Welzheim

Frühlingserwachen im Erfahrungsfeld der Sinne

1/5
Erfahrungsfeld Welzheim Frühlingserwachen eins und alles_0
Symbolbild. © ZVW/Rainer Stütz
2/5
Erfahrungsfeld Welzheim Frühlingserwachen_1
Holzfiguren am Geländer der Brücke, die zu den Gebäuden führt. © ZVW/Rainer Stütz
3/5
Erfahrungsfeld Welzheim Frühlingserwachen_2
Insbesondere für Familien gibt es viele Möglichkeiten, neue Erfahrungen mit dem eigenen Körper zu machen. © ZVW/Rainer Stütz
4/5
Erfahrungsfeld Welzheim Frühlingserwachen_3
Freundliche Aufforderung, eine gute Stimmung zu verbreiten. © ZVW/Rainer Stütz
5/5
Erfahrungsfeld Welzheim Frühlingserwachen_4
Neugieriger Blick ins Innere der „Roten Achse“. © ZVW/Rainer Stütz

Welzheim. Rechtzeitig zum Saisonauftakt im Erfahrungsfeld der Sinne in der Laufenmühle hat der Frühling einen Besuch abgestattet. Bei lauen Temperaturen konnten die Gäste nach einem Rundgang Impulse fürs Leben mit nach Hause nehmen. Eine Familie machte es sich auf der nicht bestuhlten Terrasse des Cafés Molina am Boden mit Decke bequem, denn offenbar hatte selbst der Veranstalter nicht mit so einem warmen Wetter gerechnet.

Das Erfahrungsfeld der Sinne ist in all den Jahren seines Bestehens zu einer Erfolgsgeschichte geworden. Rund 100 000 Besucher kommen jedes Jahr an die Laufenmühle. „In den verschiedenen Bereichen des Erfahrungsfeldes konnten zahlreiche Arbeitsplätze für behinderte Menschen entstehen“, berichtet Pressefrau Daniela Doberschütz.

Im Café-Restaurant Molina unterstützen Bewohner tatkräftig das Servicepersonal, im Aktionshaus und in der Tier-Oase helfen sie bei der Betreuung der Gäste und pflegen in der Waldwerkstatt und im Gartenbau die Außenanlagen und ergänzen diese durch attraktive Stationen. Auch in der Kaffeerösterei el molinillo lassen betreute Menschen die Gäste das schonende, handwerkliche Rösten hochwertiger Bio-Arabica-Bohnen erleben und verraten Wissenswertes zu geschmacklichen Feinheiten der veredelten Bio-Kaffees. Eine weitere Kaffeerösterei befindet sich im Stadtzentrum in Welzheim in der Pfarrstraße, wo betreute Menschen eine Außenwohnanlage bezogen haben.

Für das Vorhaben musste ein Kredit von rund zwei Millionen Euro aufgenommen werden. Ein erster Bauabschnitt wurde 2006 und Anfang 2007 realisiert, so dass das Erfahrungsfeld am 6. Juli 2007 eröffnet werden konnte. Seither sind sowohl das bespielte Gelände als auch das Spektrum der Angebote jährlich erweitert worden. Insbesondere durch eine Kooperation mit der Edith-Maryon-Schule für Bildhauerei in Freiburg sind seit Eröffnung zahlreiche Stationen hinzugekommen.

In diesem Jahr wollen die kreativen Köpfe des Erfahrungsfelds das Jahresthema „Entwicklung“ wortwörtlich nehmen und dadurch neue Impulse setzen.

Im Eingangsbereich die Bremer Stadtmusikanten

Zwischen Aktionsplatz und Dunkel-Gang, Tier-Oase und Wunderweg können Gäste unterwegs sein und ausprobieren, wonach ihnen der Sinn steht. Wie wäre es mit einem Besuch bei den Bremer Stadtmusikanten – gleich am Eingang des Erfahrungsfeldes? „Für einen Besuch im Eins und Alles – gleich ob auf eigene Faust oder vorab gebucht, gilt immer: Das Wichtigste ist, dass wir nicht aufhören, uns zu wundern“, meint Daniela Doberschütz.

Für alle großen und kleinen Entdecker wird an Sonn-, Feier- und Ferientagen in der Hochsaison ein buntes Aktionsprogramm geboten, das spontan und ohne zusätzlichen Beitrag besucht werden kann: Meist sind das mindestens drei offene Programme. Die aktuellen Angebote und Zeiten stehen vor Ort an der großen Tafel am Aktionshaus. „Wer es lieber etwas ruhiger und etwas günstiger mag, kommt unter der Woche“, empfiehlt die Pressesprecherin.

Ein besonderer Höhepunkt ist der völlig neu konzipierte Dunkelgang, der zu bestimmten Zeiten und mit Begleitung geöffnet ist: „Hier wird jede Minute zum Abenteuer!“

Sinnesfähigkeiten im Dunkelgang bewusstmachen

Die Besucher müssen sich einfach „blind“ auf ihre Sinne verlassen. Über Unebenheiten und kleine Hindernisse tasten sie sich an der Wand entlang voran und entdecken eine Menge Überraschungen – auch über ihre eigenen Sinnesfähigkeiten. Mit jedem Schritt wird den Gästen bewusster – die Hauptperson der erzählten Geschichte sind sie selbst! Dabei verzichten die Erfahrungsfeld-Macher bei Gruppenangeboten bewusst auf den Begriff Führung.

„Wir möchten Raum für Erfahrungen ermöglichen“, beschreibt Philipp Einhäuser, Leiter des Erfahrungsfeldes, deren Intention, „dabei bleiben unsere Erlebnispädagogen stets im Hintergrund, begleiten mit dezenten Denkanstößen und führen an besondere Orte. Denn wirklich auskosten können Erfahrungsfeld-Gäste ihre Wahrnehmungen nur in eigener Aktivität.“

Die Laufenmühle ist auch ein idealer Ort für Geburtstagsausflüge. Mittlerweile müssen ja die Eltern etwas Besonderes bieten, damit die jungen Gäste begeistert sind. Zu vielen Aktionsangeboten anderer Veranstalter bietet das Erfahrungsfeld 13 verschiedene, individuelle Programme für Kindergeburtstage wie Bogenbau oder Besuch der Werkstatt für Naturparfüm. Auch wird es wieder zu Beginn der Sommerferien ein Wildnis-Camp geben, das zusammen mit der „Wildnis-Wissen“ und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald angeboten wird. Auch das Café-Restaurant Molina und die hauseigene Bio-Kaffeerösterei auf dem Gelände sind wieder geöffnet.

Wildnis-Camp und Aromatag im Erfahrungsfeld

Hier sind einige Termine zum Vormerken: Wildnis-Camp vom 29. Juli bis 2. August und vom 5. bis 9. August. Sommerferien-Camp ohne Übernachtung für Kinder von sieben bis zwölf Jahren, wochenweise buchbar. Aromatag am 21. September mit verschiedene Aktionen rund um Aromen und ätherische Öle den ganzen Tag über. Das Kunst-Sinn-Festival findet vom 12. bis 13. Oktober statt. Alle Termine im Kalender unter www.eins-und-alles.de und im gedruckten Jahresprogramm. Weitere Informationen gibt es unter Telefon 0 71 82/80 07-77 oder E-Mail: erfahrungsfeld@laufenmuehle.de.

Besondere Ästhetik

Das Erfahrungsfeld der Sinne „Eins und Alles“ ist ein anthroposophisch orientierter Freizeit- und Erlebnispark im Welzheimer Wald.

„Eins und Alles“ ist Teil der Christopherus-Lebens- und Arbeitsgemeinschaft e. V. in der Laufenmühle und wird als Werkstatt für behinderte Menschen betrieben.

Inhaltlich schließt es an die von Hugo Kükelhaus (1900–1984) entwickelte Idee eines Erfahrungsfelds zur Entfaltung der Sinne sowie die von Rudolf Steiner (1861–1925) geschaffene Sinneslehre an.

Von anderen Erfahrungsfeldern unterscheidet sich „Eins und Alles“ vor allem in zwei Aspekten.

Es wurde zum einen als Projekt zur gesellschaftlichen Teilhabe geistig behinderter Menschen initiiert. Sein Ziel ist, die betreuten Mitarbeiter so weit wie möglich selbst als Betreiber des Angebots in Erscheinung treten zu lassen und damit Berührungsängste zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen abzubauen.

Zum anderen spielt die Bildende Kunst, und hier insbesondere die Land-Art, in der Gestaltung der Installationen und des Geländes eine übergeordnete Rolle und verleiht „Eins und Alles“ eine individuelle Ästhetik.