Welzheim

Drehpunkt vor dem Aus

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Lächeln trotz bevorstehender Schließung des Ladens tapfer in die Kamera: Conny Heitzenröther und Martina Bareiss. © Habermann / ZVW

Welzheim. Nach drei Jahren und zwei Monaten schließt Ende Oktober der Drogeriemarkt Drehpunkt. Im Gespräch mit unserer Zeitung erläutern Martina Bareissund Conny Heitzenröther (50) ihre Entscheidung zur Geschäftsauflösung. Angesichts der Pläne der Stadt, in nächster Nähe den Drogeriemarkt Rossmann am Feuersee anzusiedeln, gebe es keine langfristige Perspektive.

Video: Der Drehpunkt-Laden in Welzheim schließt.

Der Drehpunkt-Laden wurde infolge der Schlecker-Pleite in einer ehemaligen Filiale in der Schorndorfer Straße am 31. August 2013 eröffnet. Manchen Rückschlag mussten die Frauen einstecken, bis es so weit war. Im April 2013 wollten sie eigentlich eröffnen, denkt Martina Bareiss zurück, von Juni war dann später die Rede. Schließlich wurde es Ende August.

Für die Verzögerungen wissen die Frauen von mehreren Gründen zu berichten. Eine Kollegin aus dem ursprünglichen Team war ausgestiegen. Das habe auch die Finanzierung zurückgeworfen, sagen die Frauen. Bis eine der am Projekt beteiligten Banken losgelegt hat, habe es einige Zeit gedauert. Ein Großlieferant, mit dem die Frauen gerechnet hatten, ist außerdem weggebrochen. „In kürzester Zeit musste ein Neuer her“, weiß Martina Bareiss. Mit Hilfe des Vereins zur Förderung der Nahversorgung um die ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen gelang das schließlich.

Zur Freude über das Angebot kamen bald erste Klagen

Zur Freude in der Bevölkerung über das Drogeriemarktangebot kamen Klagen über ein mangelhaftes Sortiment und hohe Preise. Manche kauften in der Nachbarschaft ein, zum Beispiel beim Rossmann in Rudersberg oder beim DM-Markt in Schorndorf. An dieser Situation änderte auch eine Unterschriftensammlung von Heinz Strohäcker nichts, der dafür plädiert hatte, auf eine Ansiedlung eines zweiten Drogeriemarktes zu verzichten und somit den Drehpunkt zu stärken.

Auf Anfrage unserer Zeitung wollte sich Bürgermeister Thomas Bernlöhr zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht zur Schließung des Drogeriemarktes äußern und auch nicht zum aktuellen Zeitplan für das neue Wohn- und Geschäftshaus am Feuersee. Dort soll ein neuer Rossmann-Markt einziehen. Neue Informationen hat Bernlöhr für Freitagabend im Rahmen des Sommerempfangs im Stadtpark angekündigt. Die Bürger dürfen gespannt sein. Es ist wohl von einer zeitlichen Verzögerung auszugehen. Doch bis in etwa drei Jahren soll das Wohn- und Geschäftshaus stehen, ist zu hören.

Zweiter Markt ist laut Stadt kein Veto gegen den Drehpunkt

Bereits in einer früheren Stellungnahme im letzten Jahr hatte die Stadt erklärt, dass die Entscheidung für einen zweiten Drogeriemarkt in der Stadt kein Veto gegen den Drehpunkt sei. Von Anfang an habe die Stadt die Drehpunkt-Gründerinnen auch auf die Möglichkeit eines konkurrierenden Drogeriemarkts hingewiesen. Die erarbeiteten Gutachten hätten bestätigt, dass es richtig ist, zur Sicherung des Einzelhandelsstandorts Welzheim und zur Sicherung der Einkaufsinnenstadt einen zweiten Drogeriemarkt anzusiedeln.

Das Vorhaben und die geplanten Nutzungen stellten demzufolge eine Entscheidung für den Standort Welzheim dar und keine Entscheidung gegen den „Drehpunkt“. Im Übrigen stoße fast jede mögliche Nutzung auf bestehende Konkurrenz.

Die Belieferungsprobleme haben sich seit Anfang des Jahres wieder verstärkt. Wochenlang gab es Lücken im Regal. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Lieferanten für eine Bestellung Mindestabnahmemengen verlangen. Teilweise ist Mit-Betreiberin Lea Weiss herumgefahren, um fehlende Artikel selbst zu besorgen. Dass dies kein Zustand auf Dauer ist, liegt auf der Hand.

Suche nach einem neuen Hauptlieferanten

Die Betriebsleiterinnen haben sich deshalb auf die Suche nach einem anderen Hauptlieferanten gemacht – und sind fündig geworden. Sie hatten die Möglichkeit, ihre Waren über den Drogisten Budnikowski in Hamburg zu beziehen. Die Vorteile: Bestellung bei einem Lieferanten, Zugriff auf das gesamte Drogeriesortiment, tolle Eigenmarken, gemeinsame Werbung und so weiter.

Die Verhandlungen waren laut Martina Bareiss und Conny Heitzenröther bereits so weit gediehen, dass die Partnerschaftsverträge unterschriftsreif auf dem Schreibtisch lagen. Der Nachteil dieser Umstellung: Die Betreiberinnen müssten nochmals Geld in die Hand nehmen für ein neues Kassensystem. Kaution sowie Geld für die Erstbestellung wären nicht das große Problem gewesen, aber die Eröffnung der Rossmann-Filiale. „Nach Rückfragen bei der Kommune sowie Gesprächen mit professionellen Beratern haben wir uns daher zur Liquidation entschlossen. Unser Geschäft schließt bis Ende Oktober für immer.“

Jürgen Müller, Zweiter Vorsitzender des HGV, erklärte im Gespräch mit unserer Zeitung im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zum Sommerempfang, dass es sich die drei Damen zu einfach machen würden, wenn sie nur dem Rathaus und der Firma Rossmann die Schuld für das Scheitern zuschieben.

Schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Martina Bareiss und Conny Heitzenröther sehen das anders. Erst kurz vor Eröffnung des Drogeriemarktes hätten sie von der Stadt erfahren, dass die Firma Rossmann am Feuersee angesiedelt werden soll. Die beiden Geschäftsinhaberinnen haben sich bereits beim Arbeitsamt als arbeitssuchend gemeldet. Die Chancen, in diesem Alter einen Job zu bekommen, sind allerdings nicht allzu groß, meinen die Gesprächspartnerinnen. Die Dritte im Bunde, Lea Weiss, geht erst mal in Mutterschutz.

„Unsere Kunden haben unsere Entscheidung mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen.“ Wer noch Einkaufsgutscheine hat, kann sie noch bis Ende Oktober einlösen. Gesucht wird außerdem noch ein Nachmieter für die Ladenräume.