Weinstadt

Wohngebiete in Schnait und Großheppach: Wer bekommt einen Bauplatz in Weinstadt?

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Schnait wird am südlichen Ortsrand wachsen. Jetzt steht fest, wer besonders gute Chancen auf einen Bauplatz im Neubaugebiet hat. © Gabriel Habermann

Sie wohnen seit mehr als fünf Jahren in Weinstadt zur Miete mit ihrer Familie? Arbeiten auch hier und sind ehrenamtlich in einem Verein tätig? Dann stehen Ihre Chancen auf einen Bauplatz im Neubaugebiet Furchgasse in Schnait oder in der Brückenstraße in Großheppach ganz gut. Denn Sie erfüllen gleich mehrere der sieben sozialen Kriterien, die von der Stadt bei der Vergabe berücksichtigt werden sollen.

Wer die meisten Punkte sammelt, erhält den Zuschlag

Grundsätzlich ist es bei neuen Baugebieten im Speckgürtel von Stuttgart so: Die Nachfrage für neuen Wohnraum ist viel größer als das Angebot. Doch an wen werden die begehrten Bauplätze für Einfamilienhäuser in Weinstadt schließlich vergeben? An den Höchstbietenden? Das hat der Gemeinderat ausgeschlossen. Per Losverfahren oder nach dem Prinzip "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst"? Das widerspricht dem Ziel, ortsansässigen Familien eine Perspektive in der Stadt zu bieten.

Die Weinstädter Verwaltung schlägt für die acht Bauplätze in der Brückenstraße in Großheppach und die 21 individuellen Bauplätze in der Furchgasse in Schnait die Festlegung über soziale Vergabekriterien vor. Der Technische Ausschuss hat diesem Vorschlag bereits zugestimmt, der gesamte Gemeinderat wird dies aller Voraussicht nach Ende Juni tun. Ähnlich ist die Stadt schon bei der Vergabe privater Bauplätze im Wohnbaugebiet Halde V in Endersbach verfahren. Wer die meisten Punkte sammelt, bekommt den Zuschlag, bei Punktgleichheit entscheidet das Los.

Der Verkauf der Grundstücke hat noch nicht begonnen

Noch sind die beiden neuen Wohngebiete in Schnait und Großheppach nicht in der Vermarktung. In der Brückenstraße ist der Verkaufsstart - mit Verzögerung - für das Frühjahr 2022 geplant. Am Schnaiter Ortsrand beginnt zwar bald die Erschließung, allerdings ist das Bebauungsplanverfahren noch nicht abgeschlossen. Die Bauplätze für Einfamilienhäuser könnten wohl gegen Ende des Jahres angeboten werden – mit deutlicher Verzögerung gegenüber den ursprünglichen Plänen. „Der Verkauf startet, sobald die Bebauungspläne die notwendige Reife haben“, sagte Liegenschaftsamtschef Karlheinz Heinisch jüngst im Technischen Ausschuss, „eventuell nach der Offenlegung.“

Jeder darf sich auf maximal drei Bauplätze bewerben

Jeder Bewerber wird sich dann auf maximal drei Bauplätze bewerben dürfen, von denen er höchstens einen erhält – und zwar ausschließlich über das Online-Portal www.baupilot.com. Die Stadt möchte Familien aus Weinstadt die Möglichkeit bieten, „ihren Lebensmittelpunkt in Weinstadt zu behalten“, wie es in den Kriterien zur Bauplatzvergabe heißt. Allerdings ist der Spielraum begrenzt: Weniger als die Hälfte der Kriterien dürfen Ortsbezug aufweisen, wie Liegenschaftsamtsleiter Heinisch erklärte: „Wir bleiben deutlich unter 50 Prozent, damit sind wir auf der sicheren Seite.“

In anderen Städten hätten schon Kaufverträge „rückabgewickelt“ werden müssen, weil Gerichte geurteilt hatten, dass die Vergabekriterien unzulässig gewesen waren, so Heinisch.

Diese sieben Kriterien will Weinstadt bei der Vergabe berücksichtigen

Weinstadt wird an die Bewerber auf Bauplätze in der Furchgasse in Schnait und in der Brückenstraße in Großheppach insgesamt 210 Punkte vergeben. 80 davon weisen laut Karlheinz Heinisch „Ortsbezug“ auf, bevorzugen also Menschen, die bereits in Weinstadt leben.

Diese sieben Kriterien schlägt die Stadtverwaltung vor:

  • Wohnsitz in Weinstadt: Wer in den vergangenen zehn Jahren für fünf Jahre oder länger mit Hauptwohnsitz in Weinstadt gelebt hat, bekommt dafür 50 Punkte.
  • Arbeitsplatz in Weinstadt: 15 Punkte – und maximal 30 pro Familie – werden für Arbeitsplätze in Weinstadt vergeben, wobei Minijobs keine Berücksichtigung finden. Laut Karlheinz Heinisch wünschten sich viele Arbeitgeber in Weinstadt Wohnraum vor Ort „für ihre fähigen Mitarbeiter“.
  • Kinder im eigenen Haushalt: Für Kinder, die im eigenen Haushalt leben, vergibt die Stadt zehn Punkte pro Kind, das nach dem 1. Januar 2011 geboren wurde, also bis zu zehn Jahre alt ist, und für eine bestehende Schwangerschaft. Fünf Punkte gibt’s pro Kind, das zwischen dem 1. Januar 2003 und dem 31. Dezember 2010 geboren wurde, also zwischen elf und 18 Jahre alt ist. Auch hier können maximal 30 Punkte erreicht werden.
  • Ehrenamtliches Engagement: Wer sich seit mindestens einem Jahr in einem Verein oder einer gemeinnützigen Institution engagiert, und zwar in einer „herausragenden/leitenden oder arbeitsintensiven Funktion“, bekommt 15 Punkte. Das gilt beispielsweise für Jugendtrainer im Sportverein oder Mitglieder bei der Freiwilligen Feuerwehr. Pro Familie sind maximal 30 Punkte möglich. Stadtrat Armin Zimmerle (Freie Wähler) regte in diesem Punkt an, nur Ehrenamtliche in Weinstadt zu belohnen. OB Michael Scharmann widersprach: „Wenn einer außerhalb von Weinstadt aktiv in der Feuerwehr war, ist die Chance groß, dass er hier auch in die Feuerwehr kommt.“ Außerdem gilt ja, wie bereits erwähnt: Die ortsbezogenen Kriterien sind begrenzt.
  • Miete: Wer mit seinem Haushalt zur Miete wohnt, erhält 20 Punkte. In der Zielsetzung der Stadt heißt es, Familien sollen „die Möglichkeit bekommen, Eigentum zu eigenen Wohnzwecken erstmalig zu erwerben“. Nur wer zusichert, selbst einzuziehen, darf sich bewerben.
  • Aktuelle Wohnsituation (Wohnfläche): 30 Punkte erhält, wer bislang innerhalb der Grenzen des Landeswohnraumförderungsgesetzes lebt – also mit einer Person auf bis zu 45 Quadratmetern, mit zwei Personen auf bis zu 60 Quadrametern, mit drei Personen auf 75 Quadratmetern, mit vier Personen auf 90 Quadratmetern usw.
  • Schwerbehinderungen: Zehn Punkte, maximal 20 Punkte pro Haushalt, werden Personen gutgeschrieben, die einen Behinderungsgrad von mindestens 50 Prozent nachweisen können.

Wer am Ende den Zuschlag erhält, muss sich das Grundstück (und das Eigenheim) nur noch leisten können. Zum Quadratmeterpreis, den sie in Großheppach und Schnait aufrufen wird, macht die Stadt noch keine Angaben. Dieses Thema sei bislang nur nichtöffentlich diskutiert worden. Was jetzt schon feststeht: Günstig wird’s nicht. In der Halde V lag der Quadratmeterpreis bei um die 800 Euro, teilweise sogar deutlich darüber.

Sie wohnen seit mehr als fünf Jahren in Weinstadt zur Miete mit ihrer Familie? Arbeiten auch hier und sind ehrenamtlich in einem Verein tätig? Dann stehen Ihre Chancen auf einen Bauplatz im Neubaugebiet Furchgasse in Schnait oder in der Brückenstraße in Großheppach ganz gut. Denn Sie erfüllen gleich mehrere der sieben sozialen Kriterien, die von der Stadt bei der Vergabe berücksichtigt werden sollen.

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