Welzheim

250 Jahre Waschmaschine: Als ein Pfarrer das Waschen revolutionierte

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Dietrich Frey (rechts) und Helmut Altmann demonstrieren, wie eine alte Waschmaschine auf einem Küchenherd aufgebaut wird. © Habermann / ZVW

Welzheim. Vor 250 Jahren stellte der Theologe Jacob Christian Schäffer einen Vorläufer der Waschmaschine vor – auf den er mächtig stolz war. Er veröffentlichte Ende Februar 1767 seine Schrift über „die bequeme und höchst vortheilhafte Waschmaschine“. Er ging der Frage nach, „wie die Wäsche rein, gut und weiß zu waschen sei“ – ohne den Waschfrauen das Geschäft zu vermasseln. Das Waschhäusle des Welzheimer Museums gibt Einblicke in die Geschichte des Waschens.

Video: Der Historische Verein stellt im Heimatmuseum Welzheim eine alte Waschmaschine vor.

In einem aus heutiger Sicht putzig anmutenden Text an ausgewählte Empfänger mit Einfluss, unter anderem die „durchlauchigste Fürstin, die Markgräfin zu Baadendurchlach und Hochberg“ erklärte der Theologe, was er da für eine feine Maschine erfunden haben will. Keck warb er für seine Erfindung, mit der man im Winter waschen könne, ohne zu frieren, und im Sommer arbeiten könne, ohne zu schwitzen – und das in einer Viertelstunde, „ohne Waschweib, ohne Lauge, ohne heißes Wasser, ohne Holz und Feuer und ohne Waschkessel oder Waschtrog“. Ein stolzer Theologe – mit einem Gespür für gutes Marketing.

Ursprünglich wollte er Papier herstellen

Schäffer wurde 1718 in Querfurt geboren und studierte später evangelische Theologie in Halle und arbeitete seit 1738 als Hauslehrer in Regensburg, wo er Karriere machte – nicht nur als Theologe, sondern auch als Botaniker, Pilz- und Insektenkundler. Er war Autodidakt und Tüftler, unter anderem arbeitete er an einer Maschine, die Pflanzenfasern zerkleinern sollte, um daraus Papier herstellen zu können. Er stieß auf eine Schrift über eine Waschmaschine, die er sich dann auch anfertigen ließ, um sie zu einer Art Papierpresse umzubauen. Doch natürlich erweckte bereits die aufgebaute Konstruktion das Interesse des Geistlichen mit dem ausgeprägten Handwerker-Gen.

Waschmaschine weckt seinen Ehrgeiz

Er war „fördersamst begierig“ zu erfahren, wozu dieses Gerät taugt. Sein Ehrgeiz war geweckt, denn die ersten Versuche mit seiner Waschmaschine hinterließen noch Flecken auf der weißen Weste des ambitionierten Erfinders. Er verbesserte die Maschine. Doch dann kamen ihm Zweifel.

Anfängliche Probleme

Er unternahm einige Versuche, nahm „ein ziemlich großes Tischtuch, einige Servietten und Handtücher, warf und bearbeitete sie in der Waschmaschine“, schrieb er. „Alles war rein, sauber und weiß, nur dass in dem Tischtuche hie und da noch einige geringe Spuren gewisser Flecken waren“, die allerdings auch schwer zu entfernen gewesen waren, wie Schäffer hervorhob. Sein Problem: Der Schmutz setzte sich noch an den Seiten der Maschine ab. Würde nun jeder weitere Waschgang dafür sorgen, dass die Maschine irgendwann unbrauchbar werden würde? Derlei Pfusch konnte und wollte Schäffer nicht akzeptieren.


„Ich ließ mich nicht irre machen“, schrieb der Tüftler aus Regensburg. Er führte „einige Veränderungen und Verbesserungen“ aus und „die Wäsche wurde nicht nur rein, sondern es war auch nicht das Geringste von flockigen oder faserigen Wesen“ im Wasser noch an den Rändern der Maschine zu finden. Sollte er nun an die Öffentlichkeit gehen mit dieser Erfindung? Aus „Empfindung einer wahren Menschenliebe“ wollte er nun auch anderen Orten über seine Erfindung „Nachricht geben“, um „ der Wirtschaft und Haushaltung Muth und Lust zu machen“. Doch er hatte Vorbehalte: Würde seine Erfindung nicht die Lebensgrundlage der Waschweiber gefährden? Nein, sagte sich der nachdenkliche Tüftler, sie hätten dank seiner Erfindung mehr zu gewinnen, denn zu verlieren. Er beschreibt „mannichfaltige Vortheile“, denn die Wäscherinnen könnten nun in kürzerer Zeit ja mehr Wäsche waschen. Also ging er in die Offensive. Am 23. Februar 1767 stellte er seine Rührflügelmaschine der Öffentlichkeit vor. „Ich glaube es dahero wagen zu dürfen, Eurer Marggräflichen Durchlaucht gegenwärtige Blätter, die das Beste der Landwirthschaft zum Innhalte haben, als ein ehrfurchtsvolles Kennzeichen meiner unterthänigsten Dankbarkeit zu Füssen zu legen“, schrieb er an die Fürsten und fügte nun seine Erklärungen bei, was er da entwickelt habe. Seine Maschine bestand aus einem hölzernen Waschzuber mit Deckel und einem aufgesetzten „Waschwerk“, wie Schäffer es bezeichnete. Mit einer Art Handkurbel konnten Kleidung, Tücher und mehr nun im Wasser im Inneren des Kübels bewegt werden.

Genaues Arbeiten gefragt

Weil er zuvor gemerkt hatte, dass sich der Schmutz zuweilen absetzte, riet er, äußerst genau zu arbeiten, denn je fleißiger die Dauben innwendig gleich, glatt, ganz, und überhaupt sauber bearbeitet seien, desto weniger habe man die Besorgnis zu haben, dass die Wäsche nur im Mindesten leiden, abgerieben oder sonst beschädiget werden möge, schrieb er.

Wäsche wird nicht angegriffen

Die tolle Waschwirkung der Maschine führte Schäffer auf den im Zuber eingeschlossenen „warmen Dunst“ zurück, den man ja vom Dünsten von Fleisch kenne, der Flecken in einer Viertel- bis halben Stunde viel wirksamer und auflösender bekämpfe als „Lauge, Reiben, Klopfen und Schlagen und Bürstengebrauch“. Die Wäsche sei nicht im Mindesten „angegriffen, verschoben oder sonst verletzt worden“, der Waschvorgang sei leicht und sanft. Er verschwieg aber auch nicht, dass man die Wäsche zuvor in „laulichtem Wasser“ einweichen und einseifen musste.


Die praktikable Waschmaschine zum Hausgebrauch, wie Schäffer sein Werk anpries, bestehend aus hölzernem Zuber, Waschwerk, Bewegungsarm, Deckel, Spindel, Schrauben, Scheiben und anderen Teilen, war keine gänzlich neue Erfindung, aber eine Fortentwicklung der Waschmaschine. Seine Erfindung konnte nach der Veröffentlichung von insgesamt drei Schriften jeder Interessierte nachbauen. Schäffer selbst hat wohl 50 Exemplare anfertigen lassen. Schäffers Tüftelei setzte sich durch und war für viele Jahrzehnte wegweisend, bis andere es noch besser machten. Das verwendete Prinzip der Wäschebewegung mit Holzzapfen blieb über Jahrzehnte ein immer wieder kopiertes Prinzip. Anfang des 20. Jahrhunderts baute ein amerikanischer Ingenieur dann die erste elektrische Waschmaschine. Auch der Deutsche Carl Miele trieb die Entwicklung weiter voran.

1951 kommt der erste Waschvollautomat auf den Markt

1951 brachte die Firma Constructa die erste Haushaltswaschmaschine mit Bullauge auf den Markt, der erste Waschvollautomat. Die saubere Sache hatte jedoch einen Haken: 2000 Deutsche Mark kostete der Haushaltshelfer, so ist es auf Infotafeln im Welzheimer Museum nachzulesen. Der stolze Preis war neben der technischen Anfälligkeit und der schieren Größe des Geräts kein gutes Verkaufsargument. 1957 habe erst in rund jedem sechsten Haushalt in der Bundesrepublik Deutschland eine Waschmaschine gestanden. Bis 1969 hatte sich die Zahl jedoch mehr als verdoppelt. Auf eine Waschmaschine will und kann heutzutage kaum noch ein Haushalt in Deutschland verzichten. Kein Wunder: Das Wäschewachen war in den vergangenen Jahrhunderten eine harte Plackerei. Mehrmals im Monat musste ein Waschtag eingelegt werden. Das Reinhalten der gewebten Kleidung war anstrengend, kostete Zeit und Kraft.

Zum Ende noch ein angebliches Zitat von Jacob Christian Schäffer. Der habe, begeistert von seiner Idee geschrieben: „Wenn die Erfindungsgabe der Männer auch noch das Kochen und Waschen zum Gegenstand nimmt, dann würde man ja dem weiblichen Geschlecht die Berechtigung des Daseins rauben.“


Jacob Christian Schäffer war nicht der Erste, der den Waschvorgang vereinfachen wollte. Die ältesten Zeugnisse über die Wäschepflege stammen aus Ägypten, ist im Museum in Welzheim nachzulesen. Damals wurden mitunter noch Sklaven benutzt, die mit Keulen auf die nassen Kleidungsstücke einschlugen.

Preisgünstige Seife durch industrielle Sodaproduktion

Im Mittelalter soll man es mit der Hygiene wohl nicht allzu penibel gehandhabt haben. Ende des 18. Jahrhunderts bekam die Wäsche- und Körperpflege dann wieder einen höheren Stellenwert. Durch die industrielle Sodaproduktion konnte Seife nun auch preisgünstiger hergestellt werden. Texttafeln im Welzheimer Museum weisen auch auf den geistlichen Tüftler aus Regensburg hin. Der habe zwar die erste Waschmaschine erfunden, die sich jedoch noch als „unpraktikabel“ erwiesen habe. Erst ab 1895 seien Maschinen aus Eisen mit unterschiedlichsten Wirkungsprinzipien entstanden. Die Firma Miele produzierte später eine Bottichwaschmaschine. Sogenannte „Zentrifugal-Trockenmaschinen“ sorgten für den nächsten Entwicklungsschub. Da nicht jeder Haushalt über einen elektrischen Stromanschluss verfügte, standen vielerorts noch Wäschepressen in den Haushalten. Wichtiges Utensil war lange Zeit das Waschbrett. Gewaschen wurde in einer Lauge aus (Pott-)Asche, später Soda, und einem Duftstoff, zum Beispiel Lavendel. 1907 gelingt es Chemikern der Firma Henkel, das Waschen zu revolutionieren.

Die neue Saison im Welzheimer Museum beginnt am 26. März um 11 Uhr.