Weinstadt

Wildbienen ein Zuhause geben: So funktioniert's

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Wildbienen
In Weinstadt-Endersbach steht nun eine Wildbienenwand, die den Insekten einen geschützten Lebensraum bieten soll. © Palmizi / ZVW
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Stolze Gesichter bei der Einweihung der Nisthilfe unweit der Rems: In Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Helfern und der Stadtverwaltung hat der Nabu Weinstadt, hier unter anderem vertreten von Hermann Spiess (Zweiter von rechts, neben OB Michael Scharmann), ein Insektenhotel gebaut.
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Die ersten Röhrchen sind bereits bezogen. © ALEXANDRA PALMIZI

Weinstadt-Endersbach. Summen und brummen soll es im kommenden Jahr bei der Hütte der Großheppacher Fischer. Eine große Wildbienenwand hat die Weinstädter Nabu-Gruppe dort mit Unterstützung ehrenamtlicher Helfer und der Stadtverwaltung errichtet. Als zweites Bürgerprojekt für die Remstal-Gartenschau hat sie OB Michael Scharmann am Mittwochabend eingeweiht – und wie der Nabu-Vorsitzende Hermann Spiess zur Nachahmung aufgerufen.




Ein sechs Quadratmeter großes Zeichen für den Artenschutz haben Weinstädter Bürger mit ihrem zweiten Projekt für die Gartenschau im kommenden Jahr gesetzt. Hunderten Wildbienen und Insekten bietet die neue Wildbienenwand Nistplätze. Sie steht direkt am Remstal-Radweg, etwa auf halbem Weg zwischen dem Endersbacher Wohnquartier Trappeler und Großheppach. Gegenüber der Fischerhütte haben Mitglieder der örtlichen Naturschutzbund-Gruppe und Helfer aus dem Ehrenamtspool der Remstal-Gartenschau sie einbetoniert, befüllt und mit Infotafeln flankiert.

Wand steht inmitten eines Futterparadieses

Für Wildbienen haben sie damit ein ideales Zuhause geschaffen. Es liegt inmitten eines Futterparadieses: Apfelbäume zur Rechten und Linken, eine Wildblumeninsel direkt vor dem Bau, drum herum Wiesen, soweit das Auge reicht.

„Das begrünte Dach ist natürlich das i-Tüpfelchen“, lobte der Weinstädter Oberbürgermeister Michael Scharmann das Projekt bei einer Einweihungsfeier am Mittwochabend. Projekte wie dieses seien ein Schritt gegen das Artensterben, sagte er. Auch die Lage direkt am Radweg sei sehr gut: So werde die Wildbienenwand zu einer „tollen Station für Kinder“. Er drückte seine Hoffnung aus, dass einige Passanten die Idee mit nach Hause nehmen und dort eigene Insektenhotels aufstellen.

Nabu und ehrenamtliche Helfer machen es möglich

Sein Dank galt den drei Hauptorganisatoren des Nabu: dem Ersten Vorsitzenden Hermann Spiess, dem Zweiten Vorsitzenden Klaus-Dieter Meissner und Günter Schaupp. Außerdem dankte er den ehrenamtlichen Helfern, der Strümpfelbacher Zimmerei Fleck für Rahmen und Dach sowie Paul Wilhelm für Betonierarbeiten.

Hermann Spiess wiederum dankte der Stadt für die „unbürokratische, rasche“ Umsetzung. Die Idee, berichtete er nach seiner kurzen Ansprache, habe er schon vor ziemlich genau einem Jahr gehabt. Im Januar wurde sie zum Bürgerprojekt. Zwei Monate später stand der Rahmen. Kürzlich folgten nun das Dach und die Tafeln mit Informationen über Wildbienen, Bestäubung und Nistmaterialien.

Wildbienenarten bevorzugen jeweils spezielle Nistmaterialien

Bei Letzteren könne übrigens viel falsch gemacht werden, sagte Spiess. In ganz Deutschland sind etwa 550 Bienenarten nachgewiesen: schwarze, gelbe, braune, haarige, glatte. Sie haben jeweils eigene Ansprüche an ihre Umgebung. Manche fühlen sich in Hohlräumen von Ziegeln besonders wohl, andere nisten in sandig-lehmigem Löss, die nächsten bevorzugen festes Totholz, andere Schilfrohre und so weiter. Die neue Wand orientiert sich deshalb an einer Nisthilfe des Insektenkundlers Paul Westrich.

Dort wird es in Zukunft einiges zu sehen geben, sagt Spiess vorfreudig. Er möchte dort selbst mehr über Wildbienen lernen. Und er hofft, dass das eine oder andere Vorurteil ausgeräumt wird. Zum Beispiel das von der angriffslustigen Wildbiene: „Sie haben teilweise gar keinen Stachel.“


 

Insektenhotel selbstgemacht

Eine Nisthilfe für den eigenen Garten zu zimmern ist gar nicht schwer – und einmal aufgebaut, muss sie auch nicht gereinigt werden. Eine Möglichkeit ist es, ein Dach auf einen Holzblock zu setzen und Löcher hineinzubohren.

 

 

Eine andere Variante ist, eine Holzkiste mit hohlen Bambusröhrchen (Durchmesser: drei bis neun Millimeter) aufzufüllen. Sie müssen nur abgesägt, an der Schnittfläche glatt abgeschmirgelt und so gestapelt werden, dass die Löcher zur Vorderseite der Kiste zeigen. Wenn ein Röhrchen kaputtgeht, kann es einfach ausgetauscht werden. Die Zwischenräume werden mit Stroh oder Schilf aufgefüllt. Wer ein Drahtgitter (Maschenweite: 23 Millimeter) über die Kiste spannt, verhindert, dass Vögel Röhrchen stibitzen.

Platziert werden sollten die Nisthilfen an sonnigen, trockenen, regengeschützten Orten in der Nähe von Futterpflanzen. Als Abstand zum Haus reichen drei bis vier Meter, sagt der Weinstädter Nabu-Vorsitzende Hermann Spiess.