Welzheim

Nackedeis im Welzheimer Wald

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Vereins-Mitglieder bei der Arbeit: Sie haben die Anlage in Eigenregie aufgebaut - hier wurde um 1977 ein Weg verbreitert und so eine Zufahrt geschaffen. © privat
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Diesmal angezogen: Kurt Schulze (Dritter von links), Mitbegründer und Erster Vorsitzender des NSB, mit weiteren Vereinsmitgliedern Anfang der 1970er Jahre beim Bepflanzen der Anlage.
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Campingplatz des Natursportbund Schwäbischer Wald e.V.
Wolfgang Kohler zeigt vom Rand des Freibads in Richtung Campingplätze. Die vereinseigene Anlage erstreckt sich über 5,5 Hektar und verfügt über zahlreiche Sportmöglichkeiten. © Jörg Fiedler

Welzheimer Wald. In der Zeit, als Wolfgang Kohler, Vorsitzender des Natursportbunds Schwäbischer Wald, mit seiner Frau Rose das Gelände des Vereins kennenlernte, war die Freikörperkultur noch etwas Besonderes. Über einen im Radio vorgestellten Reiseführer wurden die beiden auf das idyllische, heute 5,5 Hektar große Areal Schönrain bei Kirchenkirnberg aufmerksam. Nun währt ihre Treue schon 45 Jahre. Sie haben viele Etappen des Vereins miterlebt, der seit 50 Jahren besteht.

Das Gelände auf den Höhen des Schwäbischen Waldes am Rande von Kirchenkirnberg ist weitläufig. Wolfgang Kohler zeigt bei einer Führung Sommerhütte, Vereinsheim, Festwiese, Stellplätze für Wohnwagen und die Sportanlagen inklusive Freibad und Saunabereich. Mal sind ein paar Urlauber, meist aus Holland, mal Vereinsmitglieder unterwegs. Das Gras auf den leicht hügeligen Wiesen ist frisch gemäht. „Unsere Mitglieder haben im Jubiläumsjahr alles hergerichtet“, erklärt Wolfgang Kohler. Zum Jubiläumsfest waren alle Interessierten eingeladen. Die konnten natürlich in Kleidung kommen, nur umgekehrt wollte er seinen Mitgliedern nicht vorschreiben, wie sie sich am Abend einzufinden haben. „Ein Außenstehender erwartet wahrscheinlich schon fast, ein paar nackte Menschen zu sehen.“

Es ist schon eine Weile her, dass der 70-Jährige diesen Wechsel von der normalen in eine FKK-Welt selbst als ungewohnt empfunden hat - beispielsweise bei ersten Kontakten in Südfrankreich. Da er von Anfang an offen damit umging, FKKler zu sein, ist ihm auch schon des Öfteren die Vorstellung begegnet, dass es in solch einer Gemeinschaft besonders wild zugehe, dabei „sind wir hier vermutlich sogar noch braver. Dass man ohne Kleidung unterwegs ist, vergisst man irgendwann auch völlig.“

Im Verein treffen sich Menschen aus ganz unterschiedlichen Welten

Was ist das Reizvolle für ihn? Vor allem der unkomplizierte, persönliche Umgang untereinander. „Man ist gleich per Du, ich fühle mich im Verein wie in einer großen Familie und die Leute sind unglaublich hilfsbereit untereinander“, sagt Kohler. Er empfindet die Freikörperkultur als Befreiung von Konventionen und Hierarchien. Wenn Krawatte und Anzug abgelegt werden, treten auch sie in den Hintergrund. Im Verein kämen Menschen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund zusammen - vom Professor bis zum Hilfsarbeiter. „Man geht in eine andere Welt, es ist schwer, zu erklären.“ Ein Gefühl, das Kohler schon auch in der Gründerzeit beziehungsweise in den 1970er Jahren verortet. Über die Ursprünge, kulturellen Bezüge und Geschichte der Bewegung werde im Verein aber eigentlich nicht gesprochen.

Es waren sieben Frauen und Männer, die sich Ende Mai 1968 zusammentaten, um den Natursportbund Schwäbischer Wald (NSB) zu gründen. Sie lernten sich bei einem Urlaub im ehemaligen Jugoslawien kennen, von dort brachten sie die Idee mit. Persönlich und mit Zeitungsannoncen suchten und fanden sie Gleichgesinnte. Das Projekt, ein eigenes Gelände im Schwäbischen Wald aufzubauen, wurde bereits ein Jahr später in Angriff genommen. Die zunächst gepachtete grüne Wiese war zu einsehbar. „Wir wollen ein Gelände, auf dem man sich zu jeder Tageszeit aufhalten kann“, wird der damalige Vorsitzende Kurt Schulze in der NSB-Chronik zitiert. Ein Vertrag mit Vorkaufsrecht für den Schönrain (Flurname) wurde abgeschlossen, und es folgte eine erste wichtige Etappe: Der Bau eines kleinen Freibads, dessen Wanne und Materialien einige Mitglieder in Hamburg besorgten. Nach und nach gestaltete der Verein sein Areal. Richtig gekracht haben muss es um 1972. Ein interner Streit führte dazu, dass zahlreiche Mitglieder den Natursportbund Schwäbischer Wald verließen und in Alfdorf einen eigenen Verein gründeten.

Und das Verhältnis zu den Nachbarn in Kirchenkirnberg? Außer einem Ausreißer „war das zu meiner Zeit schon gut“. Wolfgang Kohler erzählt von sich entwickelnden Kontakten zwischen einem Landwirt, der das eine oder andere Produkt für die NSBler bereithielt, und vom Zugehen auf die Kirchenkirnberger. „Meine Frau und ich haben uns zum Beispiel bei der Einweihung der Gemeindehalle 1986 mit einer Tanzaufführung beteiligt.“ Später konnten sie für ihre Mitglieder in der Halle Tanzunterricht anbieten. Natürlich schwang auch immer Neugier bei den Begegnungen mit. Bei der Einkehr in einer der damals noch bestehenden Wirtschaften erkundigten sich die Einheimischen beispielsweise, wie das eigentlich im Herbst und Winter liefe. „Friert ihr da nicht?“, erinnert sich Kohler an die Frage und lacht. Also habe man erklärt, dass einem FKKler durchaus erlaubt sei, sich auch mit Kleidung zu wärmen. Als sich die Tour de Ländle ansagte, wollte Wolfgang Kohler Werbung für den NSB machen - und sich mit Plakat und Mitgliedern an der Strecke aufstellen. Die beste Position war direkt vor der Kirchenkirnberger Kirche. Also kontaktierte er das Pfarrerehepaar Alexandra Winter und Peter Stadler. Nach kurzer Beratung gaben sie dem Wunsch nach und ein späteres Treffen führte zu einem gemeinsamen Projekt: ein Gottesdienst im Grünen auf dem NSB-Gelände. „Er war richtig gut besucht, die Predigt war klasse“, sagt Kohler.

Heute hat der Verein rund 150 Mitglieder

Dass die meisten Mitglieder trotzdem nicht aus der unmittelbaren Umgebung kommen, findet er logisch. Ein Stück weit möchte man im Urlaub auch Abstand vom Alltäglichen haben. Heute zählt der NSB 150 Mitglieder mit einem Einzugsgebiet von rund 50 Kilometern. Wie bei anderen Vereinen werden die Mitstreiter älter und tendenziell weniger. Das Durchschnittsalter beim NSB liegt zurzeit bei 59 Jahren. Der Vorsitzende glaubt allerdings auch, dass sich Menschen ab dem Schwabenalter wieder leichter für ein neues Projekt öffnen - wie die Mitgliedschaft in einem FKK-Verein, insbesondere Eltern, wenn die Kinder groß sind.

Stolz ist der NSB auf die vielseitigen Sportmöglichkeiten der Anlage. „Beim Sportabzeichen sind wir prozentual kreisweit auf dem zweiten Platz.“ Neben den Leichtathletikdisziplinen gehören unter anderem Beachvolleyball, Tischtennis, Ringtennis sowie Boule zur Palette. Wer sich für den NSB interessiert und schnuppern kommt, dem räumen die Mitglieder auch eine gewisse Gewöhnung und ein Ankommen ein.

Eine Regel allerdings gibt es: „Im Schwimmbad wird nackt gebadet, da machen wir keine Ausnahme.“

Wichtige Etappen

Wichtige Etappen des Vereins Naturschutzbund Schwäbischer Wald waren:

  • Am 28. Mai 1968 gründen Kurt und Ingrid Schulze, Helmut und Anneliese Wamsler, Rolf und Karin Hinderer sowie Wolfgang Gräter den NSB.
  • Am 28. Februar 1969 wird der Pachtvertrag mit Vorkaufsrecht geschlossen. 1971 folgen der Erwerb des Vereinsheims, der Bau eines Schwimmbads sowie Bepflanzung und Gestaltung des Geländes.
  • 1978 erhält die Anlage Stromanschluss, 1979 eine Vergrößerung.
  • 1991 wird der Hausdienst (feste Betreuung vor Ort) abgeschafft, 1998 das neu gebaute Freibad eingeweiht, ein Jahr später der neue Sauna- und Sanitärbereich.