Welzheim

Dr. Jens Brückner aus Welzheim wird am 11. Juli zum Priester geweiht

Priesteramtskandidat Jens Brueckner
Dr. Jens Brückner aus Welzheim freut sich, ab dem 11. Juli ein Priester zu sein. © Markus Ulmer

Der 11. Juli ist ein großer Tag im Leben des 33-jährigen Dr. Jens Brückner. An diesem Tag wird er in Rottenburg von Bischof Dr. Gebhard Fürst zum Priester geweiht. Brückners Heimatpfarrei ist „Christus König“ in Welzheim. Dort soll auch die Heimatprimiz stattfinden, und zwar am 1. Weihetag, am 11. Juli 2021, in der Hoffnung, dass die Corona-Pandemie bis dahin überwunden und Feiern wieder möglich sein wird. Es ist vorgesehen, dass Stadtkapelle und Kirchenchor dazu gemeinsam eine Messe einstudieren und im Anschluss ein großes Fest gefeiert wird.

Eine klassische Primiz wird es für den Jungpriester allerdings in diesem Juli nicht geben können. Dafür ist in Zeiten von Covid-19 mit seinen Abstandsregeln die Welzheimer Kirche zu klein.

„Ich bin am 23. März 1987 in Mutlangen geboren und dann in Welzheim aufgewachsen“, erzählt Dr. Brückner. „Mein Vater stammt aus dem Sudetenland und war Werkzeugmacher, meine Mutter war eine Arbeitsmigrantin aus Bosnien. Sie ging aber nach der Geburt meines um zwei Jahre älteren Bruders zunächst keiner beruflichen Tätigkeit mehr nach. Ich besuchte die Bürgfeld-Grundschule und absolvierte 2006 mit dem Abitur das Limes-Gymnasium. Schon früh lernte ich, die Klarinette zu spielen, und war dann in der Stadtjugendkapelle und später über zehn Jahre in der Stadtkapelle Welzheim aktiv. Ich spielte auch öfters bei den Jahresfeiern des Vereins im Laientheater als Schauspieler mit. 2004 machte ich die Ausbildung zum Limes-Cicerone und führte viele Jahre Gruppen am Limes. Ich war auch in der Römergruppe „Numerus Brittonum“ des Historischen Vereins Welzheimer Wald aktiv. Meine Heimat war von klein auf die katholische Kirchengemeinde. Ich hatte den Philipp-Neri-Kindergarten besucht. Nach meiner Erstkommunion wurde ich Ministrant. Einige Jahre später arbeitete ich im Leitungsteam der Ministranten Welzheim. Unter der Arbeit des Leitungsteams erreichten wir die Gruppengröße von über 50 Ministranten - eine für die katholische Diaspora sehr große Zahl. Zweimal reisten wir in einer Ministrantenwallfahrt nach Rom. Einmal machten wir mit den Rudersberger Ministranten eine große Freizeit auf der Marienburg bei Niederalfingen. Ich sang auch im Jugendchor der Kirchengemeinde, dem Chörle unter der Leitung von Sabine Baumann mit. Jahre später übernahm ich Verantwortung als Firmbegleiter.“

Von klein auf besuchte Dr. Jens Brückner die Gottesdienste

Schon seit Kindertagen nahmen die Mutter oder die aus Bosnien stammende, im Januar 2020 verstorbene Großmutter Brückner und seinen Bruder mit in den Gottesdienst. „Wir wollten immer um 9 Uhr in die Messe gehen“, erinnert er sich, „aber wenn wir verschliefen, gingen wir um 10 Uhr entweder in den Kindergottesdienst, die kroatische Messe oder in den evangelischen Gottesdienst. Der Besuch der Kirche am Sonntag war Pflicht. Für mich bedeutet Kirche Heimat, auch wenn ich immer wusste, dass es hier viele Baustellen und Probleme gab.“

Er habe erlebt, wie sich viele Menschen in der Gemeinde in Welzheim engagiert haben, dann aber verschwunden sind. Das habe ihn tieftraurig gemacht. Man könne doch ein Fußballspiel nur dann entscheiden, wenn man auf dem Platz stehe und Tore mache. Vom Spielfeldrand aus zu kommentieren und zu schimpfen habe meistens keinen Sinn. „Ich habe Kirche als etwas erlebt, das nicht verstaubt sein muss, sondern Antworten auf die großen Fragen des Lebens zu geben vermag: Woher kommen wir, wohin gehen wir, und letztlich, wer sind wir?“ Den Entschluss, den Priesterberuf zu ergreifen, fasste Brückner schon relativ früh. Er habe kein klassisches Berufungserlebnis vorzuweisen, erzählt er. „Aber ich bin im Alter von neun Jahren fast erblindet, weil ich ungeschützt in eine Sonnenfinsternis blickte. Meine Sehkraft nahm bei beiden Augen auf 10 Prozent ab. Nach mehreren Tagen in einem abgedunkelten Zimmer verbesserte sich meine Sehkraft wieder auf 100 Prozent. Für mich war das ein Wunder!“ Die Zeit in diesem Zimmer habe er mit Beten verbracht, mit Flehen und Bitten. Er deute dieses Ereignis auf der Folie seines christlichen Glaubens: „Es war ein Eingreifen Gottes, der verhindert hat, dass ich an diesen Tagen erblindet bin. Dieser Moment bildet den Kern meines Gottvertrauens.“

Außerdem merkte er, dass er die Fähigkeiten besitzt, die von einem Priester erwartet werden, also bewegte er sich vorsichtig darauf zu, immer jedoch mit der Offenheit, vielleicht für etwas anderes berufen zu sein. Denn auch die Verantwortung, in einer christlichen Familie Kinder zu erziehen, sei eine Berufung. „Zweifel ist die andere Seite der Medaille des Glaubens“, räumt Brückner nachdenklich ein. „Besonders die letzten zehn Jahre unter dem Stichwort Missbrauckandal lassen selbst treue Katholiken schier verzweifeln. Die Jahre ab 2010 waren und sind für mich geprägt gewesen mit der Frage, wie das denn sein kann. Daher: Selbstverständlich gab und gibt es ihn immer wieder - auch in sehr persönlichen Fragen. Der Zweifel erinnert mich daran, dass wir in unseren Leben nie etwas sicher haben, dass alles zerbrechlich ist. Das ist in der Tat auch in meinen Primizspruch eingeflossen.“

Als Angehöriger des zweitletzten Jahrgangs leistete Brückner nach dem Abitur den Zivildienst im Diakoniewerk Bethel. Zuerst hatte er nicht wirklich Lust, gesteht er, sondern wollte gleich studieren. Aber im Rückblick stelle es als eine für ihn ganz entscheidende Zeit dar, für die er dankbar sei. Den Tag mit Menschen zu verbringen, die ihr Leben loslassen müssen, habe seine Augen geöffnet wie vorläufig unser Leben doch sei.

Das Fragen und Denken in der Theologie ist wichtig

Brückner studierte fünf Jahre in Tübingen, war nie im Ausland oder an einer anderen Uni. „Ich dachte immer, für die Entwicklung meines Denkens wäre so ein Ortswechsel nicht zuträglich gewesen. Außerdem studierte ich parallel mit meinem Bruder Theologie. Wir haben zusammen gewohnt und im selben Semester studiert. Ich wollte damals nicht ins Ausland gehen, denn das hätte bedeutet, dass er nicht hätte gehen können. Daher entschieden wir beide, zu bleiben.“ Er habe aber während seines Studiums ein Jahr im Wilhelmsstift in Tübingen gelebt, dem Theologenkonvikt, in dem sich junge Männer auf den Priesterdienst vorbereiten. Er entschied damals, aber auch zu prüfen, ob er nicht in ein Ordensinstitut berufen sei, etwa zu den Salesianern Don Boscos. Daher beendete er sein Studium als Diplomtheologe und nicht mit kirchlichem Abschluss. Seine Diplomarbeit verfasste er über das Missionsdekret des 2. Vatikanischen Konzils „Ad gentes“- bei dem renommierten Altprofessor Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Peter Hünermann. Nachdem er mit Prof. Dr. Andreas Odenthal einen Betreuer und ein geeignetes Thema gefunden hatte, um im Fach Liturgiewissenschaft zu promovieren, überließ ihm sein Doktorvater die Leitung des Grundkurses für die Studenten. Er habe ihn sehr gerne geleitet.

Das Fragen und Denken in der Theologie sei ihm Herzensanliegen und bilde den Kern seines Selbstverständnisses. „Ich bin in erster Linie immer Theologe - einer, der von Gott spricht“, so Brückner.

„Mein Promotionsthema ist ein wenig komplex“, entschuldigt er sich beinahe. „Ich habe einen sogenannten Liber ordinarius ediert, kommentiert und historisch eingeordnet. Ein Liber ordinarius ist ein liturgisches Regiebuch. Es beschreibt, wie an den großen Kirchen im Mittelalter Liturgie gefeiert wurde. Die Liturgie umfasst dabei Eucharistiefeiern, Chorgebetszeiten, Prozessionen, liturgische Schauspiele, Reliquienverehrung. Der Liber ordinarius beschreibt genau, wer was wann wo wie zu tun hat. Es ergibt sich ein plastisches Bild der Gottesdienste an den Kirchen des Mittelalters. Meine Untersuchung betraf den Augsburger Dom. Denn durch die beschriebene Liturgie, besonders die Prozessionen, werden auf der Ebene der Stadt verschiedene Kirchen in Beziehung zueinander gesetzt, auf der Ebene des Umfelds der Kathedrale verschiedene Kapellen und auf Ebene des Binnenraums der Kathedrale verschiedene Altäre, Chöre und die Krypta. Dabei lassen sich verschiedene theologische Andeutungen und Anspielungen erkennen, die darauf verweisen, dass man versuchte, in Augsburg die Verhältnisse Roms zu kopieren und damit zum neuen Rom zu werden. Es geht also darum, dass man Liturgie und sakrale Topografie Jerusalems und Roms kennt und diese vor Ort zu applizieren versucht. Dazu werden Kirchen gebaut und eine kunstvolle Liturgie entworfen. Diese ist aber dem Wandel der Zeit unterworfen und niemals fertig. Das ist der Grund, warum viele deutsche Städte, wie Köln, Mainz, Konstanz, Regensburg, Magdeburg oder Paderborn und Münster, so viele alte Kirchen im Stadtkern besitzen. Dahinter steht ein theologisches Baukonzept, das heute aber nahezu niemand mehr lesen kann, aber im Mittelalter diese Städte zu heiligen Städten machte.“

„Nehmt, esst, das ist mein Leib, der für euch zerbrochen ist“

„Nehmt, esst, das ist mein Leib, der für euch zerbrochen ist“, lautet Brückners Primizspruch. „Ihn habe ich nicht wie üblich aus der Bibel, sondern aus der Traditio Apostolica 4 gewählt. Es handelt sich bei dieser Apostolischen Tradition um eine Kirchenordnung, ein historisches Dokument, das Gemeindeverhältnisse aus Nordafrika oder Rom zwischen 210 und 235 n. Chr. schildert. Ich wählte das älteste bekannte Wort, das im Gottesdienst zum Brot gesagt wurde. Einerseits war es mir wichtig, dass neben der Heiligen Schrift auch die Tradition zu Wort kommt, denn aus beidem lebt die Kirche, und wir kennen die Tradition viel zu wenig. Andererseits war für mich das Zerbrechen sehr wichtig. In der derzeitigen katholischen Liturgie heißt es stattdessen: hingegeben. Aber Jesus hat sich brechen lassen für uns, wie das Brot. Er zeigt uns, dass unsere Leben zerbrechlich, verletzbar und fragmentarisch sind. Gerade in der Corona-Zeit, in der viele Zukunftsvorstellungen und Lebensentwürfe zerbrochen sind, hat dieses kleine Wort für mich einen ganz besonderen Wert erhalten.“

An der Corona-Epidemie liegt es letztendlich auch, dass es nach der Weihe Brückners keine klassische Primiz geben wird. Sie wäre am 19. Juli. Er feiert daher mit Freunden und der Familie im Rottenburger Dom, wo er ein Jahr als Diakon tätig war, dank der Hilfe des Dompfarrers Harald Kiebler am 19. Juli um 15 Uhr seine erste Messe. Wie es nach der Weihe weitergeht? - „Nach der Weihe ist vor der Weihe“ lautet fast fröhlich die Antwort.

„Am 13. Juli findet die feierliche Kelchweihe statt, und mittags werden die Stellen bekanntgegeben, an die die Jungpriester in den nächsten zwei Jahren gesendet werden. Das ist immer sehr spannend und viel Drama. Ab dem 26. werde ich dann am Rottenburger Dom Sankt Martin bis zum neuen Schuljahr die Sommervertretung für den Dompfarrer übernehmen.“

Der 11. Juli ist ein großer Tag im Leben des 33-jährigen Dr. Jens Brückner. An diesem Tag wird er in Rottenburg von Bischof Dr. Gebhard Fürst zum Priester geweiht. Brückners Heimatpfarrei ist „Christus König“ in Welzheim. Dort soll auch die Heimatprimiz stattfinden, und zwar am 1. Weihetag, am 11. Juli 2021, in der Hoffnung, dass die Corona-Pandemie bis dahin überwunden und Feiern wieder möglich sein wird. Es ist vorgesehen, dass Stadtkapelle und Kirchenchor dazu gemeinsam eine Messe

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper