Welzheim

Elektro Rössler in Welzheim: Aus nach 91 Jahren

Elektro Rössler wird 75 Jahre alt, auf dem Bild der jetztie Inhaber Rainer Hoffmann mit Ehefrau Angelika Hoffmann am 31. März 20
Ein Bild vom 31. März 2006: Rainer Hoffmann und Ehefrau Angelika Hoffmann freuen sich über das Jubiläum zum 75-jährigen Bestehen von Elektro Rössler. © stuetz

Mitarbeiterinnen gingen in den Ruhestand, durch Corona war der Laden im letzten Jahr neun Monate geschlossen, „ohne den so gepriesenen finanziellen Ausgleich“, wie es Geschäftsinhaber Rainer Hoffmann (65) formuliert. Nach einem Räumungsverkauf ist das Ladengeschäft Elektro Rössler nach mehr als 90 Jahren Ende Januar 2022 endgültig geschlossen. Der Installationsbetrieb wird aber weitergeführt. Dafür hat Rainer Hoffmann bereits einen Nachfolger gefunden. Nach Beendigung des Abverkaufs hat Rainer Hoffmann nun Zeit gefunden, unsere Fragen zu beantworten, und er spart dabei nicht mit Kritik an der Stadtpolitik und an der Bundesregierung.

Herr Hoffmann, nach mehr als 90 Jahren Elektro Rössler in Welzheim haben Sie sich als Firmeninhaber entschieden, Ihr Ladengeschäft in zentraler Lage in Welzheim zu schließen. Was sind die Gründe dafür?

Zentrale Lage sind wir schon lange nicht mehr. Die zentrale Lage hat man uns bereits vor vielen Jahren genommen, indem man den Parkplatz am Gottlob-Bauknecht-Platz in einen völlig sinnlosen freien Platz mit Brunnen und Kinderwippe umgebaut hat, der über die Wintermonate überhaupt nicht und über die Sommermonate mehr lädiert und verschmutzt als sinnvoll genutzt wird. Wir haben bis zu diesem Zeitpunkt sehr viele Waren in die weitere Umgebung verkauft. Besucher, die am Wochenende aus dem Remstal, dem Murrhardter Wald, dem Limpurger Land und dem Schurwald angereist waren und parken konnten, haben wir fast alle verloren. Wir haben bis dahin fast jede Woche Leuchten und Geräte in diese Gegenden verkauft und montiert. Der Parkplatz hinter der Volksbank, den man im Zuge der Auflösung des Platzes angelegt hat, ist ein Dreckplatz! Und eine Schande für die Stadt. So etwas finde ich weder in Murrhardt, Gaildorf, Schorndorf, Backnang oder sonst wo. Wir schreiben schon seit Jahren mit dem Ladengeschäft bestenfalls eine schwarze Null. Ich habe es nur wegen der vielen älteren Kunden, die wir haben, und die nicht in der Lage sind, im Internet zu kaufen, weiter betrieben, doch mittlerweile bin ich auch 65 Jahre alt, und es ist völlig unmöglich, mit diesen Umsatzzahlen das Ladengeschäft an einen Nachfolger weiterzugeben. Das Installationsgeschäft läuft weiterhin zu meiner Zufriedenheit, ich werde es noch eine Zeit lang weiterführen, einen Nachfolger dafür gibt es bereits.

Wenn Sie auf die Firmengeschichte blicken: Was waren die Höhepunkte, was waren große Schwierigkeiten?

Von Höhepunkten oder Schwierigkeiten kann ich im Installationsbetrieb nicht reden, es läuft nach wie vor zu meiner Zufriedenheit. Wenn ich mir überlege, dass Gaildorf, mit circa der Größe Welzheims, noch drei Elektrogeschäfte mit Ladenbetrieb hat, zwei davon in meiner Größe, und ein drittes auf drei Etagen, könnte ich mir vorstellen, dass Sie diese Frage eher an die Stadtverwaltung richten sollten. Schwäbisch Hall mit seinen Elektromärkten ist eigentlich auch nicht weiter von Gaildorf entfernt als Welzheim von Schorndorf. Den Gedanken, dass ich so verpeilt sein könnte und dass es an mir läge, habe ich des Öfteren geistig durchgespielt und ausgeschlossen.

Die Werkstatt bleibt ja weiterhin geöffnet: Welche Leistungen bieten Sie an, und wie viele Mitarbeiter bleiben beschäftigt? Gibt es Entlassungen, und wenn ja, wie viele?

Ja, die Installation wird weiter bestehen, einen Nachfolger gibt es bereits. Die beiden Frauen, die ich im Laden beschäftigt hatte, treten oder traten mit der Kündigung ihre Rente an, auch das war ein Grund für mich, den Laden so lange noch zu halten. Weitere Kündigungen gab und gibt es nicht.

Wie sehen Sie die Zukunft der Welzheimer Innenstadt, nachdem offenbar immer mehr Läden um ihr Überleben kämpfen? Was müssten die Stadt und die Geschäftsinhaber tun, um diese Entwicklung zu bremsen oder gar umzukehren?

Was haben Sie nach sechzehn Jahren Merkel-Sozialismus erwartet? Gleichschaltung bis in die Gemeinden. Die Städte haben keine Visionäre mehr, die auch einmal auf die Hinterbeine stehen, alles linientreue Mitläufer, was soll sich da noch ändern? Die Geschäftsinhaber können nur noch mehr für weniger Geld arbeiten, so lange, bis man ihnen den Kragen ganz zudreht.

Der Wandel der Innenstädte hat nicht nur - aber auch - mit Corona zu tun, sondern mit dem zunehmenden Online-Handel. Wie hat sich diese Entwicklung in Ihrer Branche gezeigt und wie sieht aus Ihrer Sicht die Zukunft aus?

Ich habe meinen Laden letztes Jahr neun Monate ohne den so gepriesenen finanziellen Ausgleich geschlossen gehabt. Zu diesem völlig evidenzbefreiten Thema kann ich Ihnen nur sagen, dass ich die Welzheimer Zeitung zwar noch abonniert habe, sie aber nicht mehr lese. In den Redaktionen sitzen dieselben Jasager wie in den Gemeindeverwaltungen.

Mitarbeiterinnen gingen in den Ruhestand, durch Corona war der Laden im letzten Jahr neun Monate geschlossen, „ohne den so gepriesenen finanziellen Ausgleich“, wie es Geschäftsinhaber Rainer Hoffmann (65) formuliert. Nach einem Räumungsverkauf ist das Ladengeschäft Elektro Rössler nach mehr als 90 Jahren Ende Januar 2022 endgültig geschlossen. Der Installationsbetrieb wird aber weitergeführt. Dafür hat Rainer Hoffmann bereits einen Nachfolger gefunden. Nach Beendigung des Abverkaufs hat

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