Welzheim

Gut für Mensch und Insekt: Wie städtisches Grün die Artenvielfalt in Welzheim fördert

Satdtgärtner Wildstauden
Die Baumquartiere werden frühjahrsfit gemacht: Gerhard Rupp-Grau (von links nach rechts), Nils Kohler und Markus Höhn bei der Arbeit. © Gabriel Habermann

Ein Frühjahrsputz beim städtischen Grün, damit lässt sich vergleichen, was die Welzheimer Stadtgärtnerei derzeit tut. Wer nun an Unmengen von Stiefmütterchen denkt, die bald die Beete fluten, der irrt: Einen klassischen Frühjahrs- und Sommerflor pflanzt die Welzheimer Stadtgärtnerei, die zum Bauhof der Limesstadt gehört, nicht mehr. Und zwar schon seit dem Jahr 2015 nicht mehr. Zu zeitaufwendig, zu kostenintensiv war diese Ausgestaltung der städtischen Grünflächen geworden, berichtet Gerhard Rupp-Grau, der Leiter der Stadtgärtnerei. Und ja, räumt er ein, am Anfang hat ihm das schon etwas leidgetan.

Nach und nach naturnahe Blumenwiesen angelegt

Dann aber hat er sich „reingekniet“ in ein neues Konzept der Bepflanzung, mit der er und seine Kollegen seither die städtischen Grünflächen versehen. In den vergangenen Jahren haben Rupp-Grau und sein Team nach und nach naturnahe Blumenwiesen angelegt, erst in kleinerem Umfang, dann auch auf größeren Flächen, wie etwa im vergangenen Jahr an der Kastellstraße oder am Tannwaldknie an der Umgehungsstraße.

In die früheren klassischen Pflanzbeete zogen mehrjährige Stauden ein.

Jene naturnahen Blumenwiesen, die im vergangenen Jahr entstanden sind, hat die Stadtgärtnerei nun abgemäht, etwa am Rötelfeld-Spielplatz oder am Tannwaldknie. Dort, wie auch auf anderen dieser Flächen, etwa an der Hundsberger, der Königsberger oder der Rudersberger Straße, ist’s das Ziel, insekten- und bienenfreundliche Bedingungen zu schaffen, Wildbienen Nahrung zu bieten und die Artenvielfalt der Insekten zu fördern. In naher Zukunft sollen auf den Blumenwiesen zudem Insektenhotels entstehen, Stein- und Sandhaufen für verschiedene Arten von Wildbienen und Insekten, ergänzt Gerhard Rupp-Grau.

Geringere Artenvielfalt der Pflanzen, weniger Nahrung für Insekten

Mit solchen Maßnahmen hat sich die Stadtgärtnerei in früheren Jahren nicht befasst. Doch deren Leiter verweist auf den Zusammenhang zwischen etwa der Landwirtschaft auf intensiv bewirtschafteten Flächen und der Artenvielfalt der Pflanzen. Und die Folge: „Die Insekten finden keine Nahrung mehr.“ Hier will die Stadtgärtnerei einen Beitrag leisten. „Da wollen wir etwas entgegenwirken und das auch der Bevölkerung nahebringen.“

So eine Wildblumenwiese ist kein akkurates Pflanzbeet mit einheitlicher Optik. „Es sieht halt wild aus.“ Darf es auch. Aber, weiß Gerhard Rupp-Grau: „Nicht jeder findet das schön.“ Da müssen er und sein Team öfter mal erklären, warum das so ist.

An einen ansprechenden Anblick ist gleichwohl gedacht: „Es sieht schön aus, wenn es blüht.“

Im ersten Jahr der Ansaat fällt der Anblick nicht so üppig aus, braucht doch so eine Wildblumenwiese mitunter Jahre, bis die Pflanzen gedeihen. Gut Ding will also Weile haben, weiß Gerhard Rupp-Grau. Und so lassen sich er und seine Kollegen nicht beirren und stellen fest: Viele Welzheimer finden das Projekt auch gut.

Bienenfreundliche Stauden in Baumquartiere gepflanzt

Doch die Stadtgärtnerei widmet sich derzeit nicht nur den naturnahen Blumenwiesen. Im vergangenen Jahr wurden bienenfreundliche Stauden in Baumquartiere, also Pflanzflächen um die innerstädtischen Bäume herum, gepflanzt. Auch für dieses Vorhaben mussten die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei erst Erfahrungen sammeln: 2018 etwa haben sie es mit Blumenansaaten probiert. „Das hat so nicht funktioniert.“ Zumindest nicht in jedem Fall. Bei älteren Bäumen zogen diese Nährstoffe und Wasser ab, auch die Beschattung erwies sich als Problem. Mit jungen Bäumen klappte es besser. Wer mal genauer schauen möchte: Solche bienenfreundlichen Stauden finden sich zum Beispiel in Baumquartieren an der Schorndorfer Straße, der Pfarr-, der Wilhelmstraße, auf dem Kirchplatz oder dem Hermann-Schlotterbeck-Platz.

Persische Kaiserkrone und Krokusse: Es blüht immer etwas

Im Herbst des vergangenen Jahres haben die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei zusätzlich Blumenzwiebeln in die Baumquartiere gesetzt. Hier werden nun Granat-Zierlauch, Kugellauch, Persische Kaiserkrone oder Netzblatt-Schwertlilien erblühen, Letztere in Kornblau, dazu Zwergstammtulpen, Schneeglöckchen und Krokusse in verschiedenen Farben, „so dass immer zu verschiedenen Zeiten etwas da ist, das blüht“, erklärt Gerhard Rupp-Grau.

Doch nicht nur die Zwiebeln bieten Blütenfreude, auch die Stauden und mehrjährigen Gewächse tun das: 20 Arten hat die Stadtgärtnerei unter den Bäumen gepflanzt. Zeitlich versetzt, sollen sie von März bis November blühen.

Und das Fazit? Diese Art der Bepflanzung ist naturnaher, meint Gerhard Rupp-Grau, erfordert weniger Pflege und weniger Nachpflanzungen. Zu tun bleibt freilich dennoch genug: Unkraut muss gejätet werden, das klassische Hacken entfällt allerdings, und wenn die Stauden dicht wachsen, was noch dauern wird, sprießt das Unkraut nicht mehr so. Dafür hat der Aufwand fürs Gießen zugenommen durch die heißen Sommer. Die Arbeit geht der Stadtgärtnerei also nicht aus.

Ein Frühjahrsputz beim städtischen Grün, damit lässt sich vergleichen, was die Welzheimer Stadtgärtnerei derzeit tut. Wer nun an Unmengen von Stiefmütterchen denkt, die bald die Beete fluten, der irrt: Einen klassischen Frühjahrs- und Sommerflor pflanzt die Welzheimer Stadtgärtnerei, die zum Bauhof der Limesstadt gehört, nicht mehr. Und zwar schon seit dem Jahr 2015 nicht mehr. Zu zeitaufwendig, zu kostenintensiv war diese Ausgestaltung der städtischen Grünflächen geworden, berichtet Gerhard

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper