Welzheim

Spritzschutzmasken aus Welzheim

Spritzschutzmasken aus Welzheim_0
An diesen 3-D-Druckern werden die Teile für die Schutzmasken hergestellt. © Privat

Welzheim.
Der Mensch ist ein Tüftler, der Schwabe im besonderen Maße. Überall im Ländle sind jetzt die verschiedensten Aktionen gestartet worden, um den Mangel an Spritzschutzmasken während der Coronavirus-Krise zu mildern. Mit dabei zwei junge Tüftler aus Welzheim. Dominik Engelland (30) und Jonathan Schraysshuen (26) lassen ihre 3-D-Drucker im Dauereinsatz rund um die Uhr laufen, um den Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes mit 300 Atemschutzmasken beliefern zu können.

„Wir sind total überrascht, wie schnell wir von anderen Leuten Hilfe bekommen“, berichtet Dominik Engelland. Beide sind beruflich Mechaniker und deshalb mit der Technik sehr gut vertraut, trotzdem ist es ein Hobby, das sie jetzt daheim in den beiden Kellerräumen betreiben. Die beiden Freunde wohnen in einem Zwei-Parteienhaus zusammen.

Beide Mütter arbeiten in der Pflege

Die Idee ist nicht neu, andere Länder wie Italien und Spanien haben damit angefangen, solche Spritzschutzmasken in Massen zu produzieren, die aktuelle Lage dort erklärt es auch. Beide Mütter arbeiten in der Pflege. „Leider mussten wir feststellen, dass ein kompletter Schutz dort nicht vorhanden ist, die alten Leute werden gewaschen und gefüttert, nicht nur die alten Leute sind Risikopatienten.“ Die Zustände wie in Italien seien zwar noch nicht in Deutschland angekommen, aber niemand wisse, wie lange die Lage noch stabil sei.

Die beiden Welzheimer haben deshalb kleinere Organisationen angeschrieben. „Wir dachten daran, ein paar Teile zu produzieren, um einzelnen Menschen zu helfen.“

Sven Knödler, Geschäftsführer des DKK Rems-Murr-Kreis, war von dem Angebot begeistert und fragte, ob die Kapazitäten erhöht werden könnten. Die Rede war von 300 bis 400 Stück im Rems-Murr-Kreis. „Wir waren von der Anzahl an Masken sehr überrascht und haben überhaupt nicht mit so einer hohen Nachfrage gerechnet.“

Einen Tag später meldet sich der Rettungsdienstleiter vom DRK Stuttgart und erzählt, dass momentan 400 Masken fehlen. Die Welzheimer wollen aber zunächst den DRK-Kreisverband Rems-Murr bedienen, danach wäre je nach Schaffung neuer Kapazitäten Stuttgart an der Reihe.

Nun stehen zwei junge Männer in ihrem Keller und produzieren rund um die Uhr. Firmen spendeten Material für die Schutzschilder. Momentan sind drei Drucker im Einsatz, der vierte Drucker ist unterwegs mit der Post, diverse Anfragen von anderen Leuten mit Druckern kamen ebenfalls, aber es soll noch mehr erreicht werden.

Die Drucker drucken einen Rahmen in etwa 45 Minuten bis eine Stunde und 45 Minuten. Woher kommt der große Unterschied? „Wir drucken momentan Rahmen (Modell aus China), die sehr stabil sind, aber auch sehr lange brauchen.“

Dominik Engelland hat daraufhin Fachleute aus medizinischen Berufen verschiedene Materialien testen lassen. Das Material (Filament genannt) besteht aus PETG oder PLA Plus und ist gut geeignet.

Die reinen Materialkosten bewegen sich um die 1,50 Euro. Momentan sind die Gummibänder als Halterung überall ausverkauft. Die jungen Welzheimer konnten aber noch eine 50-Meter-Rolle teuer ergattern. „Leider müssen wir feststellen, dass viele Verkäufer sich genau das zunutze machen und die Preise stark anheben.“

Deshalb sind die Tüftler auf Hilfe angewiesen. Sie suchen und brauchen:

  • Leute, die einen 3-D-Drucker haben. Von Dominik Engelland und Jonathan Schraysshuen bekommen die Leute die 3-D-Datei zum Herunterladen. Alle Rahmen werden gesammelt und gehen an andere Helfer, die die Schilder zusammenbauen. Man muss die Rahmen nicht desinfizieren, das übernimmt das DRK.
  • Benötigt werden Gummibänder (am besten mit Loch), zehn bis 20 Millimeter breit. Sie dienen als Halterung.
  • An Materialien außerdem benötigt werden: Filament (PETG oder PLA) sowie Schutzscheiben/Folien (Hauptsache biegbar), die eine Dicke haben von 0,3 bis 0,8 Millimeter. Man muss gut durch die Scheibe oder Folie sehen können.

Info:

  • Hier die E-Mail-Adresse, über die Anfragen und Angebote an die Initiatoren gerichtet werden können: Rettungspaket-Covid19@gmx.de.

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