Welzheim

Neu gestalteter Geo-Erlebnispfad in Welzheim eingeweiht

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Geo-Erlebnispfad
Viele Interessierte sind zur Einweihung des neu gestalteten Pfads erschienen. © Stadt Welzheim
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Geo-Erlebnispfad
Diese Infotafel steht am Grillplatz beim Steinbruch. © Stadt Welzheim

„Kein Brot ohne Sandstein. Kein Gebet in der Kirche ohne Steinbruch...“ – so beginnt der Text der Infotafel, die am Grillplatz beim Steinbruch neben dem Wanderparkplatz Viadukt bei der Laufenmühle den Rundgang des neu gestalteten Geo-Erlebnispfads abschließt.

Allein schon diese beiden Halbsätze bringen anschaulich die veränderte pädagogische Zielsetzung zum Ausdruck, die bei der Neugestaltung des Wanderwegs zum Einsatz kommt. Der nunmehr auf 6,5 Kilometer verkürzte Rundweg überwindet 247 Höhenmeter. Mit seinen sieben Infopunkten, dem Spielplatz, der Grillstelle und von Gastronomieangeboten nur einen Katzensprung entfernt, ist der Geo-Erlebnispfad sowohl für Familien als auch für Individualisten ein attraktives Ausflugsziel.

Es sei nicht darum gegangen, „Hard-Core-Geologiewissen“ zu präsentieren, das dem an Geologie Interessierten eh schon bekannt sei, mit dem der Laie aber überhaupt nichts anfangen könne, erläuterte bei der Einweihungsfeier am Samstag der bei der Neugestaltung federführende Geologe und Naturparkführer Professor Dr. Manfred Krautter. „Damit wären Mühe und Geld an der Zielgruppe vorbei verschwendet.“

Einfluss der Geologie einer Landschaft auf das Leben der Menschen

Viel wichtiger sei es, herauszuarbeiten, welchen Einfluss die Geologie einer Landschaft auf das Leben der Menschen hatte. „Dann wird auch deutlich, warum es auf den Höhen des Schwäbischen Waldes reiche Bauern gab, deren Felder auf Lößlehmböden reiche Erträge brachten, während die bettelarmen Bewohner der engen Täler auf ihren kargen Sandsteinböden nach feuchten Sommern buchstäblich verhungerten.“

Dann verstehe man, dass es sich bei den berüchtigten Mainhardter Räubern nicht einfach nur um „böse Buben“ handelte, sondern dass sie der Kampf ums Überleben dazu trieb, die Kaufleute auszurauben, die von Schwäbisch Hall durch den Schwäbischen Wald nach Heilbronn unterwegs waren. Krautter: „Deutlich wird, welche Bedeutung der Einführung des Kartoffelanbaus um 1780 zunächst auf den Sandböden Brandenburgs durch Friedrich den Großen zukommt.“ Die Kartoffel, so der Naturparkführer weiter, gedeihe im Unterschied zum Weizen auf Sandsteinböden sehr gut und gab deren Bewohnern die Gewissheit, mit dieser Feldfrucht gut über den Winter zu kommen.

Den modernen Menschen, die aus der Zeit gefallen seien und die nicht wie ihre Vorfahren von und mit der Natur lebten, könne man in einem solchen Steinbruch vor Augen führen, dass die in ihm gebrochenen Steine einst ein wichtiger Rohstoff zur Herstellung der Mühlsteine war, mit denen in den Mühlen das Korn zu Brotmehl gemahlen wurde. „Hier erschließt sich, warum die Gewölbekeller, die einst aus Sandstein gebaut wurden, wichtiger waren, als das Haus über ihnen. Diese solide gebauten Keller ermöglichten, die Kartoffeln und das Obst zu lagern, so dass man den Winter überlebte.“

Kombination aus wissenschaftlichem Input und pädagogischem Ansatz

Der Geologische Pfad, erinnerte Bürgermeister Thomas Bernlöhr, sei bereits 1985 angelegt und 2001 runderneuert worden, damals als zwölf Kilometer langer klassischer Lehrpfad, der auf 14 Tafeln die typischen geologischen Erscheinungsformen der Landschaft des Schwäbischen Waldes aus naturwissenschaftlicher, sachlicher Basis erläuterte.

„Lästermäuler“ bezeichneten die eher niederschwellige und unterhaltsame Herangehensweise, mit der heutzutage Wissen vermittelt werde, bisweilen als „Idiotainment“. Diese Meinung teile er nicht. Vielmehr sei er bei dem alten Spruch, dass der Wurm dem Fisch schmecken müsse, und nicht dem Angler. Bernlöhr: „Übersetzt auf einen Lehrpfad heißt das, wenn die Informationen niemanden ansprechen, dann hat man etwas falsch gemacht. Infotainment schließt eine fundierte wissenschaftliche Basis nicht aus.

Umso weniger, wenn es in einer Kombination aus wissenschaftlichem Input in der Person des Geologen Manfred Krautter, eines pädagogischen Ansatzes, wie ihn Naturparkführer Walter Hieber einbringt, der redaktionellen Arbeit von Anne Rößle und mit der Kreativität von Hardy Wieland und der baulichen Umsetzung von Jochen Bach einhergeht.“

Devise für die nächsten Jahre laute Qualitätssicherung, Instandhaltung und Pflege

Nicht vergessen werden dürfe der stellvertretende Leiter des Revierbezirks Forst BW, Tobias Horvath, der als Vertreter des Grundstückeigentümers Staatsforst stets mit Rat und Tat bereitstand. Der Naturpark habe das Projekt seit 2018 gefördert, so dass die Stadt hinsichtlich der Kosten von 72 000 Euro nun mit ihm halbe-halbe machen könne. Mit den Themenwanderwegen sei man in Welzheim mit der Fertigstellung des Geo-Lehrpfades nun komplett durch, gab Bernlöhr bekannt.

Bahnerlebnispfad, Planetenweg, die Premiumwanderwege, die Basiswanderbeschilderung, alles sei auf einem zeitgemäßen Stand. Der historische Stadtrundgang komme in nächster Zeit noch dran. Die Devise für die nächsten Jahre laute Qualitätssicherung, Instandhaltung und Pflege. Dass es diesbezüglich womöglich viel zu tun gibt, zeichnete sich bereits in den vergangenen Tagen ab. Noch vor Eröffnung des Pfades mussten die Infotafeln ersetzt werden, weil sie mit Steinen zerkratzt, zertrümmert und zertreten worden waren.

„Kein Brot ohne Sandstein. Kein Gebet in der Kirche ohne Steinbruch...“ – so beginnt der Text der Infotafel, die am Grillplatz beim Steinbruch neben dem Wanderparkplatz Viadukt bei der Laufenmühle den Rundgang des neu gestalteten Geo-Erlebnispfads abschließt.

Allein schon diese beiden Halbsätze bringen anschaulich die veränderte pädagogische Zielsetzung zum Ausdruck, die bei der Neugestaltung des Wanderwegs zum Einsatz kommt. Der nunmehr auf 6,5 Kilometer verkürzte Rundweg überwindet

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