Welzheim

Dafür sorgen, dass etwas los ist!

1/2
Wezug1
Aufnahme bei den Heimattagen 2005, einer Veranstaltung, die laut Bernlöhr vor allem eine Wirkung nach innen, also für die Bürger habe © Steinemann
2/2
be204604-259f-4a33-a3e9-93a65ea527e2.jpg_1
Die Heimattage, hier eine Aufnahme von 1950, sorgen seit Jahrzehnten für Identität, Stimmung und eine volle Stadt. © Foto des Festumzugs 1950 von Fot

Welzheim. Die Stadt sucht nach einem neuen Format, um das Produkt „Römerstadt Welzheim“ zukünftig wieder mit Leben zu füllen und Aufmerksamkeit zu generieren. Dabei wenden sich die meisten Feste an die Bürger vor Ort. Mit den Heimattagen hat die Stadt ein Fest, das alle fünf Jahre viele Menschen mobilisiert. Welche Bedeutung haben Feste und was hat die Stadt geplant, um Bürgern und auch Touristen etwas zu bieten?

Video: Interview mit Bürgermeister Thomas Bernlöhr

Die Möglichkeiten, Menschen zu erreichen, haben sich durch die Sozialen Medien stark erweitert. Konnten die Welzheimer früher mit einer Fehlerkarte ins Rathaus kommen und Zustände anprangern, gibt es heute das Internet. Manche Städte bieten Apps an: Fehler werden gemeldet, die Stadt informiert den Fehlermelder online, wann das Problem behoben wird. In Sachen Internetpräsenz und Soziale Medien wolle Welzheim in den nächsten Jahren mehr machen – auch, um überregional mehr wahrgenommen zu werden. Stichwort Tourismus. Man wolle „alle Kanäle bedienen“, so Bürgermeister Thomas Bernlöhr, also Twitter, Facebook und so weiter. Ein guter Auftritt in den Sozialen Medien sei dabei mehr eine neue städtische Pflichtaufgabe als ein weicher Imagefaktor. Image, Identifikation und Aufmerksamkeit werden auch heute in großen Teilen über Feste erreicht.

Auch im digitalen Zeitalter sind Feste wichtig

Auch in digitalen Zeiten gelte, dass „Identifikation über physische Präsenz“ erreicht wird, so Thomas Bernlöhr. Wenn die Feuerwehr feiert, kämen an einem Wochenende mehr als 1000 Menschen zusammen. Das schaffe ein „unheimliches Gemeinschaftsgefühl, Identifikation“. Einen Umzug anzugucken wirke stärker als das Anschauen des Facebook-Auftritts einer Stadt. Das gelte für alle Veranstaltungen. Feste als identitätsstiftender Faktor.

Größere Veranstaltungen sorgten für Aufmerksamkeit nach innen und nach außen. Bernlöhr sieht Feste als „zentrale imagebildende Faktoren“ für eine Stadt – trotz sozialer Medien und Internet. Die hätten eine Wirkung nach innen und außen. Die Römertage zielten mehr nach außen, wobei durch sie auch in Stadt und Bürgerschaft vieles angekurbelt wurde.

Feste für jede Gelegenheit finden

Die Stadt müsse es im Auge behalten, ein Repertoire an verschiedenen Festen anzubieten. „Man braucht klassische Feste und kleine Feste, die dafür sorgen, dass etwas los ist!“, hält Bernlöhr fest. Zu viel Frequenz wäre jedoch schädlich.

Darum gebe es die kleinen Termine: verkaufsoffener Sonntag, Welzheimer Frühling, Straßenfest, Weihnachts-, Holz- und Bauermarkt und mehr. Das Straßenfest sei unter anderem als Ergänzung zu den Heimattagen gestartet worden, auch um das klassische Vereinsfest zu ersetzen, beziehungsweise die Möglichkeit für Vereine zu schaffen, ein zweites Fest auszutragen, mit weniger Aufwand für die Ehrenamtlichen und mit geringen Kosten, beispielsweise was das Aufstellen von WC-Anlagen oder das Bezahlen der Musiker betrifft.

Als Nächstes steht der Holz- und Bauernmarkt an. Der findet alle zwei Jahre statt. Ziel sei es derzeit, eine Veranstaltung zu finden, die in den ungeraden Jahren angeboten wird. Doch das ist nicht so leicht.

Festorganisation ist eine Netzwerkaufgabe

Welches Format könnte ankommen? Kommen genügend Marktbeschicker und Selbsterzeuger? Wie groß wäre der Aufwand für Verwaltung und Ständebetreiber?

Auch ein zweiter Faktor spielt eine Rolle. Feste sollten bestenfalls im Ortskern stattfinden, damit auch Handel, Gastronomie und Gewerbe profitieren können. Auch aus finanzieller Sicht seien Feste nicht unbegrenzt möglich. „Fast alle Feste sind bestenfalls kostendeckend“, hält Welzheims Pressesprecher Uwe Lehar für die Stadt Welzheim fest. Es gibt die direkten Einnahmen wie Standgebühren für die Stadt und die indirekten Einnahmen und Vorteile, wenn der Getränkehändler vor Ort beispielsweise einen Wagen aufstellt und die Sportvereine Essen verkaufen.

Hier wird die Verzahnung bei Festen angedeutet: Verwaltung und Ehrenamtliche arbeiten zusammen. Die Arbeit der Kultursäule und der Handels- und Gewerbeverein seien hier stellvertretend genannt. „Festorganisation ist eine Netzwerkaufgabe“, so Thomas Bernlöhr. Externe Event-Organisatoren seien zu teuer und es stelle sich die Frage: Für wen wird ein Fest veranstaltet? Was für ein Fest will man?

Bernlöhr: „Es wird immer schwieriger, Helfer zu finden.

Bei Festen mit lokaler Verankerung haben die Bürger im Normalfall über Mitgliedschaften einen Bezug zu ihrem Verein und somit auch ihrer Stadt. Daher strebe man grundsätzlich ein Fest für Welzheimer an. Wobei auch einige externe Feste wie das Blechduell für hohe Besucherzahlen stünden – auch, weil sie einen regionalen Bezug hätten. Die Frage der externen Helfer werde wohl aber zunehmen, da, so Uwe Lehar, das ehrenamtliche Engagement in Teilen abnehme. Dazu Thomas Bernlöhr: „Es wird immer schwieriger, Helfer zu finden.“ Die Stadt könne gegebenenfalls unterstützend einspringen. Allerdings sei der Gemeinderat gefragt, dies zu entscheiden.


40.000 Euro zahlt die Stadt drauf

  • Dass die Anzahl an Festen in und für ein städtisches Gemeinwesen beschränkt ist, hat gute Gründe. Feste kosten Zeit und Geld; Organisieren und Logistik.
  • Man müsse daher überlegen, so Thomas Bernlöhr: Ist ein Fest der Stadt die Summe x wert. Denn es müsse ja auch ein positiver Effekt erzielt werden: Image, Identifikation, gegebenenfalls Kostendeckung. Pressesprecher Uwe Lehar hält fest: Auch die Heimattage seien ein „großes Abmangelgeschäft“. Die Stadt habe ein Budget für derlei Veranstaltungen. Für die Heimattage zahle man rund 40 000 Euro drauf. Auch daher sei man „froh über jedes ehrenamtliche Engagement“. Doch werde man insbesondere die Heimattage „hegen und pflegen“. Die Heimattage seien auch deshalb etwas Besonderes, weil sie nur alle fünf Jahre angeboten würden.
  • Grundsätzlich verfolge die Stadt bei Festen eine ermöglichende Herangehensweise, „wo es juristisch geht“ (Bernlöhr). Man wolle ausprobieren, „aber was zündet und was nicht, kann man im Vorfeld nicht sagen“. Beispiel: Es gebe eine Anfrage für einen Fischmarkt in der Limesstadt. Also müsse die Stadt prüfen: Wer ist der Anbieter? Gibt es Bedarf? Wie läuft es in anderen Städten? Wie groß wären Aufwand und Kosten?
  • Wichtig sei ein Alleinstellungsmerkmal, wie die Stadt es anfangs mit den Römertagen aufgewiesen habe. „Alleinstellung ist der Königsweg für eine Veranstaltung“, so Bernlöhr. Dann werde man „als Verwaltung keine Steine in den Weg legen“. Vor vielen Jahren hätte der Arbeitskreis Stadtmarketing diese und andere Veranstaltungen ins Leben gerufen, ein Arbeitskreis, den es aktuell nicht mehr gibt. Wobei es Überlegungen gebe, ihn in ähnlicher Form wieder zu aktivieren, so Bernlöhr.
  • Die Akteure müssten allgemein schauen, welche Feste und Formate möglich sind, was es in der näheren Umgebung gibt, was die Vereine anstellen und was vielleicht in Welzheim gut laufen könnte. Eine Bürgerin riet der Stadt, einen Adventswald à la Rudersberg im Welzheimer Wald anzubieten. Thomas Bernlöhr schüttelt den Kopf: Was beim Nachbarn funktioniere, müsse nicht in der eigenen Gemeinde erfolgreich laufen. Wer besuche schon die Kopie?