Welzheim

Die Badesaison ist nicht gefährdet

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Es wird kein Problem sein, den See in den nächsten drei, vier Wochen einzulassen“, sagt Michael Segan, der Vorsitzende des Wasserverbands Kocher-Lein. © ZVW/Danny Galm
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Michael Segan (links), Vorsitzender des Wasserverbands Kocher-Lein, und Marty Straßer, technischer Betriebsleiter, wissen, dass der Aichstrutsee in einigen Wochen wieder gut gefüllt sein wird.

Welzheim-Aichstrutsee. Wer nicht die Berichte der vergangenen Monate in der Zeitung verfolgt hat, und die vergangenen schönen Tage am Aichstrutsee verbringen wollte, der wird nicht schlecht gestaunt haben: Denn der Stausee ist fast leer. Einige Pfützen, kleinere Teiche spiegeln die grüne Landschaft der Umgebung wider, doch an Baden oder Füße-ins-Wasser- Halten ist nicht zu denken, eher fällt einem Wattwandern ein. Die Stauseesanierung ist jedoch bald abgeschlossen. Bald läuft der See wieder voll.

Viele Menschen betrachten den Aichstruter Stausee ja in erster Linie aus touristischer Sicht als ein Badeparadies an warmen Tagen. Doch der See ist in erster Linie ein Hochwasserrückhaltebecken mit Mehrwert. Und diese Funktion muss der See erfüllen können.

Daher wurden in den vergangenen Monaten rund 7500 Tonnen Schlamm abgetragen. Bereits im September wurden rund 80 000 Kubikmeter Wasser die Lein hinabgeschickt. Man hat sozusagen den Stöpsel gezogen. Bereits ein Jahr zuvor ist der See abgelassen und abgefischt worden.

Die Fische sollten eigentlich in den Ebnisee umziehen. Daraus wurde nichts. Das Landratsamt schreibt vor, die Fische müssten in ein vergleichbares Gewässer umziehen. Und so fuhren einige Lkw mit großen Bottichen Richtung Laubbach-Stausee in Abtsgmünd.

„Es wird kein Problem sein, den See in den nächsten drei, vier Wochen einzulassen“

Weitaus mehr Lkw waren in den vergangenen Monaten unterwegs. Rund 350 Wagenladungen Schlamm wurden abgetragen, um das volle Fassungsvermögen des Sees wiederherzustellen, erläutern Michael Segan, Vorsitzender des Wasserverbands Kocher-Lein, und Marty Straßer, technischer Betriebsleiter.

Und sie können Touristen, Schwimmer und Sportler beruhigen: „Die Badesaison ist nicht gefährdet.“ Vor allem die TSF Welzheim hätten sich schon oft erkundigt, ob denn der Triathlon am 7. Juli stattfinden können. „Es wird kein Problem sein, den See in den nächsten drei, vier Wochen einzulassen“, hält Segan fest.

Ende Mai bis Anfang Juni werde der See wieder voll sein. Warum ist er überhaupt leer? Vorgesehen war, rund 15 000 Kubikmeter Schlamm zu entfernen, der sich in den vergangenen Jahren am Boden des Sees eingelagert hatte und die Aufnahmekapazität des Sees beeinträchtigte. Doch es musste lediglich die Hälfte abgetragen werden, was die Maßnahme insgesamt günstiger macht.

Es wurde versucht, den See neu zu modellieren

Der Dauerstauraum beläuft sich auf 80 000 Kubikmeter. Doch bei einem Hochwasserereignis fasst der See rund 715 000 Kubikmeter. Dann umfasst die Staufläche rund 20,5 Hektar statt vier Hektar, erläutert Straßer. Der Wasserverband Kocher-Lein kümmert sich um elf Stauseen.

Alle zwei Jahre wird ein See saniert. In 20 Jahren steht somit die nächste Umzugs- und Aushubaktion in Aichstrut an. Als Nächstes rücken die Baufahrzeuge an den Ufern des Hochwasserrückhaltebeckens Hagerwald an. Doch sucht der Wasserverband nach Alternativen, wie der Schlammeintrag in die Seen in Zukunft vermindert werden kann.

Auch wurde versucht, den See neu zu modellieren. Beim Abfischen gab es das Problem, dass sich die Fische auf kleine Mulden konzentrierten. Das stellte die Fischer vor Herausforderungen. Der Grund wurde nun eingeebnet. Es wird sich allerdings zeigen, ob die Strömung das Werk des Menschen wieder zerstören wird.

Ein zweiter Schieber musste installiert werden

Der Schlamm wurde von Baggern abgetragen, die in den leeren See fuhren und den Schlamm dann auf Lkw abluden. Der Schlamm könne nicht einfach, wie in früheren Jahrzehnten, in der Nähe abgeladen werden. Er muss untersucht werden: Ist der Nährstoffgehalt zu hoch, darf er nicht einfach auf Ackerflächen, die ebenfalls untersucht werden, landen, da sonst die Gefahr einer Übersättigung bestehe, erläutert Michael Segan.

Das erhöht die Kosten der Maßnahme, die etwas günstiger wird als geplant. Rund eine Million Euro wird der Wasserverband ausgeben müssen, der nur noch 70 Prozent der Kosten erstattet bekommt. Auch das Vertriebsgebäude wird saniert. Hier haben sich die Arbeiten verzögert. Steuer- und Grundablassschieber regulieren die Wassermenge im See wie eine Art Wasserhahn.

Wie geht das? Der höchste Schieber liegt direkt am See. Öffnet der sich, fließt das Wasser über ein Rohr in den Schacht im Vertriebsgebäude beim DLRG-Bau ab. Noch tiefer liegt ein Schacht an der Lein, in die das Wasser abgelassen werden kann. Bisher gab es einen Schieber für den Ablass. Das reicht nach den neuesten Vorschriften nicht mehr aus. Ein zweiter Ablass musste eingebaut werden.

Wo derzeit noch Erde liegt, Bagger und Lkw ihre Spuren hinterlassen haben, soll bald wieder Gras wachsen. Die Stadt hat die Zeit genutzt und einen neuen Einstieg gebaut. Auch der Wasserverband, der hier ebenfalls als Anbieter für Naherholung auftritt, hat die Anlage etwas herausgeputzt. In wenigen Wochen dient das Hochwasserrückhaltebecken dann wieder in erster Linie den Badegästen.


Knifflig

  • Michael Segan erläutert, die Hochwasserlage habe sich in den vergangenen Jahren geändert: Früher drohte Hochwasser vor allem im Frühjahr, wenn die Böden gefroren waren und Regen und Schneeschmelze Flüsse und Seen füllten. Heute sind Starkregenereignisse, vor allem im Frühsommer, eine Gefahr. Doch wann drohen diese?
  • Daher spiele die Wetterbeobachtung heute eine viel wichtigere Rolle als in der Vergangenheit. Diese könnten vorab aber nicht genau lokalisiert werden. Man könnte ein grobes Gebiet erfassen, wisse aber nicht genau, wo sich dann aber Regen konzentriere.
  • Im Vorfeld müssten jedoch die betroffenen Stauseen abgelassen werden, um die Aufnahmefähigkeit im Krisenfall zu erhöhen. Das sei nicht unproblematisch, könnten dadurch doch auch landwirtschaftliche Flächen überflutet werden – obwohl der Regen dann gegebenenfalls doch woanders niedergeht. Derlei Überflutungen versuche man auszuschließen.