Welzheim

Mit der Polizei auf Streife

1/2
Polizeistreife Welzheim_0
Celina Wohlfahrth im Gespräch mit dem Leiter des Polizeipostens, Manfred Brodtmann. Links ihr Freund David Klöpfer. © Habermann / ZVW
2/2
_1
Die Tür zur Garage ist offen. Der Hausherr mit dem Auto weggefahren. © Gabriel Habermann

Welzheim. Mehr Einbrüche verhindern. Das hat sich die Polizei auf die Fahnen geschrieben. In dieser Woche sind verstärkt Polizeikräfte in den Wohngebieten unterwegs, um die Bürger darüber zu informieren, wie sie den potenziellen Einbrechern das Leben schwermachen können. Wir waren mit Manfred Brodtmann, dem Leiter des Polizeipostens, im Wasserturmgebiet auf Streife.

Es ist sehr ruhig an diesem Nachmittag. Kaum jemand auf der Straße zu sehen. Viele sind bei der Arbeit oder beim Einkaufen. Eine alte Frau recht in ihrem Garten das Laub zusammen. „Ja, ob denn der Nachbar zu Hause sei?“, fragt Brodtmann, nachdem er über den Sinn und Zweck der Polizeiaktion aufgeklärt hat. Am Nachbarhaus sind die Rollläden unten. Auch der Laie denkt, da ist niemand zu Hause. Das würde sich natürlich auch der Einbrecher denken und die geschlossenen Rollläden unter Umständen als Einladung verstehen. Der Polizeifachmann registriert: Man kennt den Nachbarn. Das ist wichtig. Schon mancher aufmerksame Bürger hat einen Einbruch dadurch verhindern können, das er rechtzeitig 110 gewählt hat, weil irgendwelche Gestalten sich an einem Haus zu schaffen machten.

Wohngebiet muss gut ausgeleuchtet sein

„Was ist passiert?“ Das ist die Standardfrage von Bürgern, wenn die Polizei in einem Wohngebiet zu sehen, und dort zu Fuß unterwegs ist. Passiert ist zum Glück dieses Mal nichts. Wichtig ist, so Brodtmann, dass ein Wohngebiet gut ausgeleuchtet ist und es keine dunklen Ecken gibt. Und wer nichts Verdächtiges sieht, hört vielleicht komische unbekannte Geräusche, ein lautes Knacken. Denn ganz ohne Geräusche kommt ein Einbrecher in der Regel nicht ins Haus, außer die Tür steht offen.

Tagsüber ist es in den Wohngebieten sehr ruhig

Oft sind unter der Woche tagsüber die Häuser menschenleer. Der Mann geht morgens zur Arbeit, die Frau, nachdem sie die Kinder in der Schule und im Kindergarten hat, ist bei ihrer Teilzeitstelle. Da sollte zum Beispiel keine Garage offen stehen, selbst wenn sie zu feucht ist. An einem Grundstück stehen beide Flügeltüren des Garagengebäudes offen. Darin jede Menge Werkzeug, ein teueres Fahrrad und ein großes Motorrad. Für einen Einbrecher ist das eine Einladung, bestätigt der Leiter des Polizeipostens.

Der Täter schnappt sich das Werkzeug und bricht damit in einem anderen Wohnhaus im Wohngebiet ein. Die Beute nimmt er mit, das Werkzeug lässt er liegen oder wirft es irgendwo in den Graben. Da lässt sich für die Polizei nicht viel ermitteln, selbst wenn sie das Werkzeug findet und der Tat zuordnen kann. Die Spuren, die zu finden sind, gehören zum Eigentümer des Werkzeugs und der hat bestimmt nicht beim Nachbarn eingebrochen.

Manfred Brodtmann geht durch die Garage, durch die Hintertür in den Garten, dann zur Hauseingangstür. Eine Klingel gibt es nicht. Auf Klopfen reagiert niemand. Das mitgebrachte Info-Material steckt Manfred Brodtmann in die Zeitungsröhre.

Polizei kann nur Ratschläge geben und niemanden zwingen

Im Haus gegenüber kommt ein junger Mann heraus. Ob er den Nachbarn kenne? Nein, er sei nicht von hier, er habe seine Freundin besucht, die wisse besser Bescheid. Celina Wohlfahrt wohnt mit ihren Eltern in dem Haus. Ja, sie kenne den Nachbarn gut, da müsse man nur kräftig gegen die Holztür klopfen. Das macht Celina gleich und schon steht die Frau des Hauses an der Tür. Die Garage ist offen, weil der Hausherr kurz mit dem Auto weggefahren sei. Da lohne es sich nicht, die Garage zu schließen. Das sieht der Postenleiter anders. Aber er kann niemanden zu seinem Glück zwingen, nur Ratschläge geben.

Celina Wohlfahrth begrüßt die Aktion der Polizei, von der sie bereits in der Zeitung gelesen hatte. Immer wieder seien Unbekannte auf dem Weg zum benachbarten Spielplatz gesehen worden, „und ich bin ohnehin ein eher ängstlicher Mensch“. Celina hat aber jemanden, der auf sie aufpasst. Papagei Jako schreit nicht nur, wenn sie nach Hause kommt, er meldet sich auch, wenn unbekannte Menschen am Haus vorbeilaufen.

Nachbarschaftliche Kontrolle hat Nachteile

In Welzheim kennt man sich, zumindest meistens. Diese nachbarschaftliche Kontrolle hat zwei Seiten. Die Aufmerksamkeit beim Nachbarn ist erhöht, wenn etwas Ungewöhnliches in der Nähe geschieht. Die andere Seite: Manche Nachbarn kommen sich ausspioniert vor und wollen ihre Ruhe haben: „Was geht Sie das an?“

Angst nach Einbruch geblieben

Ein paar Häuser weiter: Die Doppelgarage steht weit offen. Einige Hölzern wurden offensichtlich frisch lackiert und liegen zum Trocknen in der offenen Garage. In der Tür zum Nebenraum steckt ein Schlüsselbund. Einsatzleiter Brodtmann zieht den Schlüsselbund ab. Er klingelt an der Tür. Eine Frau macht auf. Brodtmann weist auf die Aktion der Polizei hin und auf die Situation, die er angetroffen hat und händigt ihr den Schlüsselbund aus. Die Welzheimerin hat leidvolle Erfahrungen mit Einbrechern. Im Jahr 1992 wurde bei der Familie eingebrochen, das Schlafzimmer durchwühlt und auch sehr persönliche Erinnerungsstücke gestohlen. Seither schläft sie nachts schlecht und träumt davon.

Das Haus wurde sicherheitstechnisch aufgerüstet mit Bewegungsmeldern und Gittern an den Kellerfenstern. Doch die Angst ist geblieben.


Gespräch mit den Bürgern suchen

Mit zusätzlichen Fußstreifen und Polizisten hoch zu Ross zeigt die Polizei in dieser Woche in Welzheim, Alfdorf und Kaisersbach Präsenz.

Anlass sind laut dem Leiter des Polizeipostens Manfred Brodtmann, steigende „Fallzahlen“. Oder anders formuliert: Es gibt entgegen dem Trend im Landkreis mehr Einbrüche und mehr Einbruchsversuche. Und weil jetzt die dunkle Jahreszeit ist, will die Polizei diese Entwicklung in die falsche Richtung bremsen oder sogar zurückführen.

Die Polizisten gehen in die Wohngebiete, sprechen mit den Bürgern und haben Info-Material dabei. Die Infos werden aber nicht als Postwurfsendung verteilt, sondern nach Bedarf, gezielt nach einem Gespräch mit einem Bürger.

Einzelne Gehöfte auf dem Land gelten laut Brodtmann als relativ sicher. Meistens ist jemand da, oder der Hofhund schlägt an. Ein Hund ist schon einmal eine gute Vorsorge. Bellt in einer Wohnung oder in einem Haus ein Hund, sucht sich der Täter in der Regel ein einfacheres Objekt.

Beliebt sind bei den Einbrechern die Ortsrandlagen. Sie kommen gern aus der Dunkelheit und sind schnell wieder im Dunkeln verschwunden über irgendwelche Feldwege. Gleichwohl kommen viele Einbrecher auch tagsüber.