Welzheim

Einer für alle, einer für Festivals: Was ein altes Feuerwehrfahrzeug und einen Welzheimer Freundeskreis verbindet

Festival Camper
Jan-Dirk Pelster zeigt den Festivalbus seines Freundeskreises. Das alte Gefährt war einst als Feuerwehrfahrzeug in Oberösterreich im Einsatz. © Gabriel Habermann

„Nächstes Jahr geht es wieder los“, da ist Jan-Dirk Pelster zuversichtlich. Und freut sich: Denn dann würden die Eintrittskarten fürs Southside-Festival noch zählen. Eigentlich wollten er und der Freundeskreis das Musikspektakel in Neuhausen ob Eck, das liegt bei Tuttlingen, bereits im vergangenen Jahr besuchen. Aber die Corona-Pandemie hat das verhindert. Auch für dieses Jahr ist das Festival verschoben. Doch mit dem Fortschreiten der Impfungen und sinkenden Infektionszahlen werden auch Konzerte und große Events im Musikbereich hoffentlich bald wieder möglich sein.

Ehemaliges Feuerwehrfahrzeug begleitet die Freunde seit Jahren

Jan-Dirk Pelster, die Welzheimer kennen ihn vom Kiosk an der Schorndorfer Straße gegenüber dem Stadtpark, und sein Freundeskreis jedenfalls stehen bereit. Und ihr Gefährte: Ein ehemaliges Feuerwehrfahrzeug begleitet die Welzheimer Freunde seit vielen Jahren. Das betagte Gefährt steht an der Johannes-von-Hieber-Straße vor einem Gebäude des Handwerksbetriebs von Friedrich Mayle, der zum unternehmungslustigen Freundeskreis gehört. Rund zehn Mitglieder, alles Welzheimer und Jugendfreunde, zählen zur Runde dazu. Sie sind inzwischen miteinander älter geworden, schmunzelt Jan-Dirk Pelster, der mit Mitte 40 der Jüngste ist. Die ganze große Gruppe kommt nicht so häufig zusammen, öfter trifft man sich untereinander, die Pandemie machte auch das jüngst unmöglich.

In Wacken, bei einem der größten Heavy-Metal-Festivals der Welt

Doch gute Erinnerungen sind ja auch etwas. Seit nicht ganz zehn Jahren nämlich sind viele der Freunde gemeinsam auf Festivals gefahren, einmal im Jahr. Da ging’s aufs „Hellfest“ ins Département Loire-Atlantique nach Frankreich, wo viel Hardrock und Heavy Metal gespielt wird.

Oder aufs „Bang your Head“-Festival nach Balingen, ein Metal-Festival im Zollernalbkreis. Oder ins legendäre Wacken, eine kleine Gemeinde in Schleswig-Holstein, in der alljährlich im August eines der größten Heavy-Metal-Festivals der Welt stattfindet. „Einige von uns mögen die Musik sehr“, sagt Jan-Dirk Pelster. „Bei mir ist das ein Volltreffer.“

Vier Schlafgelegenheiten im Bus, der Rest nächtigt in Zelten

Das Wacken-Open-Air war denn auch das letzte Festival, auf das die Freunde vor der Corona-Pandemie gefahren sind. Geschlafen wurde auf dem Zeltplatzgelände. Sechs Leute können im einstigen Feuerwehrfahrzeug mitfahren, vier Schlafgelegenheiten bietet es, der Rest nächtigt in Zelten.

Terminstress ob der Bands machen sich die Freunde auf Festivals nicht. Manches Konzert wird verpasst, um sich miteinander zu unterhalten, drei, vier Stunden beieinanderzusitzen, „das Zusammensein mit den Freunden ist das Wichtige“.

Ochsen am Spieß und Muschelessen auf Festival in Frankreich

Besonders gut gefällt Jan-Dirk Pelster das Hellfest in Frankreich. „Sie geben sich sehr, sehr viel Mühle, dort eine tolle Atmosphäre zu schaffen“, lobt er die Veranstalter und schwärmt von Ochsen am Spieß im Freien oder davon, Muscheln auf dem Festival zu essen. „Das ist was Feines.“

Wenn es mit Karten nicht mehr klappt, "gehen wir halt woanders hin"

So geht es in gewöhnlichen Zeiten einmal im Jahr zu einem Event, „wo man einen Platz bekommt und einer sich früh genug gekümmert hat“, sagt Pelster lächelnd. Wobei das Ziel nicht mit Musik aus dem Hardrock- und Heavy-Metal-Bereich zu tun haben und auch nicht weit entfernt sein muss. In kleinerer Gruppe hat es die Freunde zum Beispiel auch schon zu schottischen Hochlandspielen nach Sachsen gezogen. Die Ziele sind nicht auf bestimmte Festivals oder Veranstaltungen festgelegt. Wenn es etwa mit den Karten nicht mehr klappt, „gehen wir halt woanders hin“.

Übernachten in Kombi oder Kofferraum: „Der Komfort fehlt halt“

Immer dabei: der einstige Feuerwehrkleinbus. Sein Kauf geht auf vier der Freunde zurück, die für den Freundeskreis ein solches oder ähnliches Gefährt, eventuell auch ein Wohnmobil, als Fahrzeug für Festivals haben wollten. Bevor es angeschafft wurde, waren die Freunde mit Autos unterwegs gewesen und hatten durchaus im Kombi oder Kofferraum übernachtet. Aber: „Der Komfort fehlt halt dann.“ Und bei Regen gibt es keinen gemeinsamen Platz.

Kleinlöschfahrzeug der Feuerwehr Oberösterreich entdeckt

Auf der Suche nach Abhilfe stießen die Freunde vor rund zehn Jahren im Internet auf ein Kleinlöschfahrzeug. Das hatte die Feuerwehr Oberösterreich ausrangiert. Es stammt aus dem Jahr 1976 und war wohl nicht allzu oft im Einsatz, denn der Tacho zeigte verhältnismäßig wenig gefahrene Kilometer an. Für den Kaufpreis wurde zusammengelegt. Das „Spaßmobil“ wurde nach Welzheim geholt und in einem Schuppen umgebaut. Unter anderem erhielt es vier Schlafplätze und eine Sitzecke.

"Der, der als Erster aufwacht, macht Kaffee"

Seitdem können die Festivalbesucher bei Regen gemütlich drinnen sitzen und Skat spielen, und bei Bedarf kann am Bus ein Pavillon vorgebaut werden.

Marmelade und Hefezopf gehen stets mit auf Reisen

Auf den gemeinsamen Touren ist übrigens klar: „Der, der als Erster aufwacht, macht Kaffee.“ Und die Rühreier und den Grill an. Marmelade und Hefezopf gehen stets mit auf Reisen. „Es wird schon darauf Wert gelegt, dass das Essen lecker ist.“ Wie auch auf Ordnung, einen sauberen Platz und darauf, keinen Müll zu hinterlassen.

So hat der Freundeskreis für alles gesorgt und an alles gedacht, ist also alles vorbereitet für die Zeit, wenn denn die Ausflüge auf Festivals und zu Konzertevents wieder sicher planbar sind.

„Nächstes Jahr geht es wieder los“, da ist Jan-Dirk Pelster zuversichtlich. Und freut sich: Denn dann würden die Eintrittskarten fürs Southside-Festival noch zählen. Eigentlich wollten er und der Freundeskreis das Musikspektakel in Neuhausen ob Eck, das liegt bei Tuttlingen, bereits im vergangenen Jahr besuchen. Aber die Corona-Pandemie hat das verhindert. Auch für dieses Jahr ist das Festival verschoben. Doch mit dem Fortschreiten der Impfungen und sinkenden Infektionszahlen werden auch

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