Welzheim

139 500 Euro für zwei Toiletten: Am Welzheimer Ostkastell entsteht eine römische Legionärskaserne

Ostkastell
Das Ostkastell in Welzheim soll noch römischer und für den Fremdenverkehr attraktiver werden. © Gabriel Habermann

Welzheim soll ein Stück weit römischer und für den Fremdenverkehr attraktiver werden. So zumindest hat es der Gemeinderat beschlossen. Nach intensiver Diskussion letztendlich einstimmig gab er seine Zustimmung zum Projekt „Römisches Welzheim“, das der für den Hochbau zuständige Sachgebietsleiter Jan Wölfl auf der Sitzung am vergangenen Dienstag vorstellte. Und dafür soll auch richtig Geld in die Hand genommen werden. Insgesamt 139 500 Euro, von denen allerdings 66 840 Euro aus den Honigtöpfen der Europäischen Union stammen werden, als Zuschuss aus dem Förderprogramm für den ländlichen Raum „Leader“.

Die größten und kostenintensivsten Baumaßnahmen werden am Ostkastell stattfinden. Die beiden eher unspektakulären Garagen neben dem Trafohäuschen werden sich optisch einer römischen Legionskaserne angleichen.

In ihnen werden nicht nur Toiletten für Herren sowie Damen und Behinderte untergebracht werden, sondern auch ein Lagerraum für die Freizeitlegionäre der „Numerus Brittonum“.

Der Infopavillon erhält passend zu dem einfachen, schlichten Kubus ein Schmetterlingsdach aus Kortenstahl; beide Dachhälften werden zum Limesgraben hin entwässert. Betreut wird die Maßnahme von dem Architekturbüro Günter Brecht. Für ihn als 2. Vorsitzenden des Historischen Vereins Welzheim „ist das ein Projekt, bei dem ich Herzblut einbringe“, versicherte Brecht auf die Nachfrage der Welzheimer Zeitung hin.

Möglichst treu soll man sich an das Original halten

Heikler wird es bei der Erneuerung der hölzernen Torflügel der rekonstruierten Toranlage zugehen. Vom Behauen des dafür verwendeten Holzes, erklärte Wölfl den Gemeinderatsmitgliedern auf der Sitzung, bis zum Schmieden der zu verwendenden Nägel solle man sich möglichst treu ans Original halten.

Dafür benötige man nicht nur die Mitwirkung eines darauf spezialisierten Ingenieurbüros, auch das Landesdenkmalamt müsse eng eingebunden werden. Letzteres habe übrigens auch bei den geplanten Info- und Schautafeln ein gewichtiges Wort mitzureden, mit denen ein „römischer Rundweg“ durch Welzheim markiert und auch dem einstigen Westkastell mehr Geltung verschafft werden soll. Als weiterer Partner für diesen Rundweg gehöre zudem die 2003 in Esslingen gegründete „Deutsche Limeskommission“ mit ins gemeinsame Boot. Natürlich, betont Thomas Linzmaier, der Vorsitzende der CDU-Fraktion, seien 139 500 Euro auf den ersten Blick viel Geld für zwei Toiletten.

Attraktivität der Stadt kann gesteigert werden

Aber tatsächlich gehe das Geld ja nicht nur an deren Bau, das Projekt „Römisches Welzheim“ sei ja um einiges umfangreicher, „da hängt noch viel mehr dran“.

Der Gemeinderat sei sich einig, wie sich ja auch in der Abstimmung gezeigt habe, dass die Attraktivität von Welzheim als Fremdenverkehrsort nicht nur erhalten, sondern gesteigert werden kann. Er wäre durchaus bereit, noch mehr in dieser Richtung zu tun, wenn, dann sei es die Verwaltung, die bisweilen den Eifer ausbremse. Letztendlich, so Linzmaier, habe der Gemeinderat am Dienstag eine Grundsatzentscheidung dafür getroffen, dass die römische Geschichte Welzheims mit den beiden Kastellen ein Pfund sei, mit dem man durchaus wuchern könne, nachdem die Römertage nicht mehr abgehalten werden und bereits vor Jahren aus Kostengründen aufgegeben werden mussten.

Für die Anwohner kommen bessere Zeiten

Dass sich die Römertage in Welzheim wie auch in Aalen überlebt haben, davon ist auch SPD-Fraktionsvorsitzende Alexandra Veit überzeugt. Besonders gefalle ihr an dem Projekt „Römisches Welzheim“ aber die Idee eines beschilderten Römerpfades, der durch die Innenstadt führe. Es sei nicht das Schlechteste, wenn dieser Pfad die Besucher zu den Einzelhandelsgeschäften und, sobald dies wieder möglich ist, auch in das eine oder andere Café oder Restaurant leite. Sie habe von mehreren Geschäftsinhabern gehört, dass die von außen angereiste Laufkundschaft durchaus dazu beigetragen habe, coronabedingte Einnahmenrückgänge kleiner zu halten.

Dass eines Tages Busse massenhaft Touristen nach Welzheim bringen und die sich dann durch die engen Gassen quälen, wie es ja auch auf der Gemeinderatssitzung als Befürchtung anklang, glaube sie nicht wirklich. Viele Menschen würden gern Deutschland erleben und erkunden. Sie seien für Angebote dankbar, wie sie der Schwäbische Wald mit seiner landschaftlichen Schönheit und seinen Attraktionen zu bieten habe.

Toilettensituation muss verbessert werden

„Die römische Geschichte ist der Ursprung, auf dem wir gewachsen sind, unser Erbe und zugleich ein gutes Zugpferd für den Fremdenverkehr, das man nicht überspannen, aber durchaus ab und zu up to date bringen muss.“ Dass die Toilettensituation beim Ostkastell verbessert werden müsse, dürfte unbestritten sein, und wenn die Stadt Tagesbesucher willkommen heißen wolle, dann müsse sie auch etwas für sie tun.

Dass ein Dixiklo da der bessere Clou gewesen wäre, könne sie sich nicht vorstellen, und dass Anwohner wie bisher schon als absoluter Notnagel herhalten müssen, stelle auch keine wirkliche Lösung dar.

Im ersten Moment mag es zwar abstrus klingen, für den Umbau zweier Fertiggaragen in Toiletten 70 000 Euro auszugeben, aber man dürfe nicht vergessen, dass in dieser Summe noch weitere Posten enthalten seien.

Welzheim soll ein Stück weit römischer und für den Fremdenverkehr attraktiver werden. So zumindest hat es der Gemeinderat beschlossen. Nach intensiver Diskussion letztendlich einstimmig gab er seine Zustimmung zum Projekt „Römisches Welzheim“, das der für den Hochbau zuständige Sachgebietsleiter Jan Wölfl auf der Sitzung am vergangenen Dienstag vorstellte. Und dafür soll auch richtig Geld in die Hand genommen werden. Insgesamt 139 500 Euro, von denen allerdings 66 840 Euro aus den

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper