Welzheim

Hohe Spritpreise: Wie ein Welzheimer Tankstellenbetreiber die Situation erlebt

Tankstelle Elsser
Tankstellenbetreiber Andreas Elsser an der Zapfsäule in Welzheim. © Gabriel Habermann

Benzin im Blut hat er zwar nicht. Aber das Tankstellengeschäft kennt Andreas Elsser von Kindesbeinen an. Bereits sein Vater Carl-Otto Elsser betrieb in Welzheim eine Tankstelle, ursprünglich hatte er eine Reifenhandlung. 1968 erfolgte der erste Aufbau einer freien Tankstelle, damals am Bahnübergang gegenüber der Minigolfanlage.

„So eine Preiserhöhung wie jetzt gerade hatten wir noch nie“

Sohn Andreas half schon früh mit, klebte Briefmarken auf Rechnungen, hat alle Umweltstandards für Tankstellen im Lauf der Jahre miterlebt sowie das eine oder andere Hoch der Spritpreise. In den 1990er Jahren zum Beispiel gab es einige Steuererhöhungen auf Kraftstoffe, „mit der Wiedervereinigung hat man Geld gebraucht“, denkt Andreas Elsser zurück. Es gab Erhöhungen des Rohölpreises, an hohe Preise während des Irak-Kriegs erinnert er sich ebenfalls. Aber das Niveau der Kraftstoffpreise zurzeit ist auch dem Profi neu. „So eine Preiserhöhung wie jetzt gerade hatten wir noch nie.“

„Es hat sich etwas entspannt. Wir waren bei 2,30 Euro für Diesel“

Wobei Andreas Elsser feststellt: „Es hat sich etwas entspannt. Wir waren bei 2,30 Euro für Diesel.“ Natürlich: Die Kunden waren anfangs verärgert, haben geschimpft, manche tun es noch. Nicht auf das Tankstellenpersonal, sagt Elsser. Der Bezug zum Ukraine-Krieg ist klar. Er steht nicht immer an der Kasse, hat aber inzwischen das Gefühl: „Man hat sich darauf eingestellt.“

„Benzin tut weh, aber es muss gefahren werden“

Der langjährige Tankstellenbetreiber bemerkt eine gewisse Nervosität bei der Frage, was alles teurer wird. „Benzin tut weh, aber es muss gefahren werden.“ Auf dem Land sei Mobilität ein wichtiges Thema. „Auf dem Land sind viele Pendler“, weiß Elsser. „Da gehört das Auto einfach dazu.“ Da ginge es nicht um Freizeit. „Für die Leute ist es schon schwer.“

Nicht alle pendeln hingegen wie vor der Pandemie. Durch das Arbeiten im Home-Office wird weniger gefahren, hat Andreas Elsser bemerkt. Und grundsätzlich gab es durch die Einschränkungen zum Infektionsschutz weniger Anlässe, sich ins Auto zu setzen. „Die Literzahlen sind schon stark zurückgegangen.“ Der Shop-Bereich habe sich stabilisiert.

Denn zu einer modernen Tankstelle, wie sie Andreas Elsser an der Friedrich-Bauer-Straße betreibt, dorthin zog die Tankstelle mit der Umgehungsstraße, gehören längst nicht mehr nur die Zapfsäulen. Es gibt einen Getränkemarkt, einen Waschpark, Staubsauger und Mattenreinigung, einen Backshop mit Cafébetrieb, den zum Teil die Bäckerei Wiedmaier beliefert, man kann Zeitschriften kaufen, Lotto spielen, Süßigkeiten oder vergessene Lebensmittel holen. Ebenso Gasflaschen für Camping und Grill, auch jene mit gestiegenem Preis.

Cafébereich mit Sitzplätzen: "Gott sei Dank dürfen wir wieder aufmachen"

Über den Cafébereich mit Sitzplätzen im Inneren der Tankstelle ist Andreas Elsser froh: „Gott sei Dank dürfen wir wieder aufmachen.“ Beim Vor-Ort-Besuch zeigt sich denn auch munteres Kommen und Gehen, einige ältere Herren lesen bei einem Kaffee die Zeitung und unterhalten sich. An Sonn- und Feiertagen, wenn Waschanlage und Waschboxen geschlossen sind, treffen sich Jugendliche dort, bringen sich Gartenstühle mit und haben einen Ball dabei, schon vor der Pandemie war das so, erzählt der Tankstellenbetreiber schmunzelnd.

Kunden durften Kaffee erst 50 Meter nach der Grundstücksgrenze trinken

Sich zu treffen, das war ja in der Vergangenheit pandemiebedingt mitunter gar nicht ohne weiteres möglich. Die Einschränkungen wirkten sich auch auf den Cafébereich der Tankstelle aus. „Im letzten Winter sind die Regeln sehr streng gewesen“, erinnert sich Andreas Elsser. Das Café war gesperrt. Es gab den Kaffee zum Mitnehmen, und die Kunden durften ihn erst 50 Meter nach der Grundstücksgrenze trinken, damit es zu keinen Ansammlungen kam.

"Ich denke, dass es andere Einzelhandelsbetriebe schlechter getroffen hat"

Dennoch: Der 55-Jährige klagt nicht. „Ich denke, dass es andere Einzelhandelsbetriebe schlechter getroffen hat. Wir hatten immer offen.“ Zwar hatte auch das Tankstellenpersonal 2020 im ersten Monat der Pandemie Kurzarbeit. Doch nach einer kurzen „Schockstarre“ „hat sich schnell erwiesen, dass wir das nicht brauchen“.

Andreas Elsser, übrigens ein gelernter Bankkaufmann, beobachtet die wirtschaftlichen Entwicklungen aufmerksam und kann vergleichen: Zusätzlich zum Standort Welzheim betreibt er Tankstellen in Rudersberg, Alfdorf und Schwäbisch Gmünd. Wie beurteilt er die nähere Zukunft? Angesichts der hohen Kraftstoffpreise und der steigenden Preise auch in anderen Branchen wie etwa bei den Lebensmitteln rechnet er nicht damit, dass die verkauften Literzahlen so schnell steigen werden.

„Der Tankstellenmarkt ist in einem großen Umbruch“

Dazu kommt: „Der Tankstellenmarkt ist in einem großen Umbruch, dadurch, dass die Elektromobilität kommt.“ An der Elsser-Tankstelle in Schwäbisch Gmünd gibt es bereits eine Elektro-Ladesäule. Für die Tankstelle in Welzheim ist eine solche in Planung. Aber: „Die Investition steht in noch keinem Verhältnis zu dem, was geladen wird.“

"Das Auto wird noch nicht so schnell verschwinden"

Was sind die Kraftstoffe der Zukunft? Wird Elektromobilität die Zukunft sein oder ein Zwischenschritt? Wie wird sich Wasserstoff als Antrieb entwickeln, wie werden sich die E-Fuels als synthetische Kraftstoffe für die Tankstellen auswirken? Andreas Elsser macht sich zu diesen Themen seine Gedanken und verfolgt auch Entwicklungen wie Car-Sharing oder den Verzicht aufs Auto. Auf dem Land allerdings stelle sich die Situation anders dar als in der Stadt, gibt er zu bedenken. „Die Automobilität ist ein Stück Freiheit, Selbstbestimmung. Das Auto wird noch nicht so schnell verschwinden.“

Benzin im Blut hat er zwar nicht. Aber das Tankstellengeschäft kennt Andreas Elsser von Kindesbeinen an. Bereits sein Vater Carl-Otto Elsser betrieb in Welzheim eine Tankstelle, ursprünglich hatte er eine Reifenhandlung. 1968 erfolgte der erste Aufbau einer freien Tankstelle, damals am Bahnübergang gegenüber der Minigolfanlage.

„So eine Preiserhöhung wie jetzt gerade hatten wir noch nie“

Sohn Andreas half schon früh mit, klebte Briefmarken auf Rechnungen, hat alle

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