Welzheim

Die Gäste kehren zurück: Was Welzheimer Wirten dennoch Sorgen macht

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Enzo Sollazzo vor dem Ristorante Pizzeria „Ionio“. © Markus Metzger

Die Temperaturen steigen und locken hinaus, die Pfingstferien rücken näher und machen Urlaubslaune, und man muss im Restaurant keine Maske mehr tragen. Kontrollen zum Impfstatus gehören ebenso der Vergangenheit an. Man kann beim Spazierengehen oder Bummeln spontan wieder einkehren. Verführt das dazu, dass die Gäste wieder häufiger zum Essen ausgehen? Viele Gastwirte haben während der Corona-Zeit teils erhebliche Einbußen hinnehmen müssen. Andererseits stecken auch Feinschmeckern die über Monate ausgeübten sozialen Verzichtsregeln noch fest in den Knochen.

„Die Stammkunden haben uns die Treue gehalten“

Nachgefragt bei Hansjörg Kühnle vom Gasthaus „Grüner Baum“: Kehren die Gäste zurück? „Man merkt, dass es langsam normaler wird.“ Dass keine Maske mehr nötig ist, trägt sicher auch dazu bei, meint er. „Die Stammkunden haben uns die Treue gehalten und sind nach wie vor gekommen“, blickt er zurück. Diese seien bis auf wenige Ausnahmen alle geimpft und geboostert gewesen. Im Sommer gesellen sich nun auch mehr Ausflügler unter die Gäste des „Grünen Baums“.

„Die schwierigen Zeiten sind noch nicht vorbei“

Das ist gut. Doch Hansjörg Kühnle ist überzeugt: „Die schwierigen Zeiten sind noch nicht vorbei.“ Da ist das Einkaufen: Öl zu erhalten ist für den Gastwirt ebenso schwierig wie für Otto Normalverbraucher. Linsen sind ebenso Mangelware, ergänzt Hansjörg Kühnle. Überhaupt sind Sachen knapp, bei denen man sich nicht daran erinnern könnte. Sich beim Preis zu einigen, sei nicht drin. „Du musst froh sein, wenn du alles kriegst.“ Und das Thema Energie spielt mit in die Kostenentwicklung hinein.

„Das Essengehen soll noch erschwinglich bleiben“

Die höheren Einkaufspreise, so Hansjörg Kühnle, will er nicht so weitergeben an die Kunden. „Das Essengehen soll noch erschwinglich bleiben.“ Man lebe viel von den Einheimischen und sei ein bodenständiges, schwäbisch-traditionelles Gasthaus.

Häufig war im Zusammenhang mit der Pandemie vom Abwandern des Gastronomie-Personals in andere Branchen zu lesen. Der „Grüne Baum“ hat sein Stammpersonal. „Auf das bin ich ganz arg stolz“, sagt Hansjörg Kühnle. Bedienungen werden aber gesucht. Die Preisentwicklung macht sich auch für die Mitarbeiter bemerkbar, weshalb dem Personal im Gasthaus mehr gezahlt wurde.

Für die Zukunft sagt Hansjörg Kühnle: „Hoffentlich bleibt es so, dass die Gäste bleiben, dass nicht im Herbst wieder Corona-Restriktionen kommen.“

Ähnlich äußert sich Heiko Eisenmann, Inhaber des „Gasthofs zum Lamm“. Kehren die Gäste zurück? „Doch, das kann man so sagen.“ Und: „Feste finden wieder statt.“ Eisenmann empfindet es als große Erleichterung, „dass ich nicht mehr kontrollieren muss, wer reindarf“.

„Bevorzugt möchten die Leute immer noch draußen sein“, beobachtet er, das Wetter wird ja auch schöner, aber „man geht auch wieder rein“.

Gibt es Nachholbedarf bei den Gästen? Doch, zum Beispiel bei Hauptversammlungen von Vereinen, die nun die Treffen abhalten, die eigentlich im November, Dezember stattgefunden hätten.

„Das große Problem ist jetzt wieder der Warenmangel“

Bei schönem Wetter kommen auch Urlauber in den „Gasthof zum Lamm“, etwa in den Osterferien, und Wandergruppen. „Da treffen sich dann mal wieder 15 Leute vom Studentenausflug übers Wochenende“, nennt der Gastronom ein Beispiel. Auch Gäste aus dem Schwabenpark, Familien, kommen zum Essen in den Gasthof. So ist Heiko Eisenmann mit dem Besucheraufkommen zufrieden.

Aber: „Das große Problem ist jetzt wieder der Warenmangel.“ Ein Beispiel: Öl. Eisenmann setzt auf alte und neue Lieferanten. „Jeden frage ich. Ich nehme, was ich kriegen kann.“ Doch es ist nicht nur das Öl. Auch für Rindfleisch etwa ist der Preis stark gestiegen, überhaupt für höherwertiges Fleisch. Die Preise kann er nicht in dem Maß weitergeben, wie sie steigen, wenngleich er schon ein bisschen hochgegangen ist, sagt Eisenmann. „Ich muss es weitergeben an die Verbraucher, leider.“ Doch: „Ich bremse, wo es geht“, betont der Gastronom. „Das Essengehen soll noch erschwinglich bleiben“, sagt auch Heiko Eisenmann. Und da er die Preisentwicklung vor Augen hat, will er die Löhne anheben.

Auch bei Heiko Eisenmann ist beim Blick in die Zukunft, nicht nur in Sachen Pandemie, eine gewisse Skepsis zu hören, und es bleibt die Unsicherheit. „Wer weiß, was im September kommt, wer weiß, wie sich die Wirtschaft entwickelt.“

„Der Mittagstisch ist nicht so der große Renner wie in der Vergangenheit“

Enzo Sollazzo vom Ristorante Pizzeria „Ionio“ stellt ebenso fest, dass die Gäste langsam wieder zurückkehren. Der Mai sei ein guter Monat gewesen, er hätte teilweise sogar an die Vorjahresmonate angeknüpft. Diese hat er sich genauer angeschaut und analysiert, dass derzeit die Hälfte aller Gerichte auf den Mitnahmebereich entfällt. Der To-go-Bereich fange auf, was an Restaurant-Umsatz noch fehle, vergleicht er.

Viele Gäste, die in der Vergangenheit regelmäßig kamen, tun das nun nicht mehr. Dafür kommen andere, beobachtet Enzo Sollazzo. „Der Mittagstisch ist nicht so der große Renner wie in der Vergangenheit.“ Die Kunden hätten das To-go-Angebot kennengelernt, viele arbeiten im Home-Office und seien teils aus ihrem gewohnten Rhythmus gekommen, etwa, nach dem Sport einzukehren. Der Restaurantbesuch hängt mit dem wiedererwachenden sozialen Leben zusammen? Durchaus. „Dass man sich trifft, ausgeht, zum Sport geht“, nennt Sollazzo Beispiele. „Das ist noch nicht so der Fall.“

Um Viertel vor zehn Uhr ist draußen auf der Terrasse komplett aufgeräumt

Beim Essverhalten beobachtet er ebenfalls Veränderungen. Die Reservierungen erfolgen teilweise sehr früh, um Viertel vor zehn Uhr ist draußen auf der Terrasse komplett aufgeräumt. Das war früher nicht so. Früher seien Gäste auch mal von Lokal zu Lokal „gewandert“, man habe sich mehr in der Stadtmitte getroffen. Und nun? „Man trifft sich eher zu Hause“, vermutet er.

Die Pizzeria hat darauf reagiert. Vor Corona hatte die Küche bis 22.30 Uhr geöffnet, auch mal bis kurz vor 23 Uhr. Jetzt ist um 21.30 Uhr Schluss. Der Pizzabäcker arbeitet manchmal ein bisschen länger. Aber: „Es sind sehr wenige, die um Viertel vor zehn noch anrufen.“

Dass die Corona-Pandemie noch nicht vorbei ist, das merkt Enzo Sollazzo. Der Anteil der älteren Gäste beispielsweise ist relativ gering. Besucher von Jahrgangstreffen kamen gern. „Das kommt schon sporadisch in kleinerem Rahmen vor“, vergleicht Sollazzo, „aber nicht wie früher.“ An der Maske allein hänge es gar nicht. Die Vorsicht zum Infektionsschutz ist häufig verinnerlicht.

Außerdem weist Enzo Sollazzo auf Unsicherheit auch bei den Finanzen, etwa durch Kurzarbeit der Gäste, hin.

Die Gäste kehren zwar wieder zurück, „aber nicht wie vor der Pandemie“

Ortswechsel zu Konstantinos Kokkonis, Mitinhaber des Restaurants „Marathon“.

Die Gäste kehren zwar wieder zurück, das bejaht auch er, „aber nicht wie vor der Pandemie“. Kokkonis sagt: „Jetzt ist sowieso alles teurer geworden.“ Man überlege sich, ob man extra ins Auto steige. Von gestiegenen Preisen und Einkaufsproblemen kann er ebenso berichten. Kokkonis hofft, dass das Preishoch nicht lange anhält, und schaut mit Sorge auf die Preisentwicklung, wenngleich er sich auch freut, dass die treuen Gäste wiederkommen.

Einige Preise hat er etwas angehoben, „ein paar Cent, nicht alles“. Doch auch er sagt, er könne die Preisentwicklung nicht in dem Maße weitergeben. „Welzheim ist nicht Stuttgart.“ Bei Konstantinos Kokkonis bleibt ebenfalls ein Gefühl der Unsicherheit. „Wir wissen nicht, was morgen kommt.“

Die Temperaturen steigen und locken hinaus, die Pfingstferien rücken näher und machen Urlaubslaune, und man muss im Restaurant keine Maske mehr tragen. Kontrollen zum Impfstatus gehören ebenso der Vergangenheit an. Man kann beim Spazierengehen oder Bummeln spontan wieder einkehren. Verführt das dazu, dass die Gäste wieder häufiger zum Essen ausgehen? Viele Gastwirte haben während der Corona-Zeit teils erhebliche Einbußen hinnehmen müssen. Andererseits stecken auch Feinschmeckern die über

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