Welzheim

Das Bauernhaus im Schwäbischen Wald

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Hausforscher und Denkmalpfleger Dr. Peter Hövelborn führt durch die Sonderausstellung im Museum Welzheim. © Jamuna Siehler
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Stubenofen im Haghof in den 30er Jahren mit der damaligen Hofbäuerin. © Privat
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Das Haus Fritz im Schillinghof wurde inzwischen aufwendig renoviert. © Privat
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Variante des Einhauses in Seiboldsweiler Anfang des 20. Jahrhunderts. © Jamuna Siehler
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Sonderausstellung im Museum Welzheim: Das Bauernhaus im Schwäbischen Wald. © Jamuna Siehler
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Sonderausstellung im Museum Welzheim: Das Bauernhaus im Schwäbischen Wald. © Jamuna Siehler
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Sonderausstellung im Museum Welzheim: Das Bauernhaus im Schwäbischen Wald. © Jamuna Siehler
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Sonderausstellung im Museum Welzheim: Das Bauernhaus im Schwäbischen Wald. © Jamuna Siehler

Welzheim. Die Sonderausstellungen des Welzheimer Waldvereins sind immer wieder für eine Überraschung gut. Nach der Winterpause können sich die Besucher ab Sonntag, 20. März, in der Pfarrstraße umfangreich über „Das Bauernhaus im Schwäbischen Wald“ informieren. Zur Ausstellungseröffnung ab 11 Uhr gibt es eine sachkundige Führung.

Dr. Peter Hövelborn hat als Architekt, Hausforscher und Denkmalpfleger eine Dokumentation über das Bauernhaus im Schwäbischen Wald zusammengestellt. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das mehrgeschossige, den Schwäbischen Wald prägende Haus mit seinem spezifischen Aussehen: dem Untergeschoss aus behauenen Sandsteinen, dem darüber befindlichen Fachwerkgeschoss mit der verbretterten Westfassade und dem hohen Satteldach.

Im Rahmen der Dokumentation geht Dr. Peter Hövelborn auch auf die spezifische Entwicklung des Bauernhauses im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert ein. Das Resultat dieser Entwicklung ist das mehrgeschossige Wohnstall- oder Einhaus, das zugleich auch den Abschluss einer bäuerlichen Kultur in der Einheit mit der Natur und der naturgegebenen Arbeitskraft von Mensch und Tier darstellt.

Noch heute ist sein Wissen bei den Stadtführern gefragt

Bereits Ende 2014 war eine Ausstellung über das Bauernhaus in Backnang zu sehen. Die Präsentation wurde nun für die Welzheimer Sonderausstellung aufgearbeitet und ergänzt. Dr. Peter Hövelborn, mittlerweile 74 Jahre alt, hat sich als Sanierungsexperte in der Region Stuttgart einen Namen gemacht. 20 Jahre lang war er hauptamtlicher Sanierungsexperte bei der Stadt Esslingen am Neckar. Seit dem Jahr 2005 ist der Fachmann im Ruhestand. Der „alte Herr“ ist noch heute bei den Stadtführern in Esslingen bekannt und gefragt.

Mit dem Thema Bauernhaus beschäftigt sich der Architekt seit rund 20 Jahren. „Nicht zuletzt wegen des bemerkenswerten Aufenthalts von Justinus Kerner als Unteramtsarzt in Welzheim haftet für uns Stuttgarter diesem Ort und dem umgebenden Wald etwas Besonderes an“, meint Dr. Peter Hövelborn.

Das Besondere werde auch in der Architektur der Bauernhäuser sichtbar. Mit der Wahl des Schwäbischen Waldes zur Kulturlandschaft wurde das Thema Bauernhaus wieder aktuell. Zur Darstellung des Bauernhauses im Schwäbischen Wald wird in der Ausstellung zwischen drei Typen unterschieden: dem älteren Typ des erdgeschossigen Wohnstallhauses, dem zweigeschossigen Bau des Einhauses und dem Wohnstallhaus mit getrennter Scheuer. Durchgesetzt hat sich im Schwäbischen Wald überwiegend das Wohnstallhaus mit getrennter Scheuer.

Fotografische und künstlerische Arbeiten ergänzen diese Dokumentation: Werner Drautz hat viele Bauernhäuser auf qualitätsvollen Aquarellen dargestellt. Der Fotograf Dr. Kurt Joachim Kase hat mit seinen fotografischen Detailaufnahmen das Ungewöhnliche im Gewöhnlichen festgehalten. Dokumentarische Fotoaufnahmen, die schon im Jahr 1981 von Ingolf Layher gemacht wurden, stellen schon ein Stück Geschichte dar.

Bauwerke haben die Landschaft geprägt

Insgesamt will die Ausstellung auf den bemerkenswerten kulturell-architektonischen Aspekt des Schwäbischen Waldes hinweisen: auf die spezifischen Haustypen, die neben den Mühlen und dem Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald das Bild dieser Region noch bis heute, aber so wie es scheint, nicht mehr auf längere Zeit mit prägen.

Ergänzt wird die Sonderausstellung durch eine Rundfahrt durch den Schwäbischen Wald mit einer Besichtigung von typischen Bauernhäusern am Samstag, 16. April. Abfahrt ist um 14 Uhr beim Museum Welzheim, Pfarrstraße 6. Anmeldung unter 0 71 82/84 04 (Karin Steinle).

Info

Das Museum Welzheim ist nach der Winterpause ab dem 20. März sonntags zwischen 11 und 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen auf der Homepage www.museumwelzheim.de.

Bauern lebten von Viehhaltung und Holzverkauf

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine ausführliche und übersichtliche Dokumentation, die Dr. Peter Hövelborn als Architekt, Hausforscher und Denkmalpfleger erstellt hat.

Er arbeitet die allgemeine Entwicklung der bäuerlichen Anwesen seit dem frühen Mittelalter anschaulich heraus und stellt sie anhand des Bildmaterials gut nachvollziehbar dar. Zugleich geht er auf die spezifische Entwicklung des Bauernhauses im Schwäbischen Wald im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert ein.

Zu sehen sind zum Beispiel das heutige Gasthaus Löwen in Mönchhof, das Brandhöfle und der Brandhof und ein prächtig renoviertes altes Bauernhaus im Schillinghof. Noch mancher alte Schatz ist in einem alten Bauernhaus im Haghof zu finden.

Die Bauern, die sich in den gerodeten Waldlichtungen niederließen, lebten früher vor allem von der Viehhaltung und dem Holzverkauf.

Dr. Hövelborn hat noch einen Wunsch an die Welzheimer Architekten. Er würde sich gerne mit ihnen besprechen mit Blick darauf, wie die Architektur des Bauernhauses bei künftigen Neubauten einfließen könnte.

Frühere Hausforscher und Architekten haben sich mit dem Bauernhaus im Schwäbischen Wald beschäftigt. Sehr früh der Schorndorfer Volkskundler Dr. Max Lohss – die Familie stammt aus Welzheim.

Adolf Schahl hat von den historischen Quellen mit sicherem Blick auf die Gegenwart die Kunstdenkmale dieses Raumes aufgearbeitet.

Johannes Gromer hat die architektonischen Pläne aufgenommen.