Welzheim

Drohnen gegen illegale Müllentsorgung

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Müllsammelaktion der Stadt Welzheim im Rahmen der Kreisputzete 2010. Unten: Flugdrohne mit Kamera © Stütz / ZVW
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Wird leider doch nicht zum Einsatz kommen: die Mülldrohne. © Mathias Ellwanger
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Derlei Müll ärgert nicht nur Clemens Kuhn vom Arbeitskreis Saubere Stadt. © Privat
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Derlei Müll ärgert nicht nur Clemens Kuhn vom Arbeitskreis Saubere Stadt. © Privat

Welzheim. Viele Welzheimer und Besucher der Limesstadt ärgern sich über Müll und Gegenstände, die achtlos oder mutwillig Straßen und Wege verschmutzen. Besonders bei Wanderparkplätzen und Container-Standorten wird illegal Müll entsorgt. Noch. Der Arbeitskreis „Saubere Stadt“ geht neue Wege. Auf Betreiben der Mitglieder soll nun eine Art unregelmäßige Luftüberwachung eingeführt werden. Ein Kooperationspartner konnte gefunden werden. Bald heben die Mülldrohnen ab.

„Von wilden Müllablagerungen sind besonders Parkplätze, Straßenränder, Waldgebiete sowie die Standorte der Abfallcontainer im Stadtgebiet betroffen“, schildert Clemens Kuhn vom Arbeitskreis. Ein Umstand, der den Ehrenamtlichen seit Jahren missfällt. Bisher konnten sie lediglich reagieren, den Müll wegwerfen oder die Stadt auf die illegale Entsorgung aufmerksam machen. Die Beseitigung kostet die Kommune Geld. „Die Müllentsorgung durch den Bauhof, mit Müllgebühren, Fahrzeug und Personal, kostet rund 50 000 Euro im Jahr“, hat Uwe Lehar, Pressesprecher der Stadt Welzheim, nachgerechnet. Kein Wunder, dass die Verwaltung die Pläne des Arbeitskreises Saubere Stadt unterstützt und sich in Absprache mit den Ehrenamtlichen um eine Kooperation mit einem Drohnenhersteller bemüht hat. Mit Erfolg.

Wie die Stadtverwaltung nun mitteilt, hat sich ein Anbieter bereiterklärt, testweise eine sogenannte „Mülldrohne“ im Welzheimer Wald fliegen und fahnden zu lassen.

„Eine neu entwickelte Drohne, die speziell mit einer entsprechenden Software ausgestattet ist und die die Müllsünder genau registrieren und auch die Identität der Person aufzeichnen kann, soll testweise im Welzheimer Wald eingesetzt werden“, erklärt Clemens Kuhn. „Die erfassten Daten stehen dem Ordnungsamt sofort zur Verfügung. Somit können die Müllsünder schnell ermittelt werden.“

Logistik-Drohnen werden mit Kamera und Software ausgestattet

Die Hersteller-Firma „Drohnair“ stattet herkömmliche Flugdrohnen, wie sie auch zur Auslieferung von Paketen Verwendung finden, mit Kameras und Software aus. Diese Logistikdrohnen, unbemannte Luftfahrzeuge, die zum Transport von Waren eingesetzt werden, können per Fernbedienung gesteuert werden. Eine Videokamera zeichnet auf, was sich unterhalb der Drohne abspielt. Da die Täter meist mit dem Auto kommen, kann beispielsweise die Kamera an Bord der Drohnen Aufnahmen vom Kfz-Kennzeichnen machen. Per Software werden diese Daten an das Ordnungsamt, in diesem Fall das der Stadt Welzheim, übertragen. So kann der Halter des Fahrzeugs ermittelt werden. „Auffallend sind vor allem auch die Standorte der Müllcontainer im Starenweg und an der Hundsbergerstraße, die Woche für Woche aufs Neue vermüllt werden“, beschwert sich Kuhn. Das könnten Haupteinsatzgebiete für die Drohnen werden.

Bei größeren Verstößen, wie beispielsweise vor eineinhalb Jahren am Rastplatz am Bahnweg Tannwald gegenüber dem Biergarten, wo eine ausrangierte Mülltonne, ein Aquarium, Teppiche, Matratzen und Papiermüll abgelagert wurden, kann auch per Software der Vollzugsangestellte der Stadt informiert werden, der den Müllsünder bestenfalls auf frischer Tat ertappt. Klappt dies nicht, ermittelt das Ordnungsamt im Nachgang.

Vorfälle wie im Tannwald werden angezeigt, sagt Uwe Lehar. Vor Ort wird nach Spuren gesucht, die Aufschluss über den Täter geben können. Mitarbeiter machen ein Foto für eine Anzeige. „Die Müllsünder sind raffiniert“, weiß Pressesprecher Lehar. 2014 wurde der Deckel der Mülltonne vorher abmontiert. Der Besitzer konnte 2014 demnach nicht ermittelt werden, denn Namen und Adressen wurden im Papiermüll nicht gefunden, was bisher den Fahndungserfolg unmöglich machte. Mithilfe des Kfz-Kennzeichens, das die Drohne erfasst, könnte dies nun bald anders aussehen. Alternativ dazu kann die Drohne die Verfolgung des Täters aufnehmen und so bestenfalls den Wohnort ermitteln. „Der Stadt Welzheim ergeben sich so Möglichkeiten, einen Teil der Ausgaben durch Strafzahlungen zurückzuerhalten“, freut sich Uwe Lehar. Liegt der Müll nicht auf Stadtgebiet, beseitigt ihn die Abfallwirtschaftsgesellschaft des Rems-Murr-Kreises (AWG).

Der Anbieter Drohnair stellt die Mülldrohne der Stadt und dem Arbeitskreis nun versuchsweise ein Jahr zur Verfügung – kostenlos, da sich die Firma Erkenntnisse über Flugverhalten und mögliche Funktionsstörungen ihrer Drohnen erhofft. Vertreter der Firma werden in Absprache mit Arbeitskreis und Stadt regelmäßig die umgerüsteten Flugdrohnen einsetzen, um den Müllsündern auf die Schliche zu kommen. „Wir versprechen uns vor allem auch eine gewisse Abschreckung“, sagt Uwe Lehar. Spreche sich herum, dass die Stadt neue Wege bei der Fahndung geht, halte das womöglich Müllsünder von ihrer Untat ab. Rechtliche Unklarheiten habe man im Vorfeld klären können.

Fluggenehmigung für den Welzheimer Wald erteilt

Clemens Kuhn ist optimistisch, dass die Drohne ein Erfolg sein wird. „Schon lange wurde in Fachkreisen über einen Einsatz solcher Drohnen diskutiert. Jetzt, da die Software vervollständigt ist, kann sie flächendeckend eingesetzt werden“, wie ihm ein Vertreter von Drohnair berichtet habe.

Der Welzheimer Wald komme deshalb als Erprobungsgebiet infrage, da hier die Drohne punktuell zum Einsatz kommen kann. „In Großstädten wie Stuttgart sind die Auflagen des Datenschutzes zu hoch“, erklärt Uwe Lehar von der Stadt. Im Welzheimer Wald, vor allem an den Container-Standorten und den Waldparkplätzen, kann die Drohne fliegen, da dort, anders als etwa in der belebten Stuttgarter Innenstadt, Aufnahmen mit der Drohne erlaubt sind. Auf Privatgrundstücken wären Aufnahmen untersagt, da hier die Achtung der Persönlichkeitsrechte tangiert wäre.

Beispielsweise für die Wanderparkplätze kann die Stadt bei Landkreis und/oder Land eine Ausnahmegenehmigung erhalten, was bereits gemacht wurde. Da die Aufnahmen nicht gewerblich genutzt oder an Dritte verkauft werden und die Drohne weniger als 25 Kilogramm wiegt, ist der Fahndungseinsatz rechtens.

Clemens Kuhn räumt ein, dass man sich aber noch in einer rechtlichen Grauzone befinde. Drohnair habe aber zugesichert, die Vorschriften würden eingehalten. Die Stadt Welzheim hat keine Einwände gegen den Einsatz. „Aus unserer Sicht ist gegen die Nutzung der Mülldrohne im Welzheimer Wald nichts einzuwenden. Wir freuen uns, dass der Arbeitskreis hier aktiv geworden ist. Wir unterstützen das Pilotprojekt“, macht Uwe Lehar deutlich.

Ärger über „Müllmeilen“ in Welzheim

Das wird auch Leserin Helga Effenberger freuen. „Ob Schulumgebung, rund um Sportanlagen, im Gewerbegebiet, überall liegt Klein- und Kleinstmüll. In den Straßengräben rechts und links der Kreisstraßen ebenso. So oft man auch einsammelt, schon am nächsten Tag liegt wieder etwas da. Die Kreisputzete ist auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, ärgert sie sich. Schlimm sehe es im Gebüsch neben dem seitlichen Friedhofseingang aus. Sie spricht von „Welzheimer Müllmeilen“: Industriestraße, Wilhelmstraße und Kirchplatz. Sie hatte sich gefragt, was die Müllbeseitigung die Stadt jährlich kostet. In Zukunft könnte die Stadt einen Teil dieser Ausgaben von den Verursachern einfordern.

Vorführung

Am Freitag, 1. April, erfolgen um 10 Uhr auf der Heide beim Segelfluggelände eine Vorstellung und eine kurze Vorführung des Gerätes. Vertreter von Drohnair werden einen Prototyp der Mülldrohne fliegen lassen und Auskunft geben.

Dazu lädt die Stadt Welzheim zusammen mit dem Arbeitskreis Saubere Stadt alle interessierten Bürger und Bürgerinnen ein.