Welzheim

Erziehermangel: So ist die Lage in den städtischen Kindergärten in Welzheim

Kita Stöhrerweg
Und wo ist der Erzieher oder die Erzieherin? Der Fachkräftemangel in Kindertageseinrichtungen wird auch in Zukunft beschäftigen. Symbolbild: Palmizi © ALEXANDRA PALMIZI

In den Kindertagesstätten in Baden-Württemberg fehlen etwa 27 000 Fachkräfte. Das hat eine Befragung der Gewerkschaft Verdi in Kooperation mit der Hochschule Fulda in bundesdeutschen Kindertagesstätten ergeben. Der Fachkräftemangel in den Kitas gibt auch in Zukunft Anlass zur Sorge. Darauf weisen zum Beispiel die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg sowie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hin.

Bis auf eine pädagogische Stelle, die gerade ausgeschrieben ist, alle besetzt

Wie ist die Situation in den städtischen Kindergärten in Welzheim? Nicht so dramatisch, wie die Nachrichten zu dem Thema mitunter vermuten lassen. Doch auch die Stadtverwaltung spürt den Fachkräftemangel, weiß Nicole Marquardt-Lindauer, Leiterin des Haupt- und Personalamts.

Von gravierenden Anzeichen eines Mangels berichtet sie nicht. „Wir haben bis auf eine pädagogische Stelle, die gerade ausgeschrieben ist, alle besetzt.“ Bei den Integrationskräften, die allerdings nicht zum Stammpersonal gehörten, sei die Situation manchmal schwieriger. Hier geht es um Kinder mit Inklusionsbedarf, die entsprechend Unterstützung brauchen. „Bislang haben wir immer Integrationskräfte gefunden. Aber das dauert halt, bis es auch passt“, so Marquardt-Lindauer.

„Manchmal müssen wir auch Stellen mehrfach ausschreiben“

Liegen die städtischen Welzheimer Kindergärten also außerhalb des landesweiten Trends? Nein. Es handelt es sich um eine Momentaufnahme. „Es ist schon schwieriger, Personal zu finden. Manchmal müssen wir auch Stellen mehrfach ausschreiben, bis gutes Personal gefunden wird.“ Alles in allem stellt die Amtsleiterin fest: „Wir haben eine gute personelle Ausstattung. Das kann ich auch im Vergleich sagen.“

In Ausnahmefällen Einschränkungen möglich

Reduzierte Öffnungszeiten wegen des Erziehermangels, wie sie in der Region Stuttgart vorkommen, gibt es in den städtischen Kindertageseinrichtungen nicht. Allerdings kann es in Ausnahmefällen Einschränkungen geben wie etwa unlängst im Kinderhaus, als zehn von 30 Mitarbeiterinnen gleichzeitig krank waren. „Es kann schon auch zu solchen Situationen kommen, wo nicht mehr alles so läuft, wie es sollte“, sagt Marquardt-Lindauer zum Mindestpersonalschlüssel bei vielen gleichzeitigen Krankheitsfällen.

Das Kinderhaus ist an sich gut ausgestattet. Es gibt 1,8 Fachkräfte mehr, als der Personalschlüssel verlangt, und das, seit die Einrichtung in Betrieb ging.

Mitarbeiterinnen machen teilweise auch Doppelschichten

Ein Corona-Fall und die Quarantänen, wenn also fünf, sechs Mitarbeiter auf einmal ausfallen, könnten ebenfalls zu Einschränkungen der Öffnungszeiten führen. Im Normalfall würden die Erzieherinnen sechs bis sieben Stunden am Kind arbeiten und hätten zudem eine Vorbereitungszeit. Die Mitarbeiterinnen würden aber teilweise auch Doppelschichten machen, wofür man sehr dankbar sei. Das sei anstrengend für sie, man versuche, es zu vermeiden.

Für Ganztagseinrichtungen Stellen schlechter zu besetzen

Es sei zudem nicht einfach, schnell Personal zu bekommen. Vakanzzeiten versucht die Stadt mit Vertretungskräften aufzufangen. Man habe noch ein bisschen Glück, dass man nicht unten im Remstal sei, meint Nicole Marquardt-Lindauer. Erzieherinnen seien dort schwieriger zu finden. Dort gibt es mehr Ganztagseinrichtungen. Für diese seien Stellen per se schlechter zu besetzen, da sie als unattraktiver wahrgenommen würden, so die Amtsleiterin.

Bei einer Einrichtung mit verlängerten Öffnungszeiten hingegen sei die Erzieherin von 7 bis 13.30 Uhr im Kindergarten und habe danach Vorbereitungszeit, die auch im Home-Office erledigt werden könne. „Das ist wie ein erweiterter Halbtagsjob“ - mit geregelteren Arbeitszeiten.

In der Ganztagsbetreuung werde in Schichten gearbeitet, man müsse mitunter einspringen, habe Einschränkungen im Privatleben und bisweilen auch die Vorbereitungszeit nicht in dem Maße. Zwar gebe es mehr Erzieherinnen pro Gruppe durch einen anderen Personalschlüssel, aber die Kinder seien viel länger in der Einrichtung. Dadurch hätten die Erzieherinnen eine intensivere Beziehung zu den Eltern und mehr Abstimmungsbedarf. Dafür böte eine Ganztagseinrichtung mehr Möglichkeiten für spezielle Angebote, vergleicht Marquardt-Lindauer.

Stellenanzeigen auch im Hohenloher Raum und im Ostalbkreis

Wie gelingt es der Stadt, neue Erzieherinnen zu finden? Sie schaltet Stellenanzeigen, auch im Hohenloher Raum und im Ostalbkreis für jene, die im Grenzbereich zum Rems-Murr-Kreis wohnen. Durch persönliche Empfehlungen und Integrationskräfte mit entsprechender Ausbildung, die für Erzieheraufgaben gewonnen wurden, sowie Weiterbildung im Job gelang es auch schon, Fachkräfte zu finden. „Man kann nur damit werben, dass man eine gute Atmosphäre hat in den Kindergärten, dass man sich um die Mitarbeiter bemüht“, nennt Marquardt-Lindauer Beispiele. Seit neuestem hat die Stadt eine Kindergartenfachberatung, die auch pädagogisch unterstützen kann. Für Fortbildungen gebe es einen guten Etat.

Erziehermangel hat sich verschärft: "Ich glaube auch nicht, dass ein Ende abzusehen ist"

Und die eigene Ausbildung des Nachwuchses? Die Stadt erfreut sich einer guten Nachfrage für Stellen von Anerkennungspraktikanten, die nach drei Jahren Schule tief in die Praxis einsteigen.

In Sachen duale Ausbildung kündigt Nicole Marquardt-Lindauer an: „Da werden wir uns jetzt in den nächsten Wochen und Monaten überlegen, da auch aufzusteigen.“

Und die Zukunft? „Der Erziehermangel hat sich im letzten Jahr verschärft. Ich glaube auch nicht, dass ein Ende abzusehen ist“, sagt Nicole Marquardt-Lindauer. Das Land hat etwa Sprachförderrichtlinien für ein Programm namens „Kolibri“, nach denen ab dem nächsten Kindergartenjahr nur noch pädagogische Fachkräfte akzeptiert werden, nennt die Amtsleiterin ein Beispiel. Und: „Bund und Land wollen die Ganztagsbetreuung an den Schulen ausbauen.“ Wofür es ebenfalls Fachkräfte braucht. Auf einem ohnehin schon engen Markt werden also weitere Akteure Personal gewinnen wollen.

In den Kindertagesstätten in Baden-Württemberg fehlen etwa 27 000 Fachkräfte. Das hat eine Befragung der Gewerkschaft Verdi in Kooperation mit der Hochschule Fulda in bundesdeutschen Kindertagesstätten ergeben. Der Fachkräftemangel in den Kitas gibt auch in Zukunft Anlass zur Sorge. Darauf weisen zum Beispiel die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg sowie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hin.

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