd eine Woche Präsenzunterricht erhalten.

Waiblinger Tonstudio genutzt

Im Unterschied zum ersten Lied haben die Geschwister ihren Song diesmal nicht zu Hause mit einer App aufgenommen, sondern im Tonstudio Biss, das im Waiblinger Gewerbegebiet Eisental liegt. Und es steht jetzt schon fest, dass es ein drittes Lied gibt. Ein Video dazu haben die Molinaros aber noch nicht veröffentlicht. Für bessere Tonaufnahmen zu Hause soll dabei ein neues Mikrofon sorgen.

Mit Blick auf die vergangenen Wochen ziehen Mutter und Kinder ein positives Fazit. „Ich persönlich fand die Auszeit mit meinen Kindern ohne Schule sehr schön. Die Kinder konnten sich wieder eigenen Gedanken widmen und die Welt ohne Vorgaben entdecken“, sagt Viktoria Molinaro. Allen Schülern wünscht sie einen guten Start und eine gute Zeit bis zu den Sommerferien.

Youtuber zu werden ist anstrengender als gedacht

Ihre Videos haben die Molinaros bislang bewusst nur bei Youtube hochgeladen und nicht etwa bei Facebook und Instagram. Sie hoffen, so ein Publikum zu finden, dass nicht nur aus dem eigenen Bekanntenkreis besteht. Bei den Dreharbeiten für die Videos und dem Erstellen von Songs haben sie laut Valentino eines gemerkt: „Wir haben gelernt, wie anstrengend es ist, Youtuber zu werden.“ Der Traumberuf vieler Jugendlicher ist eben doch in erster Linie mit Arbeit verbunden.