Weinstadt

Zum Tod von Gotthilf Fischer: Persönliche Erinnerungen an den Chorleiter, der jahrzehntelang in Beutelsbach wohnte

Fischer
Immer für einen Witz zu haben: Chorleiter-Legende Gotthilf Fischer posiert im September 2017 mit der Martin-Luther-Puppe, die Redakteur Bernd Klopfer zum Gespräch mitbrachte. Anlass: 500 Jahre Reformation und ein Lied, das Fischer zu Ehren des Reformators verfasst hat (Archivfoto). © Bernd Klopfer

Sein Pensum war viele Jahre lang unglaublich. Trotz seines Alters trainierte Gotthilf Fischer noch mit über 80 ständig diverse Chöre. Ludwigsburg, Stuttgart, Schwaikheim, Bönnigheim: Der Meister konnte nicht einfach auf der Couch sitzen und nichts tun, er musste raus, was schaffen, so wie man das als fleißiger Schwabe eben macht. Nun ist Gotthilf Fischer im Alter von 92 Jahren gestorben. Was war das Geheimnis dieses Mannes, der mit seinen Fischer-Chören in den 1970er Jahren weltberühmt wurde, der lange Zeit Dauergast im Fernsehen war und dessen offizieller Wohnsitz sich jahrzehntelang in Weinstadt-Beutelsbach befand?

Meine erste persönliche Begegnung mit Gotthilf Fischer hatte ich einige Wochen vor seinem 85. Geburtstag, der am 11. Februar 2013 war. Er zeigte mir damals seine Narbe am Hals, die von einer Notoperation an seiner Halsschlagader im Jahr 2012 kam. Zwei Monate musste er deshalb in der Klinik verbringen. „Wer mit 84 Jahren zum ersten Mal zum Arzt geht, darf auch mal ebbes mitbringen“, sagte Gotthilf Fischer damals beim Gespräch. Jammern wollte er nicht, stattdessen war er einer, der versuchte, auch über die schweren Seiten des Lebens mit einer gewissen Leichtigkeit zu sprechen.

Mit 17 Jahren schickten ihn die Nazis gegen Kriegsende an die Front

Diese optimistische Einstellung kam nicht zuletzt von seinen Erlebnissen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Er kam mit 17 auf Anordnung der Nazis zum Volkssturm, so wie viele andere Männer. In einem schon lange verlorenen Krieg sollte er sich an der Front opfern. „So blödsinnig. Da sind die meisten gefallen“, sagte Gotthilf Fischer damals im Gespräch. Er konnte auch über ernste Themen reden. Aber am liebsten erzählte er in seinen späten Jahren Anekdoten – und das konnte er ziemlich gut.

In Beutelsbach wohnte Gotthilf Fischer damals im Jahr 2013 in einer Wohnung in einem ganz durchschnittlichen Mehrfamilienhaus – und nicht mehr wie zuvor in einem großen Anwesen. Die genaue neue und alte Anschrift durften wir damals natürlich nicht verraten. Dass nur wenige Kilometer entfernt von seinem Wohnsitz das Geburtshaus des berühmten Komponisten Friedrich Silcher steht, hat gepasst. Fischer verstand sich immer als Botschafter der deutschen Volkslieder. Das hat dem Schwaben oft Spott eingebracht, aber so etwas hat ihn nur angespornt, jetzt erst recht weiterzumachen.

Von der Kraft der Musik war Gotthilf Fischer überzeugt. Das wurde mir einmal mehr bewusst, als ich ihn Ende 2016 bei einer Chorprobe in Stuttgart traf. Seine langjährige Managerin Esther Müller musste ihn an diesem Abend nach der Chorprobe mehrmals daran erinnern, das Wassertrinken nicht zu vergessen („Gotthilf, trink mal was“), so sehr war der damals 88-Jährige in seinem Element. Damals empfahl er den Bundestagsabgeordneten, wenigstens einmal im Monat gemeinsam einen halben Tag zu singen. „Dann hätten die eine Stimmung!“

Als ich Gotthilf Fischer im September 2017 im Büro seiner Managerin Esther Müller in Beilstein im Landkreis Heilbronn traf, ging es um ein Lied mit dem Titel „Martin Luther“. Damals feierte das Land 500 Jahre Reformation – und der stets geschäftstüchtige Gotthilf Fischer wollte sein Werk gegen Ende des Monats veröffentlichen. Geschrieben hatte er es anlässlich von Luthers Hochzeit, einem Spektakel in Wittenberg. Es erinnert an den 13. Juni 1525, an dem Martin Luther die einstige Nonne Katharina von Bora heiratete.

Zum 90. Geburtstag am 11. Februar 2018 konnte ich Gotthilf Fischer nicht mehr wie gewünscht persönlich interviewen, sondern nur noch schriftlich per Mail über seine Managerin. Auf meine Frage, ob es eigentlich irgendeine Gelegenheit gibt, bei der Gotthilf Fischer es nicht ertragen kann, wenn jemand singt, bejahte er dies – mit seinem typischen Fischer-Humor: „Wenn meine Chauffeurin auf einer Tausend-Kilometer-Fahrt vom Start bis zum Ziel singt, schlafe ich aus lauter Verzweiflung.“

Zum Schluss wollen wir Sie, liebe Leser, um ihre persönlichen Erinnerungen an Gotthilf Fischer bitten. Schreiben Sie uns an waiblingen@zvw.de eine Mail und nennen Sie Ihre Telefonnummer – dann können wir Sie zurückrufen. Bitte mailen Sie uns auch Fotos, die Sie zusammen mit dem legendären Chorleiter zeigen. Wir freuen uns auf Ihre Geschichten!

Sein Pensum war viele Jahre lang unglaublich. Trotz seines Alters trainierte Gotthilf Fischer noch mit über 80 ständig diverse Chöre. Ludwigsburg, Stuttgart, Schwaikheim, Bönnigheim: Der Meister konnte nicht einfach auf der Couch sitzen und nichts tun, er musste raus, was schaffen, so wie man das als fleißiger Schwabe eben macht. Nun ist Gotthilf Fischer im Alter von 92 Jahren gestorben. Was war das Geheimnis dieses Mannes, der mit seinen Fischer-Chören in den 1970er Jahren weltberühmt

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