Welzheim

Diskussion über Wohnmobilstellplätze am Aichstrutsee

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Im kleinsten der Park-Ringe stehen auf dem Foto zwei Wohnmobile. Der Plan der Verwaltung sah vor, diesen mandelförmigen Platz am südlichen Zipfel der Park- und Stellplätze zu befestigen und dort zehn Stromanschlüsse anzubieten. © Archivbild: ZVW

Welzheim-Aichstrut. Wohnmobilisten klingt bürokratischer und härter als Camper. Fast klingt auch ein Hauch von Wohnmobil-Lobbyist mit. Und ihre Interessen würden die Camper auch explizit artikulieren, so Bürgermeister Thomas Bernlöhr. Die Camper machen sich für befestigte Plätze mit Stromanschluss für Wohnmobile am Aichstrutsee stark. Die Stadt wollte reagieren und rund 40 000 Euro in die Hand nehmen. Der Gemeinderat war davon nicht überzeugt.

Also wurde die Entscheidung vertagt. Man will sich erneut mit Wohnmobilisten und Gemeinderäten beraten, was machbar und auch mehrheitsfähig ist. Der Vorschlag vom Hauptamt, Bereich Tourismus, sah vor, die Wohnmobilstellplätze am Aichstrutsee neu zu gestalten und in diesem Zusammenhang zehn befestige Stellplätze mit Stromanschluss zu schaffen. Dazu der Beigeordnete der Stadt Reinhold Kasian: „Die steigende Nachfrage nach Wohnmobilstellplätzen innerhalb der gesamten Region Stuttgart ist auch vor Ort am Aichstrutsee erkennbar“, hielt er fest, was im Gremium auch nicht angezweifelt wurde. Im Gegenteil. Bedarf sehen alle. Doch über das Angebot, was die Stadt für die Wohnmobilisten machen könnte, darüber bestand Uneinigkeit.

Jetzige Parkplätze entsprechen nicht mehr dem Qualitätsbedürfnis

Zuvor hatte Kasian ausgeführt, dass neben dem reinen Bedarf an Stellplätzen auch die qualitativen Anforderungen steigen würden. Entsorgungseinrichtungen und vor allem auch Stromsäulen seien mittlerweile obligatorisch. „Der Markt der Reisemobilisten prosperiert und führt zu steigernder Nachfrage nach Stellplätzen für Kurzausflüge und Wochenendtrips.“ Dabei entsprechen die bestehenden, leicht abschüssigen, seitlich am Parkplatz platzierten Stellplätze nicht mehr dem Qualitätsbedürfnis nach möglichst ebenen größeren Flächen sowie einer Stromversorgung, so Kasian.

Vor diesem Hintergrund solle das Angebot durch eine Verlagerung der Stellplätze auf die „begrünten, mit Bewuchs beschatteten und damit deutlich attraktiveren Flächen verbessert werden“. Neben der Stromzuführung mit Ladesäulen ist auch eine Befestigung erforderlich, die eine witterungsunabhängige Nutzung ermöglicht, nachdem Wohnmobiltourismus heutzutage jahreszeitlich unabhängig stattfinde. Auch im Winter seien Camper in Welzheim. 50 000 Euro sollen die Stellplätze mit Rasengitter kosten – eine „totale Freiwilligkeitsleistung“, wie Bürgermeister Bernlöhr im Verlauf der Sitzung des Bau- und Verwaltungsaussschusses sagte. 10 000 Euro gäbe es wohl an Fördergeldern.

Kontroverse Diskussion über Kosten und Sinn

Über die Kosten und die Sinnhaftigkeit wurde nun kontrovers diskutiert. Winfried Ellinger, Bürgerforum, hielt fest, dass zehn Plätze nicht ausreichen würden. Wo sollen die übrigen Camper stehen? Bleiben die auch weiterhin ohne Strom? Und zahlen jene, die dann in den Genuss von Strom kommen könnten, höhere Gebühren? Und wer kontrolliert das?

Reinhold Kasian ging ins Detail. Ziel seien besser geordnete Verhältnisse nach dem Windhundprinzip. Wer als Erstes kommt, könne die zehn Plätze mit Stromanschluss in Beschlag nehmen. Jeder würde die gleichen Gebühren entrichten müssen. Allerdings müsse man für den Strom gesondert bezahlen. Die Überwachung übernehme der städtische Vollzugsdienst. Ellinger bezweifelte, dass die zehn Plätze bei den Campern so gut ankommen, wie sich die Stadt das vorstellt. Die Wochenend- oder Tagestouristen würden die Freiheit lieben, sich bewusst um den See positionieren – und nicht auf reglementierten Plätzen parken. Nun schaltete sich Thomas Bernlöhr ein.

Das Konzept habe man in Zusammenarbeit mit den umtriebigen Wohnmobilisten erstellt. Wo jeder parkt, sei eine freie Entscheidung. Die ersten zehn Camper müssten nicht zwingend auf den zehn Plätzen stehen. Wenn das Wildparken im Sommer allerdings ausarte, würde man die Überwachung ausbauen. Er sei davon überzeugt, dass die zehn Plätze angenommen werden, seien die anderen Plätze doch mitunter uneben. Der Trend gehe klar in Richtung größere Infrastruktur mit Stromversorgung. Im Hochbetrieb im Sommer wolle man dann „stärker steuernd eingreifen“.

40 000 Euro für zehn Plätze seien „heftig“ und „nicht gerechtfertigt“

Ellingers Fraktionskollegin Claudia Kuhn, eine Camperin, fand die 40 000 Euro „heftig“ und nicht gerechtfertigt. Sie meinte, die Camper kämen zum Aichstrutsee, eben weil die Platzregelung bisher so locker sei. Wohmobilisten wollten keine befestigen Plätze. Man könnte die Stromsäulen doch woanders aufstellen. Auch CDU-Mann Thomas Linzmair hielt fest, 40 000 Euro für zehn Plätze seien teurer. Er schlug eine einfachere Befestigung vor, damit man mehr Plätze erhalte und mehr Geld für Stromanschlüsse habe. Der Mentalität der Wohnmobilisten entsprächen diese zehn engen Plätze nebeneinander wohl nicht.

Reinhold Kasian widersprach. Eine einfache Befestigung sei keine langfristige Lösung und dabei nicht viel günstiger. Bernlöhr erklärte: entweder ganz oder gar nicht befestigen. Er betonte: Der Vorschlag gehe vor allem auf die aktive Arbeit der Wohnmobilisten zurück, nicht auf die Stadt. Linzmair legte nach: Zehn Plätze seien im Sommer zu wenig. „Und im Winter zu viel“, ergänzte Bernlöhr. Der Vorschlag sei ausgewogen. Das empfand der Freie Wähler Friedrich Mayle ebenso. „Schotter macht keinen Sinn. Der Vorschlag ist okay.“

Das Gremium entschied am Ende, die Thematik neu zu diskutieren. In diesem Zusammenhang, so Claudia Kuhn und Friedrich Mayle, müsse man auch über die Gebühren reden. Denn es könne nicht angehen, dass ein Zeltplatz sechs Euro pro Person pro Tag koste, ein Tages-Stellplatz hingegen fünf Euro. Da haben sie recht.

Förderprogramm

Reinhold Kasian stellte ein regionales Wohnmobilstellplatz-Förderprogramm mit der Bezeichnung „Wohnmobilfreundliche Region Stuttgart – Pilotteilraum Murr-Bottwartal“ vor, das eine Bezuschussung des Verbands Region Stuttgart für die Schaffung beziehungsweise qualitative Verbesserung von Wohnmobilstellplätzen ermöglicht. „Welzheim als unmittelbar an dieses Gebiet angrenzende Kommune kann sich diesem Konzept und damit der Fördermöglichkeit anschließen“, so Kasian.