Welzheim

Janine Blassa aus Welzheim ist die beste Optiker-Gesellin in Baden-Württemberg

JanineBlassa
Janine Blassa an ihrem Arbeitsplatz. Hier arbeitet sie mit Leidenschaft an Brillen. © Gaby Schneider

Wenn Augenoptikermeister Michael Linde über seine Auszubildende Janine Blassa spricht, gerät er schnell ins Schwärmen. In höchsten Tönen lobt er ihr Feingefühl, ihre Freude am filigranen Arbeiten, ihren Sinn fürs Detail, ihre sympathische Art und die tollen Umgangsformen – und nicht zuletzt ihre Kraft und ihr Durchhaltevermögen bei der Ausbildung in seinem Betrieb.

Unter rund 680 Gesellen die beste praktische Leistung abgelegt

Der Welzheimer Augenoptiker hat auch allen Grund dazu, überschwänglich zu sein. Schließlich hat die 19-Jährige vor wenigen Tagen die Ergebnisse ihrer Gesellenprüfung erhalten – und dabei von rund 680 Auszubildenden in ganz Baden-Württemberg die beste Note für ihre praktische Abschlussarbeit erhalten. In diesem Zuge wurde sie von der Handwerkskammer zugleich für „Profis leisten was“ nominiert. Bei diesem Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks messen sich die jeweils jahrgangsbesten Gesellinnen und Gesellen in 130 verschiedenen Berufen.

"Das ist schon exorbitant gut", sagt ihr Chef Michael Linde

„Das ist der Hammer“, findet Michael Linde, der zugibt, selbst nicht annähernd so glänzend in seiner Ausbildung gewesen zu ein. Bei seiner Gesellenprüfung damals habe er zwar eine gute Note bekommen, derart herausgestochen sei er aber nicht. „Das ist schon exorbitant gut“, sagt der Optiker über die Leistung von Janine Blassa.

Über ihr Hobby und ein Praktikum fand sie zum Beruf

Der Weg in den Beruf erschien für die Welzheimerin logisch. „Das filigrane Arbeiten hat mir schon immer Spaß gemacht“, berichtet die 19-Jährige. Bereits als Kind habe sie Freude an Bastelarbeiten gehabt, mit Perlen und Armbändern experimentiert. Über ein Praktikum fand sie schließlich zum Optiker-Handwerk. „Mir hat das gleich sehr gefallen mit dem Praktikum, deshalb habe ich mich dafür entschieden.“ Michael Linde und sein Team waren umgekehrt von Blassa und ihren Fähigkeiten angetan. „Sie hat einen unheimlich guten Formsinn“, lobt Linde seine Mitarbeiterin. Das sei wichtig, denn „in dem Beruf muss man Feinheiten erkennen, die muss man sehen und schon kleine Fehler müssen einen stören“.

Weshalb ihre Abschlussarbeit so gut ist

Dass Janine Blassa ihr Handwerk versteht, konnte sie mit ihrer Abschlussarbeit jetzt eindrucksvoll beweisen. Da galt es im praktischen Teil, innerhalb von drei Stunden eine randlose Brille (im Fachjargon auch Bohrbrille genannt) anzufertigen. „Das ist schon eine Herausforderung“, sagt Blassa. Denn hier kommt es auf jeden Millimeter an. „Man muss ganz genau ausmessen, wo die Löcher gebohrt werden.“ Schnell wird bei einer solchen Brille etwas ansonsten schief.

Auch die Gläser müssen passgenau geschliffen und ausgemessen sowie die Bügel symmetrisch angebracht werden. Und nicht zuletzt sollen auch die Schrauben bündig zu den Gläsern sein. „Die Toleranz beträgt zwei Zehntelmillimeter“, sagt Blassa, „und die Bohrungen werden von Hand vorgenommen.“ Zum Schluss müssen die Gesellen in einem Eigenbewertungsbogen ihre Leistung noch selbst einschätzen.

Der Welzheimerin gelang es, bei ihrer praktischen Prüfung 97 von 100 möglichen Punkten zu erreichen. „Das ist megapräzise“, sagt Michael Linde, „da steckt eine sehr akkurate Arbeit dahinter.“

Auch bei den Optikern herrscht ein Fachkräftemangel

Der Optiker weiß solch motivierte und begabte Nachwuchskräfte sehr zu schätzen. Denn auch in diesem Handwerksberuf sei es nicht so leicht, geeignete Azubis zu finden. Bei Optik Linde gibt es im Moment aber sogar zwei – beide kamen über ein Praktikum in den Betrieb. Und beide hätten so einen überzeugenden Eindruck hinterlassen, dass der Betrieb ihnen einen Ausbildungsplatz gab. Normalerweise hat der Welzheimer Optiker nur eine Azubi-Stelle.

Doch wie in anderen Handwerksberufen, gibt es bei den Optikern zu wenige Fachkräfte. „Es fehlt an Gesellen und Meistern“, sagt Linde, der weiß, dass eine Ausbildung auch immer mit viel Arbeit für den Betrieb verbunden ist. Der dies aber für notwendig erachtet, um das Handwerk und den eigenen Betrieb für die Zukunft sicher zu machen. „Janine musste ich nicht mehr viel beibringen“, sagt der Inhaber des Fachgeschäfts. „Sie konnte aber immer kommen, wenn sie Fragen hatte.“

Und als Nächstes die Meister-Prüfung?

Bei den glänzenden Noten, mit denen sie die Gesellenprüfung abgeschlossen hat, sei es natürlich eine Überlegung, weiterzumachen und die Meisterprüfung abzulegen. Darüber denkt die 19-Jährige nach und das ist auch ihrem Chef bewusst.

Vorerst wird Blassa aber weiter bei Optik Linde bleiben. Dort fühle sie sich wohl – und auch ihr Chef findet es „toll, dass sie im Betrieb bleibt“. Er macht sich aber keine Illusionen: „Sie ist fachlich perfekt und hat ein wahnsinnig hohes Potenzial. Ich würde es schade finden, wenn sie es nicht nutzt.“ Junge Talente wie sie seien schließlich wichtig für den Fortbestand des Berufes.

Wenn Augenoptikermeister Michael Linde über seine Auszubildende Janine Blassa spricht, gerät er schnell ins Schwärmen. In höchsten Tönen lobt er ihr Feingefühl, ihre Freude am filigranen Arbeiten, ihren Sinn fürs Detail, ihre sympathische Art und die tollen Umgangsformen – und nicht zuletzt ihre Kraft und ihr Durchhaltevermögen bei der Ausbildung in seinem Betrieb.

Unter rund 680 Gesellen die beste praktische Leistung abgelegt

Der Welzheimer Augenoptiker hat auch allen Grund

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