Welzheim

Schafgarbe diente nicht nur in Welzheim als Bierwürze

Kräuter
Die Schafgarbe ist als besonderes Kraut bei vielen Menschen nicht mehr präsent. © ALEXANDRA PALMIZI

Heute kaum mehr vorstellbar, wenn es heißt: „Am Ende des Zweiten Weltkriegs gab es nichts mehr.“ Aber so war es. Also schwärmten Schulklassen landauf und landab aus, um unter fachkundiger Anleitung ihrer Lehrer Kräuter für die Apotheken zu sammeln. Gar nicht so leicht, die echte Kamille von der Hundskamille zu unterscheiden.

Auch der Ackerschachtelhalm mit seinem hohen Anteil an Kieselsäure und die Schafgarbe mit ihrer blutbildenden („Blutkraut“) und blutstillenden Wirkung wurden gesammelt. Pfiffigen Schülern bescherte die Schafgarbe einen schulfreien Tag. Ihre Blätter verfügen nämlich über kleine Widerhaken. Steckte man sich nun eines in die Nase, drehte es einige Male und zog es dann heraus, so blutete es etwas. Das Ergebnis: schulfrei wegen „Krankheit“. Das aber ist ein Streich, der nur von Schulen außerhalb Welzheims bekannt ist.

Von Juni bis Oktober steht die 50 bis 60 Zentimeter hohe Schafgarbe in Blüte. Und wer sie nicht in der freien Natur findet, macht einen Ausflug zu den Kaisersbacher Kräuterterrassen. Dort ist das Heilkraut, das vom Bund der deutschen Staudengärtner zur Staude des Jahres 2021 gewählt wurde, ganz sicher zu finden. Wegen ihrer zart geschwungenen, filigranen jungen Blätter auch „Tausendblatt“ genannt, heißt die Schafgarbe bei den Franzosen „en rêve“ (im Traum). Sie blüht rötlich, weiß und gelb. Ihren Namen verdankt die Pflanze dem Umstand, dass Schafe sie als Leckerei ansehen und gerne essen.

Den Menschen diente die Schafgarbe als Bierwürze, bevor Hopfen gebräuchlich wurde. Die stark würzig duftenden jungen Blätter dieser Wegrandpflanze können nicht nur eine Zugabe zu Salaten und Soßen, sondern auch ein herb-aromatisches Wildgemüse sein. Die Schafgarbe fand man in 6000 Jahre alten Gräbern, vielleicht als „Wegzehrung“ oder als Geschenk für die Götter. Und auch in der Liebe hilft die Schafgarbe – angeblich – weiter. Man nehme: eine Schafgarbe, gepflückt vom Grab eines Jünglings, und lege sie mit allerlei Beschwörungen unters Kopfkissen. Im Traum wird der künftige Herzensmensch erscheinen. Probieren kann man‘s ja mal!

Schöne Träume sind garantiert

Und vielleicht sitzt man traut bei einem Garbe-Wein zusammen. Man nehme: eine Handvoll Schafgarbenblättchen, einen Liter guten Rotwein, eine Nelke, ein Lorbeerblatt, eine halbe Zimtstange und den Saft von zwei Orangen. Alles wird aufgekocht, dann muss es zehn Minuten ziehen und durch ein Sieb gegossen werden. Bitte heiß servieren, Prost! Dazu schmecken „Bocksschwänzli“. Es werden circa 15 Schafgarbentriebe gewaschen, getrocknet und einzeln in einen Teig aus vier Esslöffeln Mehl, drei Eiern, einer Tasse Milch und etwas Salz getaucht und in heißem Fett ausgebacken. Mit grobem Salz und Kümmel bestreut, sind die „Bocksschwänzli“ eine Köstlichkeit. Guten Appetit! Und wer sich dann noch ein Schafgarbenblatt auf das Augenlid legt, hat garantiert schöne Träume.

Heute kaum mehr vorstellbar, wenn es heißt: „Am Ende des Zweiten Weltkriegs gab es nichts mehr.“ Aber so war es. Also schwärmten Schulklassen landauf und landab aus, um unter fachkundiger Anleitung ihrer Lehrer Kräuter für die Apotheken zu sammeln. Gar nicht so leicht, die echte Kamille von der Hundskamille zu unterscheiden.

Auch der Ackerschachtelhalm mit seinem hohen Anteil an Kieselsäure und die Schafgarbe mit ihrer blutbildenden („Blutkraut“) und blutstillenden Wirkung wurden

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