Welzheim

Bürgermeister Sczuka hatte großes Glück

Schwerer Unfall: Sczuka hat Glück_0
In diesem Auto saß am Dienstag früh der Althüttener Bürgermeister Reinhold Sczuka. Ein tonnenschweres Betonteil hatte sich aus der Ladung eines Lasters gelöst und war auf sein Autodach gefallen. Reinhold Sczuka kam glücklicherweise mit Verletzungen am Arm davon. © www.7aktuell.de/Kevin Lermer

Althütte. Reinhold Sczuka, Bürgermeister in Althütte und Vorsitzender der CDU im Kreistag, hat riesengroßes Glück gehabt: Ein tonnenschweres Betonteil ist auf sein Auto gefallen. Sczuka kam mit einer Verletzung am Arm und Hämatomen davon und konnte das Krankenhaus schnell wieder verlassen. Das mehr als fünf Meter lange Betonteil hatte sich von der Ladung eines Lasters gelöst. Vermutlich war ein Spanngurt gerissen.

„Wenn man die Fotos von meinem Auto sieht ..., da hätte ja weiß Gott was passieren können. Ich feiere heute meinen zweiten Geburtstag“, so Reinhold Sczuka. Nur zwei Stunden nach seinem Unfall realisierte Sczuka in der Winnender Klinik, was ihm da zugestoßen war. „Das hätte ganz fatal ausgehen können. Wenn das Betonteil auf dem Gehweg gelandet wäre. Da sind doch Menschen gelaufen ... Nicht auszudenken.“

Hämatome und Hautabschürfungen am Arm

Sczuka war noch am Unfallort und dann auf der DRK-Wache in Althütte erstversorgt worden, bevor er nach Winnenden in die Klinik kam. Verletzt wurde er offensichtlich nur am linken Arm. Kaum zu glauben, wenn man sich die Bilder seines Wagens anschaut. Die A- und B-Säulen seines Autos haben wohl viel abfangen können. Am Arm hat er Hämatome und Hautabschürfungen. An einer Stelle wurde er genäht. Zusätzlich wurde sein Arm geröntgt. Dabei wurde festgestellt, dass das Köpfchen seiner Speiche – direkt am Ellenbogen – gebrochen ist. „Zum Glück ist’s ein glatter Bruch“, so Sczuka. Das ist unkomplizierter. Der Arm wurde geschient und der Bürgermeister wieder aus der Klinik entlassen.

„Es geht ihm gut“, sagte eine Mitarbeiterin in Sczukas Vorzimmer dann am Dienstagnachmittag: Der Bürgermeister war trotz allem noch ins Rathaus gegangen – ließ sich aber überzeugen, diesen Tag vollends zu Hause zu verbringen.

Laut Geschäftsführerin handelte es sich um einen neuen Gurt

Ein 59-jähriger Lkw-Fahrer hatte am Dienstagmorgen gegen 7.45 Uhr die Hauptstraße in Althütte Richtung Ebnistraße befahren. In einer leichten Rechtskurve löste sich das circa eine Tonne schwere Betonteil – „und fiel auf das Autodach einer entgegenkommenden Mercedes-A-Klasse“, wie es im Bericht der Polizei heißt. In diesem Wagen saß Reinhold Sczuka.

Der Laster hatte mehrere Betonteile geladen gehabt. Ersten Erkenntnissen zufolge war eines der Betonteile weggerutscht, weil ein Spanngurt gerissen war.

Nun wird zu klären sein, ob das wirklich der Grund war – und wenn ja, weshalb der Gurt gerissen ist. Laut der Geschäftsführerin des Unternehmens, das den Lkw auf den Weg gebracht hatte, handelte es sich um einen neuen Gurt. „Wir sind sehr froh, dass nicht mehr passiert ist“, sagt die Geschäftsführerin hörbar erleichtert – und ergänzt: Bei der Prüfung der Ladungssicherung habe man am Dienstag keine Fehler feststellen können. Weshalb der neue Gurt offenbar gerissen ist, ist unklar. Die Polizei hat den Gurt mitgenommen – nun folgen Ermittlungen.

Der Fahrer haftet, sofern er seinen Pflichten nicht nachgekommen ist

Aus Sicht von Andrea Marongiu, dem Geschäftsführer des Verbandes Spedition und Logistik Baden-Württemberg, hat sich das Verhalten in Bezug auf Ladungssicherung in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert: „Es sind Sprünge nach vorne gemacht worden“, sagt Andrea Marongiu. Es kostet Zeit und damit Geld, eine Ladung richtig zu sichern. Passiert etwas, kann das Leben kosten.

Andrea Marongiu berichtet von Verbandsmitgliedern, die ihre Kunden in diesem Punkt schulen: damit das Verständnis dafür wächst, dass es eben nicht immer nur „schnell, schnell“ gehen kann und darf. Sprüche wie „Das ist schwer genug, das rutscht nicht“ gehören der Vergangenheit an, das ist Andrea Marongius Eindruck. Die Polizeikontrollen hätten deutlich zugenommen in diesem Bereich. Eine Richtlinie schreibt vor, wie Ladung zu sichern ist, und ein Fahrer darf – eigentlich – nicht vom Hof fahren, bevor nicht alles gesichert ist, wie es gesichert sein muss.

Der Fahrer haftet, sofern er seinen Pflichten nicht nachgekommen ist, so das Regierungspräsidium Stuttgart auf Anfrage. „In bestimmten Fällen kann jedoch auch der Verlader haften“, so die weitere Auskunft – wie immer in kniffligen Fällen kommt es auf die Details und auf den Einzelfall an.

Ladungssicherung ist in der Branche natürlich ein großes Thema, und selbstredend spielt dieser Aspekt in der Ausbildung von Lkw-Fahrern eine gewichtige Rolle. Haftungsfragen gilt’s im Fall der Fälle zu klären; nicht umsonst findet sich im Internet eine ganze Reihe von Anbietern, die Dokumentationssysteme für die Ladungssicherung anbieten.

Wie häufig Laster durch die Gegend fahren, die wegen nicht richtig gesicherter Ladung eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen – das kann niemand wissen. Nur dann, wenn etwas passiert, werden solche Fälle publik.


Die Regeln zur Ladungssicherung

Ein großer Teil der von der Polizei kontrollierten Lkw fahren mit schlecht oder nicht gesichertem Transportgut los, heißt es auf Infoseiten der TÜV Süd Akademie GmbH. Schlecht gesicherte Ladung sei eine häufige Unfallursache. Die Akademie bietet Lehrgänge speziell zum Thema Ladungssicherung an.

§22 der Straßenverkehrsordnung schreibt vor: „Die Ladung einschließlich Geräte zur Ladungssicherung sowie Ladeeinrichtungen sind so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können. Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten.“

Es gibt eine gesonderte Richtlinie, die Regeln für die Ladungssicherung von Betonfertigteilen festlegt.