Welzheim

Mühlentag im Schwäbischen Wald am Pfingstmontag (6.6.): Neun Mühlen nehmen teil

Muehlentag12
Ein prächtiger Anblick: die Meuschenmühle bei Alfdorf im Schwäbischen Wald. © Ralph Steinemann Pressefoto

Von Anfang an war der Mühlentag im Schwäbischen Wald am Pfingstmontag ein Besuchermagnet. Zwei Jahre lang wurde die Großveranstaltung durch Corona ausgebremst. In diesem Jahr gibt es einen hoffnungsvollen Neustart, der gleichzeitig mit einem Abschied verbunden ist. Dieter Frey (72) hört nach 29 Jahren als Organisator auf und übergibt die Leitung an Beate Kohler (48) von der Meuschenmühle. Zusammen mit einem Team, das derzeit gerade zusammengestellt wird, übernimmt sie die Aufgaben von Dieter Frey, der ja auch noch Vorsitzender des Historischen Vereins Welzheimer Wald ist.

Neun Mühlen nehmen an Pfingsten am Mühlentag teil

Am Pfingstmontag, 6. Juni, ist es endlich wieder so weit. Zum 27. Mal haben die Mühlen im Schwäbischen Wald geöffnet. Offizieller Start des Mühlentags ist um 11 Uhr bei der Meuschenmühle auf Markung Alfdorf. Bereits um 10 Uhr finden an der Voggenbergmühle, an der Hagmühle, der Menzlesmühle und an der Michelauer Ölmühle Gottesdienste im Grünen statt. In diesem Jahr nehmen neun Mühlen am Mühlenwanderweg im Schwäbischen Wald teil.

65 Jahre lang lebte Karl Grau in der Meuschenmühle und hat sich krumm und buckelig geschafft. Im Oktober 2012 war Grau, ein Müller von echtem Schrot und Korn, gestorben. In der Meuschenmühle hatte das Rumpeln und Rattern aufgehört. Im Lauf der Jahre war das hölzerne Wasserrad marode geworden.

Es fehlte der Prinz, um das Dornröschen Mühle wieder wachzuküssen. Er kam im Jahr 2014 in der Person von Beate Kohler, die zusammen mit ihrem Partner Stephan Heimerl das Anwesen erworben hatte. Es war Liebe auf den ersten Kuss.

Kein Handyempfang und kein Internet

Kommt der Besucher zur Meuschenmühle, landet er in einer Idylle. Die Hühner gehen auf der Verbindungsstraße spazieren und sorgen für Verkehrsberuhigung. Es gibt keinen Handyempfang und kein Internet. Das soll zwar demnächst anders werden, aber als Beate Kohler und Stephan Heimerl das Kulturdenkmal erworben haben, gab es auch schon Home-Office, zumal, wenn man seine Arbeitsstätte in Stuttgart hat. Doch das Traumdomizil sollte es sein, deshalb wurde viel Geld in eine Satelliten-Empfangsanlage investiert, um auf die Höhe der Zeit zu kommen. Doch zuerst musste das Mühlenanwesen im Eisenbachtal auf Vordermann gebracht werden. Bei dem Vorhaben der beiden Ingenieure redeten natürlich die Denkmalschützer mit. Man einigte sich auf eine einfühlsame Sanierung, für die es von verschiedenen Geldgebern dann auch Zuschüsse gab.

Um 1970 ist in der Mahlstube der Meuschenmühle zum letzten Mal Mehl gemahlen worden. Zum Mühlentag im Jahr 2016 drehte sich erstmals das neue Wasserrad, das von oben auf dem Mühlensee mit Wasser gespeist wird. Die Energie geht nicht verloren, wird aber nicht mehr zum Mahlen von Getreide verwendet. Seit sechs Jahren läuft das Wasserrad das ganze Jahr über, in dem Maße, wie Wasser zur Verfügung steht, und erzeugt Strom aus Wasserkraft. Im Schnitt immerhin 25.000 Kilowattstunden im Jahr. Das allein bringt zwar nicht die Energiewende, aber viele kleine Bausteine können einen wichtigen Beitrag dazu leisten.

Das größte Wasserrad im Schwäbischen Wald

Noch von keiner Energiekrise war die Rede, als im Jahr 1271 am Standort der Meuschenmühle erstmals eine Mühle erwähnt wurde, die dann später im Jahr 1553 als Nibelgaumühle in den Dokumenten notiert ist. Um 1700 taucht erstmals der Name Meuschenmühle auf. Das heutige Mühlengebäude ist auf das Jahr 1787 datiert, Teile davon sind älter, wie der Gewölbekeller aus dem Jahr 1730. Mit 7,87 Metern Durchmesser hat die Meuschenmühle das größte Wasserrad im Schwäbischen Wald.

„Mit ein Erfolgsgeheimnis des Mühlentages im Schwäbischen Wald ist die Vielfalt der Mühlenveteranen“, sagt Dieter Frey. Alle neun beteiligten Mühlen sind von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen finden in der Meuschen-, Menzles-, Hagmühle, Brandhöfer und Michelauer Ölmühle statt. In der Voggenbergmühle, die einzige noch produzierende Mühle am Mühlenwanderweg, wird im Rahmen der „Gläsernen Produktion“ durch den Müller die Herstellung vom Korn zum Mehl erläutert. Die Chancen, dass die Mühle noch viele Jahre weiter betrieben wird, stehen gut. Bernd Mayer, der Sohn des Müllers Gerhard Mayer, hat den Betrieb übernommen. In der Hummelgautsche wird am Mühlentag das Sägen von Brettern aus einem Baumstamm gezeigt, und zwar so, wie das auf einfache Art und Wiese früher mit Wasserkraft und Mühlrad gemacht wurde. An allen Mühlen gibt es eine Bewirtung.

Von Anfang an war der Mühlentag im Schwäbischen Wald am Pfingstmontag ein Besuchermagnet. Zwei Jahre lang wurde die Großveranstaltung durch Corona ausgebremst. In diesem Jahr gibt es einen hoffnungsvollen Neustart, der gleichzeitig mit einem Abschied verbunden ist. Dieter Frey (72) hört nach 29 Jahren als Organisator auf und übergibt die Leitung an Beate Kohler (48) von der Meuschenmühle. Zusammen mit einem Team, das derzeit gerade zusammengestellt wird, übernimmt sie die Aufgaben von Dieter

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