Welzheim

Diskussion über Mobilfunkmast in Breitenfürst mit sachlichen und unsachlichen Argumenten

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Bürgermeister Thomas Bernlöhr hat die Informations- und Diskussionsveranstaltung per Videokonferenz geleitet zum Thema Mobilfunk. Nun gibt es eine Online-Petition. © Markus Metzger

Man kann ja für oder gegen Handys sein. Der eine sieht die elektromagnetischen Strahlen nicht so dramatisch, der andere meint, die Strahlung macht den Menschen krank. Durch den geplanten Mobilfunkmast im Gewerbegebiet Schwabäcker in Breitenfürst ist diese Diskussion wieder aufgelodert. Die Stadtverwaltung hat mit zwei Informations- und Diskussionsveranstaltungen als Videokonferenz versucht, das Thema zu versachlichen, was allerdings nur teilweise gelungen ist.

Anonymes Flugblatt war verteilt worden

Bereits am 2. April gab es einen ersten Termin mit einem Vertreter der Telekom, bei dem Planung und die bessere Netzabdeckung im Mittelpunkt standen. Danach gab es ein anonymes Flugblatt, das die Strahlenbelastung in den Mittelpunkt gerückt hat. Bei der zweiten Info- und Diskussionsveranstaltung am Montagabend ist nun dieser Aspekt in den Mittelpunkt gerückt. Dazu hatte die Stadt Dr. Gunde Ziegelberger als Fachfrau des Bundesamtes für Strahlenschutz eingeladen.

In der Diskussion bildeten sich zwei Lager heraus

Im Gegensatz zur ersten Informationsveranstaltung war die Teilnehmerzahl deutlich höher, einige Teilnehmer der ersten Sitzung waren auch bei der zweiten dabei. Insgesamt waren es 35 Teilnehmer, wenn man allerdings die Vertreter der Stadtverwaltung und die teilnehmenden Stadträte und den Pressevertreter abzieht, bleiben noch rund 25 Bürgerinnen und Bürger übrig. Dabei kristallisierten sich zwei Lager heraus. Ein Teil, es war wohl der größere, möchte, dass ein anderer, also besserer Standort gefunden wird mit dem Ziel, die Strahlenbelastung zu mindern. Oder ein ganz anderes Konzept mit mehreren Stationen, um dieses Ziel zu erreichen?

Was ist den Bürgern wichtiger?

Der andere Teil der Teilnehmer lehnt Handy- und Funkmasten grundsätzlich ab. Sie reklamieren ein möglichst strahlungsarmes Leben für sich. Es ist natürlich immer eine Abwägungssache. Was ist wichtiger: ein guter Handy-Empfang oder ein strahlungsarmes Leben? Beides gleichzeitig gibt es wohl derzeit nicht. Die Gegner der Mobilfunkstrahlen haben Argumente und Gutachten, auf die sie hinweisen können. Die Befürworter ebenso. Die Antwort auf diesen Konflikt kann deshalb nur der Politiker geben, der sich auf Informationen von unabhängigen Behörden beruft. So weit, so gut.

Kritisch wird der Diskussionsverlauf, wenn auf einmal von Waffen die Rede ist, die elektromagnetische Strahlen verwenden. Und was soll bitte das Argument, wenn ich mit dem Fieberthermometer in ein Atomkraftwerk gehe, steigt auch nicht die Temperatur. Das ist ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Was haben Atomkraftwerke und Handys miteinander zu tun? An diesem Punkt hat dann zum Glück Gesprächsleiter und Bürgermeister Thomas Bernlöhr eingegriffen, der stirnrunzelnd die Diskussion zu versachlichen versuchte.

Behörde kennt die positiven und die kritischen Gutachten

Das Bundesamt für Strahlenschutz wertet alle bekannte Gutachten aus und gibt auch selbst Gutachten in Auftrag, erläuterte Fachgebietsleiterin Gunde Ziegelberger, selbst gelernte Biologin. Sie kennt die positiven und die kritischen Gutachten und meinte deshalb zusammenfassend: „Das Thema ist in der Gesamtschau zu sehen, einzelne Gutachten helfen nicht weiter.“ Treffe die elektromagnetische Welle auf einen Körper, entstehe eine Reibung, die zu einer geringfügigen Erwärmung führen kann. Bis zu einem Grad Celsius sei diese  tolerierbar. Die Körperteile, die mehr Wasser enthalten, erwärmten sich stärker als Teile mit weniger Feuchtigkeit. Den Effekt kennen viele Menschen von der Mikrowelle, wenn das Essen erwärmt wird.

Bei der Suche nach gesundheitlichen Nachteilen durch die elektromagnetischen Wellen stochert das Fachamt nach eigener Aussage im Heuhaufen, oder anders ausgedrückt: „Wir suchen eine schwarze Katze in einem schwarzen Zimmer und wissen nicht einmal, ob es die Katze auch tatsächlich gibt“ (Ziegelberger).

Bei der „elektromagnetischen Hypersensibilität” handelt es sich um eine Gesundheitsstörung, die aus Sicht der Betroffenen dann auftritt, wenn sie mit elektrischen, magnetischen oder elektromagnetischen Feldern in Berührung kommen. Betroffene berichten beispielsweise von Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Übelkeit.

Elektrosensibilität bisher nicht als Krankheit anerkannt

Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bezeichnen sich knapp zwei Prozent der deutschen Bevölkerung als elektrosensibel. Als Krankheit wird die Hypersensibilität nicht eingestuft – denn laut BfS und der Weltgesundheitsorganisation WHO konnte bislang nicht nachgewiesen werden, dass tatsächlich elektromagnetische Strahlung die Ursache für die Beschwerden ist. Dr. med. Cornelia Mästle, Internistin und Psychotherapie, die ebenfalls an der Videokonferenz teilnahm, sieht dies anders. Die gesundheitlichen Auswirkungen würden unterschätzt oder gar ignoriert. In Deutschland würden mit die höchsten Grenzwerte in der Welt gelten. Die Wirkung der Strahlung gehe über die rein thermische Schwelle hinaus. In der Praxis hätten die Ärzte immer mehr mit unspezifischen Beschwerden zu tun. Viele Mediziner würden da Zusammenhänge mit der Strahlenbelastung sehen. Nach den Angaben von Dr. Mästle gebe es das Krankheitsbild bei fünf Prozent der Bevölkerung. Als besorgniserregend bezeichnete es die Medizinerin, dass die geplante Einführung des 5-G-Standards neue Beeinträchtigungen und Belastungen für Mensch, Tier und Pflanze bringe, dabei sei diese Frequenz noch kaum ausgetestet.

Nach Auskunft der Telekom ist aber bei dem geplanten Funkmast in Breitenfürst noch kein 5-G-Standard vorgesehen. Die Genehmigung der Bundesnetzagentur reiche nur bis zum 4-G-Standard. Sollte in späteren Jahren eine Aufrüstung kommen, müsste die Telekom eine neue Genehmigung dafür einholen.

Die Möglichkeiten der Stadt sind begrenzt

Die Möglichkeiten der Stadt, einen solchen Mobilfunkmast zu verhindern, sind begrenzt. Der Gemeinderat hat nur zu entscheiden, ob er den Bauantrag befürwortet oder ablehnt. Für die Genehmigung des Bauantrags ist die Baurechtsbehörde des Landratsamtes in Waiblingen zuständig, das nach den geltenden Gesetzen und Richtlinien beurteilt und entscheidet.

Man kann ja für oder gegen Handys sein. Der eine sieht die elektromagnetischen Strahlen nicht so dramatisch, der andere meint, die Strahlung macht den Menschen krank. Durch den geplanten Mobilfunkmast im Gewerbegebiet Schwabäcker in Breitenfürst ist diese Diskussion wieder aufgelodert. Die Stadtverwaltung hat mit zwei Informations- und Diskussionsveranstaltungen als Videokonferenz versucht, das Thema zu versachlichen, was allerdings nur teilweise gelungen ist.

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