Weinstadt

Wie Corona die Arbeit der Wengerter in Weinstadt ändert

Wengerter Idler
Der Strümpfelbacher Wengerter Marcel Idler hat während der vergangenen Wochen verstärkt Unterstützung von seiner Frau Laura Idler erhalten. Wie auch seine Mutter hat sie im Betrieb mehr als sonst mitgearbeitet – zum Beispiel beim Etikettieren von Weinflaschen. © ALEXANDRA PALMIZI

Kein leuchtender Weinberg, kein Strümpfelbacher Rathaustreff: Wengerter Marcel Idler aus Strümpfelbach spürt den Wegfall von Publikumsveranstaltungen beim Umsatz. Auch seine Vinothek konnte der junge Weinbauer wegen der Coronakrise nicht wie geplant für Feiern vermieten. Geburtstagsfeste und Hochzeiten wurden entweder verschoben oder gleich ganz abgesagt. „Es ist schon eine kleine Delle“, sagt Marcel Idler.

Ob 2020 insgesamt ein schlechtes Jahr wird, ist aus seiner Sicht noch nicht entschieden. „Wir hoffen, dass die Gastronomie endlich hochfahren kann.“ Dazu spekuliert der Strümpfelbacher auf das Weihnachtsgeschäft und auf die Ferienzeit im Sommer. „Vielleicht tut es uns auch gut, wenn die Leute mehr daheim Urlaub machen.“

Am Wochenende wird nun öfter bewirtet

Sein eigentlich für Juni geplantes Hoffest hat Marcel Idler wegen Corona abgesagt. Stattdessen hat er sich dafür entschieden, am Wochenende einfach öfter zu bewirten. So sind die vergangenen Wochenenden nach seinen Angaben eigentlich gut gelaufen. Seine 40 Plätze seien mehrmals am Tag belegt gewesen. Da das Weingut Direktvermarkter ist und seine Weine nicht nur über die Gastronomie verkauft, sondern auch über den Handel, hat sich die wirtschaftliche Delle nach Marcel Idlers Angaben in Grenzen gehalten.

Online-Verkostungen von Weinen hat der Weinbauer in der Coronazeit nicht angeboten – was nicht bedeutet, dass er diese Idee grundsätzlich schlecht findet. „Ich habe Kollegen, die haben das sehr, sehr gut gemacht.“ Nur er selbst sei dafür nicht der Typ, sich vor eine Kamera zu stellen.

"Das ist ein Riesendrama gewesen"

Schwer war es für Marcel Idler in diesem Jahr, Erntehelfer aus Osteuropa zu bekommen. Er ist da nicht der Einzige: Viele Betriebe in der Landwirtschaft kommen ohne Saisonarbeitskräfte nicht aus. Deshalb hat der Strümpfelbacher versucht, die durch Corona gestiegenen bürokratischen Hürden zu nehmen – und einen rumänischen Arbeiter Mitte Mai über Karlsruhe einfliegen lassen. Zwei Wochen habe dieser daraufhin in Quarantäne gehen müssen, dazu sei auch das Buchen des Flugs alles andere als leicht gewesen, da bestehende Flüge wegen der Pandemie abgesagt wurden. „Das ist ein Riesendrama gewesen.“

Ehefrau und Mutter helfen beim Etikettieren der Flaschen

Jetzt, mit den seit Mitte Juni innerhalb der Europäischen Union geltenden Lockerungen, ist es wieder leichter geworden. Die zweite Arbeitskraft, die bei Marcel Idler hilft, reiste auf dem Landweg ein – was im Vergleich zu einem Flug weniger kostet. „Wir sind froh, dass überhaupt jemand gekommen ist“, sagt der Strümpfelbacher. Eine große Hilfe sind in den vergangenen Wochen zudem seine Ehefrau Laura Idler und seine Mutter Ursula Idler gewesen, die verstärkt im Betrieb mitgeholfen haben – etwa beim Etikettieren der Weinflaschen.

Wie geht es dem Weingut Klopfer aus Großheppach?

„Am Anfang war die Ungewissheit groß“, sagt Christoph Klopfer, der in Großheppach mit seinem Vater das Weingut Klopfer betreibt. Das große Glück seit Ausbruch der Corona-Pandemie war, dass die Stammkundschaft treu geblieben ist. „Wir haben so viele Päckchen verschickt wie noch nie“, sagt der junge Wengerter. Da es wegen Corona nicht möglich war, im Frühjahr gemeinsam mit den Kunden den neuen Weinjahrgang zu verkosten, hat die Familie kurzerhand ein Paket mit Weinen aus drei verschiedenen Qualitätsstufen verschickt – und auf Kärtchen dazugeschrieben, zu welchen Speisen die Tropfen passen. Der Verkauf über den Einzelhandel blieb laut Christoph Klopfer konstant.

Erst 2019 eine neue Vinothek für Veranstaltungen gebaut

Ob es unterm Strich in diesem Jahr ein Minus wird, kann der Großheppacher noch nicht sagen. Nicht wie geplant belegt werden kann die 2019 neu gebaute Vinothek des Weinguts, da viele Familienfeiern abgesagt wurden. Damit der Neubau nicht dauernd leer steht, kooperieren Klopfers nun mit der Weinstube Traube aus Grunbach, die am Freitag, 26. Juni, und Samstag, 27. Juni, eine Weinprobe in der Vinothek veranstaltet, wo sich die geforderten Abstandsregeln leichter einhalten lassen. Auch Christoph Klopfer selbst hat im Zuge der Corona-Lockerungen wieder eine Weinprobe gehalten.

Neue Idee: Jungwinzer-Cup

Mit den Jungwinzern Stuttgart, bei denen neben Christoph Klopfer auch die Weinstädter Wengerter Andreas Dobler und Daniel Kuhnle mitmischen, wird der Großheppacher einen Jungwinzer-Cup veranstalten. 16 Wengerter sollen hier in vier Weinkategorien antreten. Jeweils die Gruppensieger ziehen ins Halbfinale ein, am Ende gibt es ein Finale um den Cup – und Start ist am Freitag, 3. Juli.

Was den Einsatz der Saisonarbeiter angeht, fühlte sich Christoph Klopfer vom Weinstädter Ordnungsamt und seinem Branchenverband gut unterstützt. Im Juni seien die Leute aus Polen gekommen – und nach zwei Wochen Quarantäne könnten sie nun anpacken. „Das hat gut funktioniert.“ Wie bei der Weinlese im Herbst die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden sollen, weiß Christoph Klopfer noch nicht – aber im Moment ist dieses Problem nicht so dringend.

Saisonarbeiter aus Rumänien hatte Angst vor Corona-Infektion

Bernhard Schwegler aus Endersbach beliefert als Genossenschaftswengerter die Remstalkellerei. Für seine neun Hektar Anbaufläche wollte er eigentlich für die Zeit von Mitte Mai bis Ende Juli Saisonarbeiter aus Rumänien holen, so wie jedes Jahr. „Es geht nicht ohne bei unserer Betriebsgröße.“ Wegen Corona und der damit zusammenhängenden Bürokratie verzichtete der Endersbacher darauf – und setzte stattdessen auf die Hilfe seines Vaters und seiner Kinder.

Durch die jüngsten Lockerungen wäre es zwar wieder einfacher, Saisonarbeitskräfte zu holen – aber jener Rumäne, der ihm bisher immer half, wollte nicht kommen, aus Angst vor einer möglichen Corona-Infektion im Ausland. „Man muss sich in die Situation versetzen – da habe ich schon Verständnis.“

Kein leuchtender Weinberg, kein Strümpfelbacher Rathaustreff: Wengerter Marcel Idler aus Strümpfelbach spürt den Wegfall von Publikumsveranstaltungen beim Umsatz. Auch seine Vinothek konnte der junge Weinbauer wegen der Coronakrise nicht wie geplant für Feiern vermieten. Geburtstagsfeste und Hochzeiten wurden entweder verschoben oder gleich ganz abgesagt. „Es ist schon eine kleine Delle“, sagt Marcel Idler.

Ob 2020 insgesamt ein schlechtes Jahr wird, ist aus seiner Sicht noch nicht

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