Die Feuerwehr feiert
Welzheim. Die Feuerwehr bekämpft nicht nur Brände und rettet Menschen aus verqualmten Häusern. Auch wenn nichts brennt, ist ihre Hilfe gefragt: Die Menschenrettung mit der Drehleiter ist ein Alltagsszenario, das die Aktiven der Welzheimer Wehr für eine Schauübung im Rahmen der Gerätehaus-Hocketse nachstellten. Zuvor löschte die Jugendfeuerwehr einen Containerbrand.
Am Einsatzort eingetroffen, sind die Feuerwehrmänner zunächst mit einer dünnen Faktenlage konfrontiert: Eine Person im Gebäude soll gestürzt sein. Sie könnte ein Schleudertrauma erlitten haben. Auch ein Herzinfarkt ist möglich.
Beruhigend zu wissen, dass alles nur Teil einer Schauübung ist, die aber mitten aus dem Feuerwehrleben gegriffen ist. „Menschenrettung mit Drehleiter“ sei ihr „täglich Brot“, sagt Kommandant Andreas Schneider. „Häufig sind Treppenhäuser steil und zu eng für den Rettungsdienst“, geht er auf den Hintergrund der Einsätze ein. Insbesondere in Altbauten reiche der Platz oft nicht aus, um die verletzte Person auf dem ersten Rettungsweg ins Freie zu bringen. „Stellt sich bei der rettungsdienstlichen Versorgung heraus, dass das Treppenhaus für die Rettung nicht geeignet ist, verständigt der Rettungsdienst die Feuerwehr, wir transportieren die Person mit der Drehleiter über das Fenster“, so Schneider.
Der sogenannte „zweite Rettungsweg“ sei die rückenschonendste Methode, etwa bei Rückenverletzungen. Im offiziellen Wortlaut heißt es, die Feuerwehr werde zur „medizinischen Transportunterstützung nachgefordert“: Was sich dabei live zwischen Kommandowagen, Funkmeldeempfänger, Einsatzleiter und Gruppenführer abspielt, sehen und erleben zahlreiche Zuschauer, darunter erwartungsgemäß viele Kinder. Einige halten sich kurz die Ohren zu oder klammern sich an Papas Hosenbein, als mit schrillem Tatütata der Rettungsdienst eintrifft.
Stauend und mit offenem Mund verfolgen die Kinder die Übung
Staunend und mit offenem Mund verfolgen sie den Auftritt des Drehleiterfahrzeugs. Während das große Fahrzeug vor ihren Augen mit brummendem Motor den idealen Aufstellungsort anfährt, machen Rettungsdienstler im ersten Stock des Gebäudes die Person – eine Puppe – an einem Spineboard fest und sichern sie für den Transport. Nah ans Fenster wird die Rettungsplattform der Drehleiter hinrangiert. Als die Leiter ausgefahren wird, werden die Schultern und Arme der Mamas und Papas zu „Drehleitern“ für die Kleinen, die an ihnen nach oben klettern und sich auf die Schultern setzen dürfen, um besser sehen zu können, was der lange Arm der Drehleiter tut.
An der Plattform wird eine Schleifkorbtrage befestigt. Hier könne für bestimmte Einsätze auch ein Wasserwerfer montiert werden, für eine Brandbekämpfung von oben bei Großbränden etwa, lässt Schneider wissen, der die Übung mit Hinweisen zur Feuerwehrarbeit und Technik moderiert. Wichtig sei, dass jemand an der Einsatzstelle ist, der die Feuerwehrleute einweist und zeigt, wo sich die Person befindet. Bei der Übung übernimmt diesen Part das DRK. Der Einsatzleiter der Feuerwehr verschafft sich einen Überblick über die Lage, bespricht sich mit dem Rettungsdienst und gibt weiter an den Gruppenführer, der zu entscheiden hat, wo die Drehleiter am besten positioniert wird. Ein Rädchen greift ins andere. Jeder Trupp hat seine ganz fest definierte Aufgabe.
Das lernen bereits die Jungfeuerwehrleute, die in ihrer Übung eine klassische Brandbekämpfung simulieren. Die Löschgruppe macht sich startklar. Vorneweg die Atemschutzträger, die dem Feuer am nächsten kommen – sie tragen Attrappen anstelle realer Atemschutzgeräte auf dem Rücken, da sie dafür volljährig sein müssen. Rings herum bauen Angriffstrupp und Schlauchtrupp die Wasserversorgung über einen Unterflurhydranten, B- und C-Leitungen auf. Das Publikum scherzt herum: „Ein schönes Feuerchen“ und „Jetzt könnten wir gleich grillen“ reagieren sie auf den brennenden Container. Der erste Schwall, nachdem der Befehl „Wasser Marsch“ erfolgt, verfehlt knapp den Brandherd; das Strahlrohr sei leicht defekt, informiert Kommandant Schneider. Die kleine Panne beschert den Zuschauern in der ersten Reihe nichts weiter als ein paar Spritzer an manchem Hosenbein und etwas Sprühregen – die Erfrischung ist bei den Temperaturen durchaus erwünscht, wie die fröhlichen Reaktionen und der Applaus zeigen.
Jugendfeuerwehr
Die Jugendfeuerwehr war fast vollzählig bei der Übung vertreten: 18 von 22 Jugendlichen übten am Brandcontainer.
Die Jugendfeuerwehr hat seit fünf Jahren ein eigenes Löschfahrzeug: Es ist ein Geschenk der Werkfeuerwehr von Bosch in Waiblingen, die das LF8 ausgemustert hat.
An der Übung der aktiven Wehr „Menschenrettung mit der Drehleiter“ beteiligten sich der Rettungsdienst der Rettungswache Welzheim mit vier Personen sowie drei Feuerwehrleute mit der Drehleiter.

