Welzheim

Mähroboter töten Igel in der Nacht: Das kann man tun

Igel Symbol Symbolbild Symbolfoto
Symbolfoto. © pixabay.com/Alexas_Fotos

Nicht nur Igel sind nachts aktiv, in immer mehr Gärten sind Rasenmähroboter und Motorsensen in Betrieb. Für Kleintiere sind sie eine tödliche Gefahr. Im August beginnt in der Igelauffangstation von Elke Wengert das Igeljahr. „Sobald die ersten Igelbabys bei uns landen, fangen wir mit der Zählung an“, so die Igelexpertin. Sie warnt davor, die Geräte in der Aktivitätszeit der Kleintiere laufen zu lassen.

Seit 40 Jahren betreut sie die Igelauffangstation im Ostalbkreis 

Weh’ einem Igel, der unter die messerscharfen Schneidewerkzeuge eines Mähroboters gerät. Die niedlichen Stacheltiere werden massiv verletzt und verstümmelt, müssen leiden und verenden elendiglich. Vieles mag man sich gar nicht ausmalen: „Den Igeln fehlen die Beine oder ein Stück an der Schnauze oder seitlich am Stachelsaum, viele haben massive klaffende Wunden am Rücken“, schildert Igelexpertin Elke Wengert aus Göggingen. Es gibt nichts, das sie nicht schon gesehen hat. Seit 40 Jahren betreut sie die Igelauffangstation im Ostalbkreis. In den letzten Jahren hat sie vermehrt Igel aus dem Rems-Murr-Kreis und dem weiten Umland in ihre Obhut genommen. Sogar verletzte Tiere aus dem Fränkischen seien schon bei ihr gelandet. Igel, die es nicht schaffen, werden eingeschläfert.

Nützlinge im besten Sinne

Der Einsatz von Mährobotern nimmt zu. Sie erleichtern die Gartenarbeit. Es fange schon im Frühjahr an, sobald die Leute in ihren Stückle schaffen. „Regelmäßig bringen sie mir verstümmelte Tiere, mit wahnsinnig schlechtem Gewissen, wenn sie die Wunden sehen.“ Zum Glück seien die Menschen sehr tierlieb geworden. „Früher gab es auf dem Land landwirtschaftlichen Betrieb. Kuh, Schaf, Schwein, Ziege haben was gegolten, alles andere war unnütz“, spricht sie frei von der Leber weg. Hat ein Bauer mit der Sense einen Igel erwischt, sei es unter „Natürlicher Schwund“ gelaufen. Inzwischen wisse man um die Bedeutung der Igel für die Ökologie und Artenvielfalt. Die Tiere fressen Schnecken, sind leise und ungefährlich, Nützlinge im besten Sinne.

Sensoren in den Geräten erkennen Kleintiere nicht als Hindernis

In der Dämmerung und während der Nacht sind Igel auf Nahrungssuche, weil dann die Käfer unterwegs sind. Das Tückische: Igel fliehen nicht, wenn etwas auf sie zukommt. Statt wegzulaufen, rollen sie sich zusammen, nehmen eine  Habachtstellung ein. „Was willst du, ich hab' Stacheln“, so Elke Wengert. Damit haben Mähroboter leichtes Spiel. Denn die Sensoren in den Geräten erkennen Kleintiere nicht als Hindernis.

„Sie fahren einfach drüber.“ Von über mehr als 800 verletzten Igeln, die seit August 2021 bei ihr abgegeben wurden, seien 20 im Rems-Murr-Kreis gefunden worden. „Ich vermute, dass noch viel mehr Igel bei Gartenunfällen gestorben sind.“ Denn eine weitere Eigenschaft des Stacheltiers sei fatal: „Igel sind stille Leider, anders als Vögel und Eichhörnchen, die auf Menschen zugehen oder sich durch Jammern bemerkbar machen.“ Einem Igel könnten laut Elke Wengert alle vier Füße fehlen, sie geben keinen Mucks von sich. „Deshalb finden Menschen sie so schlecht.“

Auch Motorsense oder Mistgabel könnten zur tödlichen Gefahr werden

Jetzt im August kommen die Igelbabys zur Welt. Mit Start des Igeljahrs werde auch die Zahl ihrer Pflegefälle wieder ansteigen, befürchtet sie. Darum legt sie jedem Gartenbesitzer nahe, die technischen Hilfen in der Aktivitätszeit auszuschalten. Nicht nur sie: Auch Motorsense oder Mistgabel könnten zur tödlichen Gefahr werden und dem zusammengekugelten Igel am Rücken schlimme Verletzungen zufügen. Er baut sein Nest gerne neben Paletten in hohem Gras. Außer Igeln, die bei ihr ebenfalls überwintern, landen auch Blindschleichen und Amphibien, die vom Mähroboter oder anderen scharfen Geräten erwischt wurden, in ihrer Station. Zudem pflegt sie Eichhörnchen, Dachse, junge Füchse, sogar ein Baby-Wildschwein habe sie schon aufgepäppelt.

Seitens der Stadt lässt sich der Nachtbetrieb - Stand heute - nicht eindämmen

Um die hilfreichen Gartenhelfer vor unseren häckselnden Gartenhilfen zu schützen, appelliert die Igelexpertin, die Mähroboter nur tagsüber sausen zu lassen. Seitens der Stadt lässt sich der Nachtbetrieb – Stand heute – nicht eindämmen, sagt Uwe Lehar, Pressesprecher der Stadt Welzheim. „Aktuell unterliegen Mähroboter nicht der Geräte- und Lärmschutzverordnung, daher gibt es kein generelles Verbot für den Einsatz an Sonn- und Feiertagen und in der Nacht.“ 

Schwierigkeiten sieht Lehar bei den Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten

Zu Vorfällen in Welzheim und inwieweit Handlungsbedarf bestehe, könne er nichts sagen. „Es ist zunächst nötig, sich mit den Tierärzten oder Ehrenamtlichen im Tierschutz abzustimmen.“ Behördliche Möglichkeiten zur Umsetzung eines Mähverbots für Rasenmähroboter müssten geprüft werden. Schwierigkeiten sieht Lehar bei den Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten. „Es ist nur schwer vorstellbar, dass städtische Kräfte nachts ausrücken, um private Gärten darauf zu kontrollieren, ob ein Mähroboter unterwegs ist.“

Mehr Erfolg verspreche eine öffentliche Sensibilisierung und Aufklärung. Auf telefonische Nachfrage erhielt Lehar folgende Auskunft: „Das Land hat Städtetag und Gemeindetag angeschrieben und gebeten, unter Verweis auf ein vorliegendes Petitionsverfahren eine Aufnahme einer solchen Regelung (nächtliches Mähverbot) in die kommunalen Polizeiverordnungen zu prüfen. Nach der ersten Prüfung wird es als schwierig angesehen, es zu regeln, da es ja auch kontrolliert werden muss. Zudem sind die beiden Kommunalverbände auch in Gesprächen mit einem der führenden Hersteller solcher Geräte, um diese entsprechend weiterzuentwickeln.“

Das Thema sei auch in der Gemeinde Alfdorf noch nicht in Form eines Vorfalls angekommen. „Wenn dies eine Problemstellung würde, müsste geprüft werden, ob die Änderung der örtlichen Polizeiverordnung möglich wäre“, teilt Bürgermeister Ronald Krötz mit.

    Nicht nur Igel sind nachts aktiv, in immer mehr Gärten sind Rasenmähroboter und Motorsensen in Betrieb. Für Kleintiere sind sie eine tödliche Gefahr. Im August beginnt in der Igelauffangstation von Elke Wengert das Igeljahr. „Sobald die ersten Igelbabys bei uns landen, fangen wir mit der Zählung an“, so die Igelexpertin. Sie warnt davor, die Geräte in der Aktivitätszeit der Kleintiere laufen zu lassen.

    Seit 40 Jahren betreut sie die Igelauffangstation im Ostalbkreis 

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