Welzheim

100 Jahre Fotografie in Welzheim: Was bei der Ausstellung im Museum geboten ist

VOM PHOTO ZUM SELFIE
Bei der Ausstellung im Museum kommen Foto-Liebhaber auf ihre Kosten. © ALEXANDRA PALMIZI

Etwas ältere Mitbürger werden sich noch erinnern, wie spannend Fotografie früher war: höchstens 36 Bilder auf dem Film in der Kleinbildkamera, von denen man erst dann wusste, dass sie gelungen waren (oder auch nicht), wenn sie aus dem Labor zurückkamen. Fritz Kühnle, der die Ausstellung „Vom Photo zum Selfie“ im Welzheimer Museum mit aufgebaut und mit zahlreichen Exponaten bestückt hat, erinnert sich ebenfalls. „Da hat man bei jedem Bild noch mehr nachgedacht“, meint er, „heute landen die Fotos massenweise irgendwo auf dem Computer, und dann schaut man sie vielleicht gar nicht mehr an.“

Fotografieren selbst beigebracht

Sein Vater Gottlob eröffnete 1921 das eigene Fotoatelier in Welzheim, damals noch in der Kernerstraße. Das Fotografieren hatte er sich autodidaktisch in Kursen angeeignet, und während er die Porträts anfertigte, kümmerte sich seine Frau Elsa (gelernte Fotolaborantin) um das Entwickeln der Bilder und den Vertrieb. 1937 kaufte Gottlob Kühnle das Gebäude des ehemaligen Gasthauses „Zum Bären“; an dieser Stelle befindet sich das Fotoatelier bis heute, obwohl das Haus abgerissen und neu gebaut wurde. 1982 eröffnete Fritz Kühnle dort das neue Atelier und übernahm es 1983 vollständig von seinen Eltern.

Die Ausstellung im Museum ist eine wahre Fundgrube für Foto-Enthusiasten. Zu bewundern ist zum Beispiel die Rollfilm-Kamera „Agfa Billy“ von 1952, die anmutet wie ein Modell aus einem Stummfilm. Man findet ein „Novoflex“-Teleobjektiv (so lang wie ein Unterarm) ebenso wie die Spiegelreflex-Kamera „Canon EOS 30D“. Auch sehr spannend für die Handygeneration das Pult, in das man Negative einspannen und bearbeiten konnte. „Entweder mit einer Lampe dahinter“, erklärt Fritz Kühnle, „oder am Fenster.“ Und wenn die Krähenfüße der porträtierten Person auf dem fertigen Bild nicht mehr auftauchen sollten, erklärt er weiter, dann musste man einen Bleistift mit Sandpapier extrem dünn anspitzen und die lästigen Linien (auf dem Negativ weiß zu sehen) damit ganz behutsam ausfüllen und verschwinden lassen.

Handarbeit und Chemie

Fotografie war Handarbeit und Chemie. Jedes Bild musste in der Dunkelkammer zuerst in Entwicklerflüssigkeit, dann in eine Essiglösung, um den Entwicklungsprozess zu stoppen, und dann ins Fixierbad. Zuletzt wanderte das Foto ins Wasser und wurde danach getrocknet. Hobbyfotografen hängten die Bilder auf die Leine (wie in vielen Spielfilmen zu sehen), im Fotoatelier Kühnle gab es einen Trocknerautomat.

Gottlob Kühnle hatte sich zunächst auf die Porträtfotografie spezialisiert; deswegen sind in der Ausstellung natürlich auch die Bilder bekannter Welzheimer Persönlichkeiten zu sehen. Pfarrer Eberhard Braun fehlt ebenso wenig wie der ehemalige Bürgermeister Herbert Holzner (auf dem Schwarz-weiß-Bild noch ausgesprochen jung und mit dichtem Haupthaar). Beim Anblick des Porträts von Sophie Schuhr erinnert sich Fritz Kühnle daran, dass er bei ihr noch im Kindergarten war, und das Foto von Dr. Reinhold Maier, dem ersten Ministerpräsident von Baden-Württemberg, stammt von ihm selbst, als Aufgabe bei seiner Gesellenprüfung.

Auch im Atelier Bilder nun digital

Er hatte Maier schon zuvor einmal fotografieren dürfen, und als von ihm erwartet wurde, eine „bekannte Persönlichkeit“ zu porträtieren, beschloss er kurzerhand, den Politiker anzurufen und ihn zu fragen. „Ja, selbstverständlich dürfen Sie das Foto machen, hat er gesagt“, erzählt er und lächelt bei dieser Erinnerung.

2007 hat Fritz Kühnles Tochter Kerstin das Atelier übernommen. Die „klassische“ Fotografie ist Geschichte; seit 2006 sind auch dort die Bilder rein digital.

Etwas ältere Mitbürger werden sich noch erinnern, wie spannend Fotografie früher war: höchstens 36 Bilder auf dem Film in der Kleinbildkamera, von denen man erst dann wusste, dass sie gelungen waren (oder auch nicht), wenn sie aus dem Labor zurückkamen. Fritz Kühnle, der die Ausstellung „Vom Photo zum Selfie“ im Welzheimer Museum mit aufgebaut und mit zahlreichen Exponaten bestückt hat, erinnert sich ebenfalls. „Da hat man bei jedem Bild noch mehr nachgedacht“, meint er, „heute landen die

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