Welzheim

Theaterprojekt am Limes-Gymnasium

Theaterprojekt Limes-Gymnasium_0
Kunstlehrer Peter Haury geht zu Beginn der Probearbeiten zuerst auf das Thema Sicherheit auf der Bühne ein. © Schneider / ZVW

Welzheim. „Ich verstehe selbst nicht, wie die Bühne funktioniert.“ Zu Beginn der Probearbeiten ist Kunstlehrer Peter Haury auch noch etwas ratlos. Aber das gibt sich im Laufe der Zeit. Das Welzheimer Limes-Gymnasium bietet in diesem Jahr wieder eine sozialkritische Theateraufführung um Liebe und Gewalt, Ausgrenzung und das Leben mit Menschen mit Migrationshintergrund.

Ein altersübergreifendes Ensemble von 42 Schülerinnen und Schülern aller Klassenstufen von Klasse 5 bis 12 des Welzheimer Limes-Gymnasiums hat sich unter der Leitung von Kunstlehrer Peter Haury für diese Saison das Thema „Romeo und Julia“ vorgenommen, in einer zeitgenössischen Version „Manu und Cansu“.

Zum Inhalt des Stücks: Zwei Jugend-Banden – eine rechtsgerichtete und eine mit überwiegend türkischem Migrationshintergrund – bekriegen sich bis aufs Blut und eine Liebe über die Fronten hinweg macht alles nur noch schwieriger. Wie immer ist das Projekt Anlass für das Fach Bildende Kunst, mit Bühnenbildern und -bauten das Drama um soziales Elend, Perspektivlosigkeit und Hass kraftvoll darzustellen.

Aktuelle Themen im Theaterprojekt aufgreifen

Manu ist ein westeuropäischer Jungenname, Cansu ein türkischer Mädchenname. Liebe und Gewalt sind häufig die Themen, die als existenzielle Anfechtungen des Menschen im Theater als Schrecken heraufbeschworen und dann aber auch wieder verarbeitet werden.

Speziell für ältere Kinder und Jugendliche hält es Kunstlehrer Peter Haury für sinnvoll, im sozialen Medium „Theaterprojekt“, aktuelle, schwierige und manchmal auch von Erwachsenen verdrängte Themen zu bearbeiten, mit denen sie sonst nur rein passiv über den Konsum von Nachrichten konfrontiert sind.

Haury: Stück soll dabei helfen, menschliche Perspektiven zu verdeutlichen

Haury: „Ausgrenzungen auf verschiedenen Ebenen, seien sie wirtschaftlich oder rassistisch motiviert, sind auch in unserem Alltag Probleme, die wir aktiv und engagiert anzugehen haben, wenn wir den Dingen nicht einfach ihren destruktiven Lauf lassen wollen.“ Dass es der Liebe gelingt, die Mechanismen des Hasses zu überwinden, auch wenn der Tod vordergründig siegt, das zeigt die Konstellation der Romeo- und Julia-Geschichte sehr bewegend auf.

Auch am Welzheimer Limes-Gymnasium gibt es eine immer stärker wachsende türkischstämmige Schülergemeinde. Dass Deutsche oder in Deutschland lebende Menschen mit türkischen Wurzeln und Deutsche mit anderen Herkunftshintergründen ein freundliches Zusammenleben in einem besonderen Spannungsverhältnis - auch angesichts der aktuellen Konflikte zwischen den Regierungen und gesellschaftlichen Entwicklungen hinbekommen müssen, macht einen besonderen Reiz für eine künstlerische Beleuchtung dieser Herausforderung aus. „Dass unsere Bilder und unser Stück dabei helfen, mit künstlerischen Mitteln menschliche Perspektiven zu verdeutlichen und zu verstärken, ist meine Hoffnung“, so Haury während der Probenarbeit in der Eugen-Hohly-Halle.


Die Aufführungen finden am Freitag, 2. Februar, und Samstag, 3. Februar, jeweils um 19 Uhr in der Eugen-Hohly-Halle statt. Karten kosten fünf Euro / drei Euro ermäßigt. Der Kartenvorverkauf findet in den Welzheimer Banken und in der Limes-Buchhandlung statt.

Neue Probenform

Das Limes-Gymnasium Welzheim war 2017 nach zweijähriger Pause mit dem neuen Theaterprojekt unter dem Arbeitstitel „Krieg der Amazonen“ an die Öffentlichkeit gegangen. 44 Schülerinnen und Schüler aller Klassenstufen brachten in der Eugen-Hohly-Halle das umgeschriebene Theaterstück Penthesilea auf die Bühne. Aus einem tragischen Stück war ein Lustspiel geworden.

Der Verlauf der Proben ist seit dem letzten Jahr neu: „Nachdem sich die entscheidenden Endproben während des laufenden Unterrichtsbetriebs über die letzten 16 Jahre hinweg als zu aufreibend und nicht genügend effektiv erwiesen haben, ist es das Ergebnis der zweijährigen Besinnungspause, dass ich mit den Darsteller/innen auf die Probenwoche im Schullandheim Mönchhof verzichtet habe, obwohl sie immer ein pädagogisches und künstlerisches Highlight war“, erklärte Peter Haury die neue Situation.

Dieses Gemeinschaftserlebnis habe er geopfert und das Kollegium dafür gewonnen, stattdessen die gewohnte mehrtägige Unterrichtsstörung in der Woche des Halbjahreswechsels unmittelbar vor den Aufführungen mitzutragen.