Welzheim

Fachhaus Munz feiert Jubiläum: Warum das Traditionsgeschäft in Welzheim fest verwurzelt ist

Munz
Die Geschäftsfrauen und Schwestern Caroline Munz-Mergner (links) und Juliane Munz vor dem Fachhaus Munz in der Wilhelmstraße. © Gabriel Habermann

Zur Eröffnung sollte es etwas Besonderes sein: Einen Kompottsatz aus Kristallglas, siebenteilig, gab es für 2,95 Mark, Milchtöpfe mit einem halben Liter Fassungsvermögen für 2,30 Mark und einen Satz Kasperfiguren, sechsteilig, für zwölf Mark. So berichtet es eine Anzeige in der Welzheimer Zeitung am 18. November 1971 zur Eröffnung des Fachhauses Munz. Und am 19. November 1971 liest man im Blatt: „Am heutigen Freitag, vormittags um 9 Uhr, eröffnet Frau Hilde Munz im Hause Wilhelmstraße 18 die in den vergangenen Monaten gebauten neuen Verkaufsräume.“

Maria Mayle begann mit dem Handel mit Haushalts- und Spielwaren

Fünfzig Jahre später gehören die alten Zeitungsseiten quasi zum Firmenarchiv. Juliane Munz und Caroline Munz-Mergner, die inzwischen die Geschäfte führen, haben sie anlässlich des Jubiläums herausgesucht.

Die Ursprünge des Geschäfts reichen indes weiter zurück als sein nun begangenes 50-jähriges Bestehen. Es war Maria Mayle, die Großmutter von Juliane Munz und Caroline Munz-Mergner, die mit dem Handel mit Haushalts- und Spielwaren begann.

Sie war die Ehefrau von Friedrich Mayle aus dem gleichnamigen Flaschnereibetrieb. In der Flaschnerei nutzte Maria Mayle, man sah sie stets mit Schürze und Dutt, die Ladenräumlichkeiten mit für den Verkauf.

Die Zeiten waren bescheiden, es wurde viel und hart gearbeitet

Das Angebot in den Nachkriegsjahren war mit dem heutigen Sortiment nicht zu vergleichen. Die Nachfrage allerdings war da. „Es hat halt nichts gegeben“, weiß Juliane Munz. Die Zeiten waren bescheiden, es wurde viel und hart gearbeitet. Sonntags nach der Kirche öffnete Maria Mayle für ein, zwei Stunden den Laden, damit insbesondere die Bauersfrauen, die sonst wenig Gelegenheit hatten, einmal rauszukommen, einkaufen konnten.

Häufig saß die Kundschaft mit im Wohnzimmer der Familie, bis sich eine Möglichkeit fand, wieder heimzufahren, zum Beispiel mit dem Milchauto. Das kam durchaus auch am Heiligen Abend vor, nicht selten bis 17 Uhr.

Die Tochter von Maria und Friedrich Mayle, Hilde Munz, wuchs mit dem Geschäft auf und arbeitete nach der Schule im Laden mit. Spielwaren nahm Maria Mayle ebenfalls in ihr Sortiment auf. Auch da war von Überfluss keine Spur: „Die Mutter hat oft erzählt, vier Wochen vor Weihnachten war die Puppe weg“, erzählt Juliane Munz. Sie saß dann mit einem neuen Kleid unter dem Weihnachtsbaum.

Hilde Munz eröffnete 1971 das Haushalts- und Spielwarengeschäft

Ihre Großeltern haben das Flaschnereigeschäft dann an den Sohn übergeben. Die Tochter Hilde Munz eröffnete 1971 das Haushalts- und Spielwarengeschäft am heutigen Standort in der Wilhelmstraße. Hilde Munz war damals 36 Jahre alt, verheiratet und Mutter von zwei Mädchen. Der Ehemann hatte ein separates Geschäft mit einem Ingenieurbüro für Elektrotechnik. Das Geschäft von Hilde Munz bezog seine Räume im Erd- und Kellergeschoss eines neu erbauten Wohn- und Geschäftshauses, für das ein Vorgängerbau abgebrochen worden war. Das Sortiment war umfangreicher. Der Wohlstand der Leute war mit der Zeit größer geworden, die Nachfrage an Haushalts- und Spielwaren gewachsen.

Auch nützliche Kleinigkeiten und praktisches Zubehör im Angebot

Neben Porzellan, Glas, Besteck und Spielwaren gab es von Anfang an auch nützliche Kleinigkeiten und praktisches Zubehör: Kohlenkannen, Schürhaken und Körbe zum Holzholen etwa, es wurde ja viel mit Holz gefeuert, sowie Ringe für Hühnerfüße für die Bauersfrauen.

Das gute Geschirr wurde seinerzeit vor allem bei besonderen Anlässen benutzt. Auch Sammeltassen etwa waren eine Zeit lang überaus gefragt, „da hast du gar nicht genug bestellen können“, schmunzelt Juliane Munz. Alles in allem weiß sie von der Mutter: „Sie hat schon ihren Mann stehen müssen.“

„Es war immer schön, mit im Laden herumzuspringen“

Hilde Munz ist nun 86 Jahre alt und ist nach wie vor die Inhaberin des Geschäfts. Sie wohnt im Haus und nimmt teil am Geschehen im Laden, in dem sie bis vor rund zehn Jahren noch stets präsent gewesen ist.

Nach und nach haben ihre Töchter die Geschäfte übernommen. Sie sind im Laden mit aufgewachsen und kennen viele Kunden schon von klein auf. „Es war immer schön, mit im Laden herumzuspringen“, sagt Juliane Munz. „Du bist einfach reingewachsen.“ Ihre Berufe haben die Schwestern indes auch auswärts erlernt: Caroline Munz-Mergner hat in Ludwigsburg eine Ausbildung als Einzelhandelskauffrau absolviert, Juliane Munz eine in Stuttgart als Großhandelskauffrau. Beide sammelten Berufserfahrung, bevor sie ins Familiengeschäft zurückkehrten.

Es gab sogar zwei Lebensmittelgeschäfte in der Wilhelmstraße

Heute steht ein familiär geführtes Fachgeschäft vor anderen Herausforderungen als vor 50 Jahren. „Alles, was du gebraucht hast, hast du in kleinen Läden kaufen müssen“, denkt Juliane Munz zurück. Zwar gab es früher schon etwa den Otto-Katalog, der aber offerierte hauptsächlich Kleider. Der sonstige Bedarf wurde in kleineren Geschäften gedeckt. Es gab sogar zwei Lebensmittelgeschäfte in der Wilhelmstraße, und nicht jeder hatte ein Auto, erinnert sich die Geschäftsfrau.

„Das Internet ist eine große Konkurrenz“

Heute ist das anders. Der Wandel der Lebensgewohnheiten wirkt sich auf das Fachgeschäft aus. Kaufte man früher zu besonderen Anlässen wie der Konfirmation neues Geschirr, so geht man heute in ein Restaurant. Viele haben gar nicht den Platz, um ein großes Familienfest daheim zu feiern, nennt Juliane Munz ein Beispiel. Gab es einst mehr Selbstversorger, so werde heute zwar auch noch eingemacht, aber nicht mehr in dem Umfang. Hochzeitstische seien nicht mehr so gefragt, und, natürlich: „Das Internet ist eine große Konkurrenz.“ Überhaupt: „Das große Problem ist heutzutage, die großen Artikel kaufen die Leute woanders.“ Wo sie günstiger seien.

Geschäftsfrauen gehen mit der Zeit und betreiben einen Online-Handel für Spielwaren

So hat sich das Fachgeschäft auch auf kleinere Artikel spezialisiert. Die Beratung ist nach wie vor sehr gefragt. Und mit der Zeit gehen die Geschäftsfrauen gleichwohl und betreiben auch einen Online-Handel für Spielwaren. Im vergangenen Jahr, während der ersten Corona-Welle, erwirtschaftete er gute Umsätze. Das ließ nach, als das Geschäft wieder öffnen durfte. „Anscheinend kommen unsere Kunden lieber her“, freut sich Juliane Munz.

Und so werden die Geschäftsfrauen und Schwestern auch weiterhin für ihre Kunden da sein. „Wir haben es vor“, bekräftigt Juliane Munz.

Zur Eröffnung sollte es etwas Besonderes sein: Einen Kompottsatz aus Kristallglas, siebenteilig, gab es für 2,95 Mark, Milchtöpfe mit einem halben Liter Fassungsvermögen für 2,30 Mark und einen Satz Kasperfiguren, sechsteilig, für zwölf Mark. So berichtet es eine Anzeige in der Welzheimer Zeitung am 18. November 1971 zur Eröffnung des Fachhauses Munz. Und am 19. November 1971 liest man im Blatt: „Am heutigen Freitag, vormittags um 9 Uhr, eröffnet Frau Hilde Munz im Hause Wilhelmstraße 18 die

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