Welzheim

Brennholz im Welzheimer Wald: Gibt es genug Holz und für welchen Preis?

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Wie teuer wird das Holz, wenn die Öl- und Spritpreise weiter steigen? Und gibt es noch für jeden Kunden genug Holz? © Benjamin Büttner

Der tägliche Blick auf die Entwicklung der Benzin- und Dieselpreise lässt keinen Zweifel aufkommen: Die Zeiten billiger fossiler Energieträger sind endgültig vorbei. Ob Öl, Gas, Kohle oder die damit erzeugte elektrische Energie und Fernwärme, die warme Wohnung wird immer mehr zum Luxus. Und ein für den Finanzminister erfreulicher Nebeneffekt: Je stürmischer die Preise nach oben schießen, desto kräftiger sprudeln die Steuereinnahmen.

Gut dran ist in diesen Zeiten, wer auf einen altbewährten Holzkachel- oder -kanonenofen zurückgreifen und mit preisgünstigem nachhaltigem Brennstoff für ein wohltemperiertes Wohn-, Schlaf- oder Arbeitszimmer sorgen kann. Sollte man meinen. Denn mittlerweile hat die Energiekrise auch auf den Brennholzmarkt durchgeschlagen, und wer nicht über ein eigenes Streuobstwiesen- oder Waldgrundstück verfügt, auf dem ausreichend zum Verfeuern geeignetes Holz anfällt, mit dem er womöglich sogar eine Hackschnitzelfeuerung beschicken kann, der verfolgt mit wachsender Sorge die Entwicklung der Preiskurve, die kontinuierlich nach oben zeigt.

Und mit der Nachhaltigkeit bei Holzfeuerungen ist es bekanntlich auch so eine Sache. Hat doch das Umweltbundesamt bereits am 26. Januar in einer Presseerklärung darauf hingewiesen, dass die Verbrennung von Holz, gerade von Scheitholz in kleinen Holzfeuerungsanlagen wie Kamin- oder Kachelöfen ohne automatische Regelung, nie vollständig ablaufe, und es entstehen neben gesundheitsgefährdenden Luftschadstoffen auch klimaschädliches Methan, Lachgas und Ruß. „Um möglichst emissionsarm und mit einem möglichst hohen Wirkungsgrad zu heizen, sollte gut aufbereitetes und getrocknetes Holz aus nachhaltiger regionaler Forstwirtschaft in einer modernen, effizienten und emissionsarmen Feuerstätte verbrannt werden. Gerade beim Verbrennen minderwertigen Holzes in alten, schlecht gewarteten Öfen und bei ungünstigen Verbrennungsbedingungen entstehen unnötig viele Emissionen. Besonders in Ballungsräumen und in Tälern verschlechtern Holzheizungen aufgrund ihrer niedrigen Schornsteine die Luftqualität.“ Bei der Verbrennung von Holz würden neben Treibhausgasen auch gesundheitsgefährdende Luftschadstoffe wie Staub, organische Kohlenwasserstoffe wie Polyzyklisch Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs), Stickoxide, Kohlenstoffmonoxid und Ruß entstehen. Ein neuer Kaminofen üblicher Größe emittiere, wenn er bei Volllast betrieben werde, in einer Stunde etwa 500 mg Staub. Das entspricht ca. 100 km Autofahren mit einem Pkw der Abgasnorm Euro 6. „Das klimafreundliche Potenzial ist also begrenzt, daher ist von der energetischen Holznutzung aus Klimaschutzgründen abzuraten.“ So die Presseerklärung des Umweltbundesamts.

Das Brennholz wird bald nicht mehr zum Kauf bereitstehen

Ein vielschichtiges Bild vom Holzmarkt zeichnet der Inhaber eines Brennholzbetriebs aus dem Schwäbischen Wald: „Die Leute rennen mir im Augenblick die Bude ein. Sie haben Angst“, sagt der Unternehmer, der bittet, seinen Namen nicht zu nennen, „dass sie in Kürze in der Kälte stehen und sie irgendwann kein Brennholz mehr zu kaufen bekommen. Aus diesem Grund stürzt sich alles sowohl auf Frisch- wie auch Trockenholz.“ In dieser paradoxen Situation kämpfe er mittlerweile selbst ums wirtschaftliche Überleben. Schließlich müsse er ja auch mit den gestiegenen Kraftstoffpreisen zurechtkommen. Und da im Augenblick niemand vernünftige Vorhersagen treffen könne, wie sich die Brennholzpreise weiter entwickeln, habe er beschlossen, ab 10. März kein Brennholz mehr zu verkaufen und sich ausschließlich mit Lohnarbeiten im Wald sowie Lohnmulchen oder Lohnspalten über Wasser zu halten. Allerdings würden ihn auch hier die steigenden Spritpreise zwingen, seinen Arbeitslohn zu erhöhen, bei einem Dieselpreis von 2,50 Euro pro Liter komme er mit 80 Euro pro Stunde nicht mehr hin.

Nur noch Stammkunden können bedient werden

Was das Brennholz anbelange, arbeite er nur noch die offenen Bestellungen für seine Stammkunden ab und schaue, dass er seinen eigenen Brennholzvorrat auffülle. Damit sei er bis in den Sommer hinein beschäftigt. Neubestellungen nehme er überhaupt keine mehr an. Was er gar nicht könne, sei, mit den Waldbauern und privaten Waldbesitzern mitzuhalten, die ihre Klientel unter der Hand und an den Büchern vorbei mit Brennholz versorgten, klagt er. Er dagegen müsse mit den explodierenden Kosten für Sprit, Versicherung, Ersatzteile und Reparaturen kalkulieren, mit Steuern und Abgaben, so dass er schnell bei einem Brennholzpreis von 130 bis 140 Euro pro Festmeter ankomme. Wenn dann aber von Forstverwaltungen Buchenholz für 70 bis 75 Euro angeboten werde, werde er geradezu gezwungen, den Holzverkauf erst einmal vollkommen einzustellen.

Die Marktsituation sei „auf gut Deutsch beschissen“, räumt auch der Rudersberger Brennholzhändler Matthias Milla ein. Er selbst habe keinen eigenen Wald, sondern kaufe das Holz und arbeite es für seine Kunden auf. Die Lieferfrist betrage mittlerweile bis zu 16 Wochen. Da er über keine eigene Trockenkammer verfüge, sei es schwierig, alle Kundenwünsche nach Trockenholz für Kamin- und Komfortöfen zu befriedigen. Wer mit Holz heizen wolle, der sollte auch über die Möglichkeit verfügen, es ein, zwei Jahre zu lagern und zu trocknen. Der springende Punkt sei, je mehr Holz er aufarbeite, desto größer werde seine Rechnung für Betriebskosten, vor allem für Treibstoff. Der einzige Ausweg aus dem Teufelskreis bestehe für ihn darin: „Das Holz muss im Wald billiger werden.“ Eine Hoffnung, die Gert Pfeiffer, der Leiter des Alfdorf-Urbacher Forstreviers, auf Nachfrage hin prompt enttäuscht. Die Brennholzpreise werden sich im Herbst bewegen, allerdings nicht nach unten, sondern nach oben. Bei Buchenholz zum Beispiel werde der Preis für den Festmeter von 63 auf 68 Euro steigen, so seine Prognose. Ein Anstieg um fünf Euro sei „nicht unverschämt, sondern sehr moderat“. Schließlich müssten die Unternehmer, die das Holz schlagen und aus dem Wald holen, angesichts der gestiegenen Treibstoffpreise auch mehr bekommen. „Weder eine Kettensäge noch der Sechs-Zylinder-Motor der Zugmaschine werden mit Regenwasser betrieben.“ Sein Forstrevier habe bisher noch keine Veränderung auf der Nachfrageseite bemerkt, der Markt sei ruhig. Näher hin zu den Städten Schorndorf, Schwäbisch Gmünd, Winnenden und Backnang könne sich aber schon ein ganz anderes Bild zeigen. Er verkaufe überwiegend an Stammkunden, das Nadelholz überwiegend an Sägewerke, das Laubholz als Brennholz an Private. „Mir ist der örtliche Markt am liebsten, da hast du deinen festen Stamm an Kunden, die alle ein, zwei Jahre wieder vorsprechen“, so Pfeiffer. Regionale Produkte für regionale Kunden auf regionalen Märkten, laute seine Devise.

Die Zeiten günstiger Energie werden definitiv vorbei sein

Förster Andreas Schlär, der Leiter des Reviers Murrhardt-Süd, gibt zu bedenken, dass sich die Menschen daran gewöhnen müssten, dass die Zeiten günstiger Energie endgültig vorbei seien. Man habe verlernt, mit den Rohstoffen bewusst umzugehen, weil sie in der Vergangenheit ständig und zu günstigen Preisen verfügbar waren. Jeder Haushalt müsse auch mit dem Rohstoff Brennholz bewusst umgehen und sich überlegen, ob das sommerliche Stimmungsfeuer auf Terrasse oder Balkon der richtige Weg sei, um Energie zu sparen und dadurch die Umwelt zu schonen. Und womöglich sei ein billiges Luxusöfele, das mit viel zu hoher Temperatur, mit überfüllter Brennkammer und viel zu vielen Abgasen arbeite, nicht der richtige Weg. Der falsche sei jedenfalls, ständig die Preise drücken zu wollen, anstatt dafür zu sorgen, dass jeder, der an der Wertschöpfungskette hängt, sein Auskommen habe und leben könne. Man müsse anfangen, die Probleme vom Verbraucher her zu denken, da sei noch ein großes Einsparpotenzial vorhanden. Was Brennholz anbelange, bekomme er täglich Anfragen, sowohl von Händlern wie auch von Endverbrauchern, die gerade in Kurzarbeit seien und nun selbst zur Motorsäge griffen, in den Wald hinaus gingen und sich ihr Brennholz für den nächsten Winter selber machten.

Je teurer das Öl wird, umso mehr steigt die Holznachfrage

Frank Hofmann, der Leiter des Holzverkaufs für den Kommunal- und Privatwald im Rems-Murr-Kreis, sieht dagegen die Notwendigkeit, dass die Preise nach unten korrigiert werden müssten. Von den Brennholzhändlern, die ihr Holz den Kunden gesägt, gespalten und getrocknet anlieferten, würden sich die Klagen häufen, dass sie angesichts der explodierenden Betriebskosten mit den augenblicklichen Preisen nicht arbeiten könnten. Die Nachfrage sei „gigantisch“, der Markt für trockenes Brennholz leer wie noch nie.

Die Nachfrage könne fast nicht befriedigt werden. Mittlerweile seien fast alle Neubauten mit Kaminöfen ausgestattet, schon seit Jahren könne man verfolgen, „je teurer das Öl wird, desto mehr steigt die Nachfrage“. Gelassen gibt sich der Schorndorfer „Brennholzmichl“ Michael Probst. Im Augenblick werde ihm von den Kunden geradezu die Bude eingerannt, wie sich der Markt in Zukunft entwickle, könne man im Augenblick nicht sagen. Das größte Problem seien im Augenblick die Spritpreise, aber seine Stammkunden würden Verständnis zeigen und sich nicht beschweren. Viele hätten wohl Angst, dass die Gas- und Ölhähne vollständig zugedreht würden. Er sei auf zwei Monate hin ausgebucht und verkaufe im Augenblick nur frisches Holz, das der Kunde dann eben lagern müsse. Er liefere das Holz ofenfertig direkt aus dem Wald zum Kunden. Seine Vorräte an trockenem Holz seien allerdings begrenzt.

Infos

Auf der Homepage des Rems-Murr-Kreises wird Brennholz angeboten. Es wird üblicherweise von den örtlich zuständigen Forstrevieren verkauft. Die Mindestpreise je Festmeter frei Waldstraße betragen inkl. MWSt. 63 Euro für Buchenholz und 55 Euro für Esche, Ahorn, Birke, Eiche, Erle, Kirsche und für sonstiges Laubholz.

Der tägliche Blick auf die Entwicklung der Benzin- und Dieselpreise lässt keinen Zweifel aufkommen: Die Zeiten billiger fossiler Energieträger sind endgültig vorbei. Ob Öl, Gas, Kohle oder die damit erzeugte elektrische Energie und Fernwärme, die warme Wohnung wird immer mehr zum Luxus. Und ein für den Finanzminister erfreulicher Nebeneffekt: Je stürmischer die Preise nach oben schießen, desto kräftiger sprudeln die Steuereinnahmen.

Gut dran ist in diesen Zeiten, wer auf einen

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